Wenn der Vater 560 Kilometer weit weg ermordet wurde. Über fünf Stunden dauert die Reise, die die beiden Sloweninnen Ada und Nada Starc jedes Jahr auf sich nehmen, um ihrem Vater und Großvater Jože Starc zu gedenken. Aufgrund der Coronakrise wird die Gedenkfeier beim ehemaligen KZ Melk 2020 aber nicht stattfinden.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 07. April 2020 (15:06)

Erst kommt der Ostergruß nach Melk, danach die Sloweninnen Ada und Nada Starc aus Sveti Anton. So ist es schon jahrelang Tradition. Doch dieses Jahr bleibt es bei dem Brief der beiden an das Zeithistorische Zentrum in der Bezirkshauptstadt. Aufgrund der Schutzmaßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus wird die Gedenkfeier für die Verstorbenen im ehemaligen Konzentrationslager Melk nicht stattfinden.

"Normalerweise kommen sie jedes Jahr. Dabei gedenken sie Jože Starc, Adas Vater und Nadas Großvater", berichtet Christian Rabl vonseiten des Zeithistorischen Zentrums "Melk Memorial". Starc wurde erst nach Mauthausen gebracht, als "jugoslawischer Schutzhäftling" kategorisiert und bekam die Häftlingsnummer 113.830 zugewiesen. Als einer von mehr als 500 "Hilfsarbeitern" und "Bergleuten" wurde er im Jänner 1945 nach Melk transportiert. Nach einem Monat Zwangsarbeit in der Stollenanlage In Roggendorf  verstarb Starc.

Über fünf Stunden dauert die Reise, die Ada und Nada Starc in Gedenken an ihren Vater und Großvater Jahr für Jahr auf sich nehmen. Im Garten der Gedenkstätte haben sie einen Baum gepflanzt, auf dem eine kleine Gedenktafel für Jože hängt. Zudem befindet sich ein Foto von ihm in der Gedenkstätte.