Mitmasser: „Absiedlung versetzt uns den Todesstoß“. Mehrere Gemeinden wollen die Druckerei Sandler zu sich holen. In Marbach wird versucht, die Wogen zu glätten. Die Firma will noch heuer einen neuen Standort festlegen.

Von Anna Faltner. Erstellt am 27. März 2018 (04:59)
Schweiger
Die Druckerei Sandler in Marbach soll ausgebaut werden. Das setzt allerdings ein endgültiges Ende der Donauuferbahn voraus.

Nachdem Senior-Chef Johann Sandler in der NÖN verkündete, mit seiner Druckerei aus Marbach abzusiedeln, begann sein Telefon im Stundentakt zu läuten. „Viele Bürgermeister aus den Nachbargemeinden haben uns einen Standort angeboten“, erzählt er.

Aktuell kommen drei bis vier davon infrage. „Wir befinden uns noch in Sondierungsgesprächen.“ Grundvoraussetzung für eine Zusammenarbeit ist für das Unternehmen, dass die Gemeinde hinter der Firma steht.

Kerndler: "Würde Belebung für Ortschaft bedeuten"

Warum das Interesse, die Druckerei in die eigene Gemeinde zu holen so groß ist, kann Krummnußbaums VP-Bürgermeister Bernhard Kerndler erklären: „Das macht den Zuzug in den Ort attraktiver und würde eine Belebung für die gesamte Ortschaft bedeuten. So eine Chance hat man nicht alle Tage.“

Ähnlich sieht das auch Pöggstalls VP-Ortschefin Margit Straßhofer: „Es ist ein tolles Unternehmen in unserer Region, mit vielen top ausgebildeten Mitarbeitern. So ein Betrieb ist für jede Gemeinde nur wertvoll.“ Außerdem liegen die Wurzeln der Druckerei dort. Denn 1982 startete Johann Sandler in Pöggstall seinen Betrieb. Unter den Anwärtern für den neuen Druckerei-Standort sollen sich unter anderem auch die Gemeinden Ybbs, Bergland und Persenbeug-Gottsdorf befinden.

„Das zeigt nicht gerade von starkem Zusammenhalt. Ich würde das nicht machen. Aber das ist vermutlich mein Fehler.“SP-Ortschef Anton Gruber

In Marbach steht alles auf Rot. „Eine Absiedlung versetzt der Gemeinde den wirtschaftlichen Todesstoß. Es kann nicht sein, dass der größte Arbeitgeber und der Bürgermeister keine vernünftige Gesprächsbasis finden“, ärgert sich FP-Landeskammerrat Manfred Mitmasser.

Er fordert von der Gemeindeführung ein Umdenken in puncto Donauuferbahn. „Die Eisenbahnstrecke ist Geschichte. Durch die ständigen Resolutionen unseres Bürgermeisters wird das Umwidmungsverfahren unnötig hinausgezögert.“ Genau dort liegt nämlich auch die Wurzel des Streits. Sandler will seinen Betrieb dringend erweitern – und zwar auf jener Fläche, die er nach dem Aus der Donauuferbahn von der NÖVOG erworben hatte. Das bedarf einer Umwidmung, die laut Gruber erst möglich wird, wenn das Auflassungsverfahren abgeschlossen ist.

Für VP-Obmann Peter Grafeneder wäre es spätestens jetzt allerdings an der Zeit, intensive Gespräche mit dem Land NÖ aufzunehmen, um das zu beschleunigen. „Die Bahn steht schon seit zehn Jahren. Im Prinzip ist das Ganze sowieso so gut wie abgeschlossen.“ Sobald Sandler im Grundbuch steht – derzeit ist er nur kaufverträglicher Eigentümer – könnte sein Grundstück parzelliert und umgewidmet werden. „Eine Absiedlung wäre wirklich katastrophal“, so Grafeneder.

Anton Gruber: "Mit mir hat niemand Kontakt aufgenommen"

Die Schuld an der Absiedlung gibt Johann Sandler fast nur SP-Bürgermeister Anton Gruber. „Er lässt wirklich keine Dummheit aus und begreift als Einziger den Ernst der Lage nicht. Dann kann er sich auf seine Fahne heften, dass er zwei große Firmen verloren hat“, wettert er. Der will sich das so nicht gefallen lassen:

„Mit mir hat niemand von der Firma Sandler Kontakt aufgenommen. Solange der Geschäftsführer (Anm.: Hannes Sandler) mich nicht darüber informiert, nehme ich das nicht ernst.“ Dass der Betrieb schon dringend auf einen Ausbau pocht, weiß er. „Ich habe versprochen, alles so schnell wie möglich in die Wege zu leiten, sobald das gesetzlich möglich ist. Und Herr Sandler weiß sehrwohl, dass die Gemeinde immer alles für ihn getan hat“, betont Gruber. Damit spielt er vor allem auf finanzielle Spritzen nach dem Hochwasser 2013 an.

Allerdings sieht er sich nicht allein dafür verantwortlich, dass das Auflassungsverfahren noch nicht abgeschlossen ist. „Wenn ich wirklich allein schaffen würde, ganz Niederösterreich zu verändern, wäre das Wahnsinn. Da würde ich jede Woche eine Resolution unterschreiben“, stichelt er in Gruber-Manier. Die europaweit agierende Druckerei möchte er aber auch nicht an seine Nachbar-Bürgermeister abgeben. „Das zeigt nicht gerade von starkem Zusammenhalt in der Region. Ich würde das nicht machen. Aber das ist wahrscheinlich mein Fehler.“

Grundankauf soll noch dieses Jahr passieren

Wie in der Vorwoche angekündigt, will Sandler den Grundkauf so bald wie möglich über die Bühne bringen. Der Umzug selbst wird sich über mehrere Jahre ziehen. „Über kurz oder lang werden wir unsere knapp 80 Mitarbeiter vermutlich verdoppeln. Wir konnten in letzter Zeit viele Großaufträge nicht annehmen. Das wird sich dann ändern“, ist der Unternehmer euphorisch. Dort wo die Verkehrsanbindung stimmt und die Nähe zur Autobahn gegeben ist, will er sich auf einer Betriebsfläche von rund fünf Hektar ausbreiten.