Vor 60 Jahren: Die „Mariandl“-Stars vor der Haustür. Der Wachauer Kultfilm feiert heuer sein 60-jähriges Jubiläum. Ein Emmersdorfer Ehepaar erzählt vom Dreh direkt vor ihrem Zuhause.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 27. Februar 2021 (05:37)
Peter Weck und Cornelia Froboess am Donaustrand Emmersdorfs, links im Hintergrund ist schemenhaft das Stift Melk zu sehen.
Archiv/Volksschule Emmersdorf, Denise Schweiger

Wer kennt sie nicht, die Geschichte um Marianne Mühlhuber, Tochter Mariandl und Hofrat Franz Geiger: Genau vor 60 Jahren wurde der Austro-Kultfilm „Mariandl“ gedreht – in zahlreichen Plätzen in der Wachau, darunter auch in der Marktgemeinde Emmersdorf. Vor 60 Jahren, da war Erich Hulek 16 Jahre alt, seine spätere Gattin Maria neun.

„Es war für uns schon etwas Besonderes, die Schauspieler im Ort zu sehen“, erinnert sich Maria Hulek (68) zurück. Filmstars samt Kamerateams bekommt man schließlich selten zu Gesicht. Auch wenn das Emmersdorfer Paar damals wenig Kontakt zu den Darstellern hatte – ihr Haus war die Außenkulisse für das Gasthaus „Goldene Gans“, in dem sich Waltraut Haas als Marianne Mühlhuber abrackerte.

Im Film befindet sich das Lokal in Dürnstein, in der Realität wurden die Außenaufnahmen vor ihrem Zuhause auf dem Georg-Prunner-Platz gedreht. „Unser Wohnort ist sehr oft im Bild zu sehen, besonders der Platz mit dem Brunnen, den es leider heute nicht mehr gibt“, erzählt Maria Hulek. Nach jahrelanger Umgestaltung wurde der Platz inmitten der Gemeinde Ende November 2019 neu eröffnet.

„Unser Wohnort ist sehr oft im Bild zu sehen, besonders der Platz mit dem Brunnen, den es leider heute nicht mehr gibt.“ Maria Hulek

Die Dreharbeiten waren aber nicht nur ein Spektakel im Ort – sie stellten auch den Alltag mancher Emmersdorfer auf den Kopf. Etwa den von Erich Hulek. Sein Vater führte zu dieser Zeit einen Installationsbetrieb, er war dort Lehrling. „Während der Dreharbeiten durften wir nicht arbeiten, denn es musste ganz still sein. Für das Ruhen des Betriebes gab es eine angemessene Entschädigung“, berichtet der heute 76-Jährige.

Seine Eltern stellten den Schauspielern im Haus am Georg-Prunner-Platz eine Garderobe zur Verfügung – dort befindet sich heute das Wohnzimmer des Ehepaares.

Die beiden haben auch Anekdoten aus der Drehzeit parat. „Einige der Schauspieler angelten gern in den Drehpausen, Herr Hofinger, ein Emmersdorfer ‚Original‘, wurde ersucht, Regenwürmer zu sammeln“, meint Maria Hulek. Peter Weck, der Peter Hofer mimte, hatte laut den Eheleuten einen Sportwagen, gemeinsam mit Conny Froboess, die die Rolle des Mariandls verkörperte, erkundete er in den Pausen die Umgebung. „Einmal saß Conny Froboess in der Zille meines Mannes, das hat ihm gar nicht gefallen, aber er hat sie gewähren lassen“, schmunzelt sie.

Hans Moser soll eine Einladung einer Emmersdorferin zur Kaffeejause ausgeschlagen haben, weil die Dame im ersten Stock wohnte. „Er war zu dieser Zeit auch nicht mehr der Jüngste. Er sagte: ‚Nein, wegen eines Kaffees geh‘ ich nicht in den ersten Stock‘ und genoss seinen Kaffee in unserem Haus im Erdgeschoß, da war eine Bäckerei eingemietet.“

Für den nächsten „Mariandl“-Filmabend raten die Huleks, in der Schlussszene genauer hinzusehen: Edith Elmay, die Steffi Holler darstellte, sei nämlich nicht selbst im Auto davongebraust. „Sie konnte nicht Auto fahren oder hatte keinen Führerschein, so genau weiß ich das nicht mehr. Also saß sie im Auto und das wurde mit einem Seil gezogen. Wenn man genau hinsieht, kann man den Ruck sehen, wie das Fahrzeug weggezogen wird“, verrät Hulek.

Bürgermeister Richard Hochratner (Liste Bürgernahes Emmersdorf) will die Filmgeschichte der Gemeinde in den Vordergrund rücken und ist auf der Suche nach Fotos von Dreharbeiten in Emmersdorf. „Unsere Gemeinde war Kulisse für einige Filme, wir sind stolz darauf“, verweist er darauf, dass künftig historische Aufnahmen den Schaukasten in Seegarten schmücken sollen.