Richard Hochratner: „Problem liegt in der VP-Führung“. Nachdem Ex-Vize Richard Hochratner (VP) Ende Juli von seiner Partei degradiert wurde, stellt er sich nun erstmals der NÖN.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 15. Oktober 2019 (03:31)
privat

NÖN: Herr Hochratner, Sie waren die letzten Monate auf Tauchstation. Für Sie als Politiker, der dafür bekannt ist, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, eine doch untypische Reaktion.

Richard Hochratner: Ich wollte abwarten und nichts überstürzen. Nachdem mit mir vorher kein Wort darüber geredet wurde, war ich sehr überrascht. Keiner hatte die Courage, unglaublich, wie feig die alle sind!

Ihr einziges Statement zu dem Abberufungsbescheid Ihrer VP-Parteikollegen war, dass mit „russischen Methoden“ gegen Sie vorgegangen worden sei. Wie sehen Sie die Aktion mit ein paar Monaten Abstand?

Hochratner: Ich sehe das jetzt noch schlimmer. Es war eine persönliche Revanche des Parteiobmannes für eine Angelegenheit. Er bestreitet das und versteckt alles hinter der „Umweltgeschichte-Jungbunzlauer“, denn ich sei ja „ein Grüner im Pelzmantel der Schwarzen“. Das passte gut, um mich loszuwerden. Die Arbeit des Parteiobmannes hat bisher nichts mit der Gemeinde zu tun, sondern mit Befindlichkeiten und eigenen Ambitionen.

Die VP-Fraktion rechtfertigte die Aktion damit, dass Sie zu sehr zum Einzelkämpfer geworden seien. Wie sehen Sie das?

Hochratner: Das Problem liegt in der VP-Führung. Unser Bürgermeister war mit einigen Aufgaben überfordert. Oft wurden vereinbarte Dinge von ihm bestritten, obwohl vorher alles besprochen worden war. So geht‘s nicht, man kann sich nicht ständig drehen und wenden.

Vor Alleingängen scheuten Sie aber wirklich nicht. In der Causa Jungbunzlauer waren Sie sehr wohl der einzige VP-Mandatar, der sich gegen den Bau der Zitronensäurefabrik aussprach. Damals meinten Sie, dass „der Druck von oben für viele VP-Mandate ein Hindernis, ihre Meinung zu sagen“ sei. Wie steht es um die Meinungsfreiheit in der ÖVP?

Hochratner: Die Meinungsfreiheit, das ist ein Parteiproblem! Immer lächeln und „Ja“ sagen, dann passt alles. Das bin ich nicht!

Wie stehen Sie zum neuen Vize?

Hochratner: Ich muss leider die gesamte VP-Führung in einen Topf werfen, auch er hat sich im Kollektiv gegen meine Person feig versteckt. Lächeln allein wird auf Dauer zu wenig sein.

Sie starteten Ihre politische Karriere bei der JVP, sind seit 2005 in der Gemeindepolitik aktiv. Per einstimmigen Abberufungsbescheid wurden Sie vom Vize zu einem einfachen VP-Gemeinderat. Ist die ÖVP denn noch „Ihre“ Partei, sind die VP-Mitglieder noch so etwas wie Kollegen?

Hochratner: In einer Partei hat man keine wahren Freunde oder Kollegen. Wenn es um eigene Befindlichkeiten geht, kann jeder sofort dein „Unfreund“ werden. Ich habe grundsätzlich nichts gegen die ÖVP. Für das Unvermögen einiger Gemeindevertreter möchte ich nicht die gesamte Partei verantwortlich machen.

Während die ÖVP Sie rauswarf, zeigten die Oppositionsparteien Grüne und SPÖ Solidarität, sprengten sogar die erste Vize-Wahl mitunter als Zeichen für Sie. Ist ein politischer Farbwechsel für Sie denkbar?

Hochratner: Erstmals möchte ich mich bei Manuela Schneck, Helmut Wallner, Dominik Strummer und Stefan Kloihofer bedanken. Sie haben Menschlichkeit gezeigt, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren. Ich weiß noch nicht, ob ich mich weiter in der Gemeindepolitik engagieren möchte. Für die vielen positiven Reaktionen aus der Bevölkerung bedanke ich mich – sie sind der Grund, warum ich noch keine endgültige Entscheidung getroffen habe.