Eltern wegen Schulsprengel-Regel auf Barrikaden. Mehrere Familien aus Emmersdorf wünschen sich, dass Kinder in die NMS Melk gehen dürfen. Absage stößt auf Wut.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 09. Juli 2019 (05:12)
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Mehrere Eltern äußerten den Wunsch, nicht die NMS Emmersdorf besuchen zu wollen.

Die starre Regelung der Schulsprengel in Niederösterreich hat schon so manchen Streit zwischen Eltern, Direktoren und Gemeindevertretern ausgelöst. Die Debatte ist nun auch in Emmersdorf angekommen. Zwei Anträge mit der Bitte, die Kinder sollen nun nach der Emmersdorfer Volksschule die NMS Melk anstelle der örtlichen Mittelschule besuchen dürfen, langten auf der Gemeinde ein.

Der offizielle Grund auf Papier: der Musisch-kreative- und Informatikschwerpunkt der Musikmittelschule Melk. In der Debatte im Sitzungssaal wurden aber auch noch andere Kritikpunkte laut. Zum Beispiel sei die Gangaufsicht „mehr als chaotisch“, der Status „Naturparkschule“ nicht sonderlich attraktiv – und dass nur Lehrerinnen vor der Tafel stehen, sehen die Eltern als Manko.

Mit der Anfrage der Familien befand sich die Emmersdorfer Politik in der Zwickmühle. Vor zehn Jahren fasste der Gemeinderat nämlich den Beschluss, für keine Umlagen bei einem sprengelfremden Schulbesuch aufzukommen. Im konkreten Fall wären das rund 1.040 Euro pro Kind, welche die Gemeinde Emmersdorf an die Stadt Melk zahlen müsste. „Ich habe mich beim Land erkundigt. Die Entscheidung liegt in so einem Fall bei der Gemeinde“, sagt VP-Bürgermeister Josef Kronsteiner.

Einzige Lösung für Familien: Umziehen

Grünen-Gemeinderätin Manuela Schneck forderte ein Gespräch in großer Runde. „Wenn Kinder die Schule im Wohnort besuchen, müsste das doch der Idealfall sein. Dem müssen wir auf den Grund gehen.“ VP-Gemeinderat Karl Kerschbaumer rief indes den bestehenden Beschluss aus dem Jahr 2009 in Erinnerung. „Wenn wir zusagen, können wir nie wieder ‚Nein‘ sagen.“ Dass es sich um ein emotionales Thema handelte, wurde von Zwischenrufen der Eltern unterstrichen: „Ihr entscheidet über unsere Kinder!“

Nach langer Diskussion gewährte der Gemeinderat einen der beiden Anträge aus gesundheitlichen Gründen des Kindes. Der andere wurde – trotz jeweils drei Gegenstimmen und Stimmenthaltungen – mehrheitlich abgewiesen. Die einzige Lösung für die betroffene Familie wäre jetzt, von Emmersdorf nach Melk zu ziehen. Laut den Eltern soll es außerdem noch weitere drei Kinder geben, die eigentlich lieber in Melk zur Schule gehen würden.

Mit den Vorwürfen konfrontiert, zeigt sich Direktor Franz Siebenhandl überrascht. „Mein Team und ich sind sehr bemüht. Mit der Ernennung zur Naturparkschule wollen wir ökologische Schwerpunkte setzen“, betont er. Zudem habe er auch mit den Eltern gesprochen – und da war laut ihm nie von Unzufriedenheit die Rede, sondern lediglich vom Musikschwerpunkt.

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