Bezirk Melk: Freiwillig ins Homeschooling?. In Weiten wollen viele Eltern Kinder zum Hausunterricht ummelden. Gemeinde fürchtet Konsequenzen, etwa Schulschließung.

Von Denise Schweiger, Michael Bouda und Nadja Straubinger. Erstellt am 28. Juli 2021 (05:06)
440_0008_8135852_mel30weiten_volksschule_weiten_2021_3.jpg
Reiner

Vor Kurzem landete eine amtliche Mitteilung mit Sprengkraft in den Postkästen der Weitener. Die Marktgemeinde informiert, unterzeichnet von ÖVP-Bürgermeister Franz Höfinger: „Sollte die Schülerzahl in der Volksschule Weiten (durch Abmeldungen) weiter sinken, ist auch eine Teilung in den Hauptgegenständen nicht mehr gesichert. Eine permanent sinkende Schülerzahl an unserer Volksschule kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass wir uns in der Gemeinde mit einer eventuell im Raum stehenden Schulschließung auseinandersetzen werden müssen.“

Das Schreiben liegt der NÖN vor, darin bittet Höfinger in Namen des Gemeindevorstandes und des Schulausschusses die Eltern, ihre Kinder nicht in den häuslichen Unterricht umzumelden. Warum – allem Anschein nach – viele Eltern in Weiten gerade zum Hausunterricht für ihre Kinder tendieren? Corona.

„In der Bildungs- region Mostviertel drei waren es durchschnittlich 50 bis 60 Kinder, heuer gehen wir schon Richtung 200. Das ist alarmierend.“ Johann Heuras, Bildungsdirektor für Niederösterreich

„Es gibt einige Eltern, die ihre Kinder zuhause unterrichten lassen wollen, andere stören sich konkret an den Corona-Schutzmaßnahmen im Schulalltag“, berichtet Höfinger, der bereits mit Eltern das Gespräch gesucht hat. Wie viele Kinder in Weiten schon abgemeldet sind bzw. wie viele Eltern darüber nachdenken, könne Höfinger aktuell nicht sagen. „Die Frist zur Abmeldung läuft bis zum Ende der Ferien.

Erst dann kann man da seriöse Zahlen nennen“, betont er. Laut NÖN-Informationen sollen zumindest fünf der 40 Schüler abgemeldet sein, einige weitere Eltern überlegen derzeit noch. Der Ortschef stehe in der Debatte zwischen den Stühlen: Einerseits sorge er sich um Klassenzusammenlegungen und die Volksschule, andererseits müsse jeder selbst entscheiden, was das Beste für sein Kind ist.

„Es ist nie von Vorteil, wenn weniger Kinder in die Schule gehen“ Kilber Bürgermeister  Manfred Roitner

Auch in Kilb kämpft man mit einer Reduktion der Schüler: Fünf Abmeldungen gibt es bisher – eine wegen der Corona-Tests, vier wegen einer Umstellung auf häuslichen Unterricht. „Es ist nie von Vorteil, wenn weniger Kinder in die Schule gehen“, verweist ÖVP-Ortschef Manfred Roitner darauf, dass es nun in einem Jahrgang zu einer Klassenzusammenlegung kommen könnte.

Nachgefragt bei Johann Heuras, Bildungsdirektor für Niederösterreich, zeigt sich, dass das Interesse am Hausunterricht nicht nur im Bezirk Melk gestiegen ist. „Wir haben vermehrt Abmeldungen aus der Regelschule für den häuslichen Unterricht. In der Bildungsregion Mostviertel drei etwa waren es durchschnittlich 50 bis 60 Kinder, heuer gehen wir schon Richtung 200. Das ist alarmierend“, betont er.

Viele Eltern sollen die Corona-Tests als Grund angegeben haben – und auch die Furcht vor der Einführung einer Impfpflicht. „Ich denke, dass es sich um eine Vorsichtsmaßnahme handelt. Ich möchte aber schon zu bedenken geben, dass man mit dem häuslichen Unterricht den Kindern die sozial-emotionale Entwicklung nimmt. Ob das gut ist, stelle ich in den Raum“, argumentiert der Bildungsdirektor gegenüber der NÖN.

Angesprochen auf die Situation in Weiten sieht Heuras keine Gefahr in Verzug: „In der Dimension sind wir noch nicht. Natürlich muss man diese Entwicklung hinterfragen, aber Schulstandorte sehe ich in Niederösterreich keine gefährdet.“

Umfrage beendet

  • Könntest du dir vorstellen, deine Kinder daheim zu unterrichten?