Gedenken für NS-Opfer in Emmersdorf. Erstmals fand auf Initiative von Helmut Paul Wallner und Richard Hochratner eine öffentliche Gedenkfeier beim sogenannten „Judengrab“ statt.

Von Markus Glück. Erstellt am 05. Oktober 2019 (03:45)
privat
An der Gedenkfeier nahm neben VP-Vizebürgermeister Geeorg Ertl auch Ladimir Kysliakow, Attaché der Botschaft der Russischen Föderation, und Maxim Garichev teil.

Im April 1945 wurden im Wald zwischen Leiben und Emmersdorf in der Nähe der sogenannten Kreuzföhre neun ungarisch-jüdische Zwangsarbeiter sowie ein sowjetischer Kriegsgefangener von SS-Einheiten brutal ermordet, nachdem sie bei der damaligen Spinnfabrik angehalten wurden.

Die Opfer mussten sich zunächst selbst ihre Gräber schaufeln, sich dann in den Gruben auf den Bauch legen und wurden per Genickschuss hingerichtet. Im Herbst 1945 wurden die namentlich bis heute unbekannten Opfer am Rande des katholischen Friedhofs in Emmersdorf beerdigt, seither befindet sich dort das bis vor wenigen Jahren völlig unkommentierte sogenannte „Judengrab“. Am Freitag fand auf Initiative von Helmut Paul Wallner und Richard Hochratner erstmals eine öffentliche Gedenkfeier für die Ermordeten statt, in deren Rahmen auch eine neue Gedenktafel enthüllt wurde.

Schüler der vierten Klasse der NMS Emmersdorf hatten sich im Vorfeld mit ihrer Lehrerin Danja Kloibhofer mit den historischen Geschehnissen auseinandergesetzt.

Der wissenschaftliche Leiter des Zeithistorischen Zentrums Melk, Christian Rabl, berichtete über das aktuelle Doku- und Vermittlungs-Projekt „Zwischenräume“ beim Museum „Erlauf erinnert“, welches sich unter anderem mit der Geschichte des Leibener Massakers und der Erinnerungskultur in der Nachkriegszeit auseinandersetzt.

„Massaker, wie jene in Leiben oder in Hofamt Priel, passierten nicht völlig unvermittelt. Diesen menschenverachtenden Taten gingen Jahre der Propaganda voraus.“