Auch im Bezirk Melk: Baustoffe sind derzeit Mangelware. Am Bau läuten derzeit die Alarmglocken. Es werden Knappheiten und Verzögerungen bei Baumaterialen und Werkstoffen verzeichnet.

Von Lisa Schinagl und Markus Glück. Erstellt am 28. April 2021 (05:32)

Baustoffmangel stellt in Zeiten der Pandemie aktuell zahlreiche Baumeister und Baubranchen vor unbekannte Herausforderungen. Für Oliver Kautz, der Geschäftsfeldleiter für Baustoffe des Hagebaumarktes Schuberth in Melk, ist die Situation aber nicht neu. Er erklärt, dass man bereits vor einigen Jahren Erfahrungen mit derartigen Verzögerungen machte, aber nicht in vergleichbarer Form.

Die derzeitige Situation fußt unter anderem in der Corona-Krise, wodurch laut Kautz eine „Irritation des Weltmarktes“ entstand. Er erzählt von vier maßgeblichen Parametern, die die vorherrschenden Schwierigkeiten mitunter verstärken. Zum einen sei es der stockende interkontinentale Verkehr aus Staaten wie China und zum anderen fehlen ab und an wichtige Rohstoffe, die zu Unterbrechungen in der Produktion führen.

Kautz nennt überdies die Kurzarbeit, die vor allem in den vorherigen Lockdowns zum Einsatz kam und den Mangel an Lkw, als Gründe für die Engpässe in der letzten Zeit.

Gerald Hongleitner-Welt, Produktionsleiter von Stora Enso, berichtet von einer ähnlichen Situation in der Holzbranche, die nicht zu unterschätzen sei.  Er stellt klar, dass die Engpässe aufgrund der Witterungsbedingungen, wie etwa später Schnellfall, entstehen und dadurch eine verzögerte Holzernte mit sich bringt. Auch von der Mitschuld der Pandemie kann er nicht absehen: „Seit Sommer 2020 ist der Bauboom nahezu explodiert“, erklärt er, denn durch Homeoffice und Do-It-Yourself Projekte kam es zu einer erhöhten Nachfrage.

Unternehmensberaterin Christa Kranzl glaubt aber an eine künstliche Verknappung bei einigen Industriezweigen: „Ich verstehe Branchen, wo tatsächlich Materialknappheit herrscht. Holz haben wir aber in Hülle in Fülle und ich frage mich, wo diese Materialknappheit plötzlich herkommt.“  Laut ihr führt der Baustoffmangel in der Gewerbe- und Handelsbranche auch beim Umgang mit dem Kunden zu massiven Problemen. „Bei Holz oder Glas gibt es teilweise im Einkauf nur Tagespreise. Wie soll ein Betrieb hier einen verlässlichen Preis an seine Kunden weitergeben“, ärgert sich Kranzl.

„Für die massiven Preissteigerungen ist vor allem die Gier der Menschheit verantwortlich.“ Thomas Pöchhacher, Baumeister aus Ybbs

Ähnliche Herausforderungen kennt auch der Ybbser Baumeister Thomas Pöchhacker. Zurzeit ist in manchen Bereichen mit bis zu zehn Wochen Lieferzeit zu rechnen, erklärt er. Anlass für die auftretenden Mängel sei die Konjunktur des Auslandes, wodurch „viele Baustoffe den Weg nach Europa gar nicht finden“.

Des Weiteren hebt Pöchhacker die vermehrten Preissteigerungen von mehr als zehn Prozent auf fast alle Materialien hervor. Den Grund für die steigenden Preise sieht er ohneweiters „in der Gier der Menschheit“, wobei er betont, dass diese vor allem den „Großen“ zugutekomme.

Das Bauunternehmen HoGe-Bau Pöchlarn muss laut Chef Gernot Hofegger „im Minutentakt“ mit Mängeln rechnen. „Gerade hat mich wieder eine E-Mail erreicht, in der über Preissteigerungen informiert wird.“

Baustoffmängel seien in allen Bereichen auffällig, sagt Hofegger und erklärt, dass die Situation schon teilweise zu Baustellenverschiebungen führt. Auch Andrea Fraiss, von Fraiss Bau aus Pöchlarn, erzählt von ähnlichen Problemen. Gerade im Bereich der Dämmstoffe sei diese Situation erstmalig. Für das Unternehmen sei dies „sehr dramatisch“.

Fraiss legt dar, dass sie noch Restmaterialien auf Lager hatten, diese seien aber mittlerweile auch verbraucht. Mit dem massiven Preisanstieg muss sich auch Fraiss Bau abmühen, dass Problem sei also „auf mehreren Seiten“, erklärt sie.

Zu derartigen Herausforderungen kam es beim kürzlich fertiggestellten Umbau des Kindergartens in Hofamt Priel nicht, zeigt sich Bürgermeister Friedrich Buchberger erfreut. Der Zeitplan konnte somit „unter größten Anstrengungen“ eingehalten werden.

Die Gefahr von Baustoffmängeln brachte zuletzt sehr viele Bauunternehmen dazu, raue Mengen an Materialien einzukaufen, was Oliver Kautz von Hagebau Schuberth als „kontraproduktiv“ beurteilt. Auch Thomas Pöchhacker gibt an, das Lager aufgefüllt zu haben, um zukünftige Engpässe zu vermeiden.

Kautz hofft, dass aus der jetzigen Situation Lehren gezogen werden. „Wenn man langfristig vorplant, bekommt man kleine Schwankungen besser in den Griff“, konstatiert er. Im Fall des Hagebaumarkts Schuberth wurden bereits vor einigen Jahren Schwerpunklager umgesetzt, um Gewerbekunden so gut wie möglich versorgen zu können. „Wir haben dadurch eine gewisse Pufferfunktion“, erklärt Kautz und weiß, dass sich die Vorkehrungen als sehr wirkungsvoll abzeichnen, wenn es zu plötzlichen Krisensituationen kommen sollte.

Stora Enso warnt bereits vor neuerlichen längeren Lieferzeiten in Zukunft, versichert aber, alles zu tun, um möglichst viel Planungssicherheit zu geben. Thomas Pöchhacker zeigt sich indes zuversichtlich und erklärt, dass sich die Situation bis Ende des Jahres beruhigen sollte. 

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