Hochratner von eigener Partei gestürzt. VP-Fraktion degradiert den nunmehr Ex-Vize Hochratner zum Gemeinderat. Die Wogen gehen hoch.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 30. Juli 2019 (06:05)
NÖN
Der nunmehr Ex-Vize Richard Hochratner wurde von der eigenen Partei des Amtes enthoben.

Der nunmehr ehemalige Ex-Vizebürgermeister Richard Hochratner wurde von den eigenen Parteikollegen des Amtes enthoben. Dass es schon länger innerhalb der Bürgermeisterpartei kriselte, sickerte immer wieder durch.

"Grüner im schwarzen Schafspelz"

Gegenwind um die geplante Werksansiedlung der Firma Jungbunzlauer in Zelking-Matzleinsdorf, innerparteilicher Schlagabtausch bei öffentlichen Gemeinderatssitzungen: Wenn es krachte, war mit Sicherheit VP-Vizebürgermeister Richard Hochratner mit von der Partie. Unter vorgehaltener Hand hieß es in der Gemeinde schon, er sei ohnehin „ein Grüner im schwarzen Schafspelz“.

„Es ging nicht mehr, es war keine Zusammenarbeit mehr möglich“, argumentiert VP-Fraktionschef Karl Kerschbaumer. Von „russischen Methoden“ spricht der abgesetzte Vize. Eine Wahl habe er nämlich nicht gehabt: Laut Hochratner gaben ihm seine VP-Kollegen zwei Möglichkeiten.

 „Kein leichter, aber notwendiger Schritt“

 „Entweder ich trete aus freien Stücken zurück oder das Abberufungsschreiben, das sie gegen mich aufgesetzt haben, kommt zum Zug und ich werde vom Vize zum Gemeinderat.“ Auf NÖN-Anfrage erläutert Kerschbaumer, wie es dazu kam.

privat
VP-Fraktionschef Karl Kerschbaumer zog, wie er sagte, die Reißleine.

Es sei „kein leichter, aber ein notwendiger Schritt“ gewesen, solche Geschütze gegen Hochratner aufzufahren. „Die Summe der vielen Alleingänge hat uns dazu bewegt. Er wurde zum Einzelkämpfer. Dass das für alle Seiten nicht angenehm ist, versteht sich von selbst“, meint er.

Hochratner: "Eine linke Partie"

Vergangenen Freitag konfrontierte die VP-Fraktion Hochratner mit dem – einstimmigen – Beschluss zu seiner Amtsenthebung, bis Montagfrüh hatte er Zeit, sich zu entscheiden. „Ein faires Ultimatum“, findet Kerschbaumer. „Eine linke Partie“, hält Hochratner dagegen.

Einen solchen Abtritt hätte er sich nicht verdient: „Seit 2005 bin ich in der Gemeindepolitik aktiv, jahrelang engagierte ich mich bei der JVP. Ich habe immer versucht, das Beste für Emmersdorf herauszuholen.“

Politische Zukunft von Hochratner offen

Jetzt ist das Amt des Vizebürgermeisters frei, Hochratner VP-Gemeinderat. Fraglich ist, ob oder wie lange das so bleibt: Ob er die Partei verlässt, zu einer anderen Fraktion wechselt oder gar eine eigene Liste ins Leben ruft, lässt er sich noch offen. Dass die Aktion auch einen Schatten auf die ÖVP Emmersdorf wirft, schließt Kerschbaumer nicht aus. „In Teilen der Bevölkerung wird diese Sache negativ auf uns zurückfallen. Aber wie gesagt, es war notwendig.“

Gleiß
Emmersdorfs VP-Bürgermeister Josef Kronsteiner unterstützt den Beschluss.

Und was sagt der Bürgermeister? Josef Kronsteiner meinte noch nach dem Clinch zwischen Kerschbaumer und Hochratner bei der vergangenen Gemeinderatssitzung gegenüber der NÖN, dass man „auch innerhalb einer Partei nicht immer gleicher Meinung sein muss“.

Warum genau das nun Hochratner das Amt kostete? „Jedem steht seine Meinung frei, aber es wurde immer schwieriger mit ihm. Wir haben viel weitergebracht, aber wenn zehn Leute einen Beschluss gegen ihn unterschreiben, zeigt das ein klares Bild.“