Bedenken wegen großer Photovoltaik-Anlage in Kilb. Rund elf Hektar soll die Photovoltaik-Anlage bei Schützen umfassen. Anrainer des Großprojekts haben Bedenken.

Von Michael Bouda. Erstellt am 20. Januar 2021 (05:48)
Hans Janker vor der PV-Anlage am Firmengelände in Kilb. Als Vorteile des Großprojekts bei Schützen nennt er die damit einhergehende Vorreiterrolle bei der Erreichung der Energieziele Österreichs, die regionale Wertschöpfung in der Gemeinde, die Sicherung von Arbeitsplätzen sowie die dezentrale Stromversorgung. Janker ist offen für Gespräche mit besorgten Bürgern: „Es wird natürlich eine Veränderung der gewohnten Landschaft, aber es sind alle eingeladen, sich mit mir meinen bestehenden Park anzuschauen.“
Ecowind

Besorgt meldeten sich Bürger aus Kilb bei der NÖN-Redaktion, bei einem Treffen äußerten die Anrainer, die in der Zeitung anonym bleiben möchten, ihre Bedenken. Der Grund: Es soll eine bis zu 18 Hektar große Photovoltaikanlage im Bereich des Umspannwerks bei Schützen entstehen.

Es gibt Pläne, und diese sind bereits sehr konkret, zeigen die NÖN-Recherchen. Allerdings sind die 18 Hektar nur die maximal mögliche Fläche, tatsächlich soll das Projekt kleiner ausfallen, wie Hans Janker berichtet. Er ist Geschäftsführer des Kilber Unternehmens Ecowind, das das Vorhaben umsetzen will. „Es sollen zirka zehn bis elf Hektar um das Umspannwerk herum werden“, erklärt Janker im Gespräch mit der NÖN.

Hans Janker vor der PV-Anlage am Firmengelände in Kilb. Als Vorteile des Großprojekts bei Schützen nennt er die damit einhergehende Vorreiterrolle bei der Erreichung der Energieziele Österreichs, die regionale Wertschöpfung in der Gemeinde, die Sicherung von Arbeitsplätzen sowie die dezentrale Stromversorgung. Janker ist offen für Gespräche mit besorgten Bürgern: „Es wird natürlich eine Veränderung der gewohnten Landschaft, aber es sind alle eingeladen, sich mit mir meinen bestehenden Park anzuschauen.“
Ecowind

Eine Leistung von acht bis zehn Megawatt Peak (MWp; die unter Standard-Bedingungen zu erwartende Leistung) soll die Anlage liefern und damit jährlich rund 9,5 Gigawattstunden an Energie produzieren. Dies entspreche, rechnet Janker vor, rund 40 Prozent des jährlichen Energiebedarfs der Region „Hoch 6“ – also der Gemeinden Mank, Kilb, Bischofstetten, Hürm, Kirnberg und Texingtal. Die Anlage wäre eine der größten Österreichs.

Derzeit, so Janker, befinde man sich in der Planungsphase, die in rund drei Wochen so weit fortgeschritten sein soll, dass die Unterlagen bei den Behörden eingereicht werden können.

In weiterer Folge wird der neue Zonenplan des Landes Niederösterreich (siehe „Hintergrund“ unten) entscheidend sein, ehe der Gemeinde die Widmung obliegt. Ein Baustart wäre für Janker spätestens 2023 wünschenswert. Je nach Jahreszeit würde die Errichtung ein halbes bis ein Jahr in Anspruch nehmen.

Drei Hauptkritikpunkte von Anrainern

Drei Hauptkritikpunkte haben Anrainer gegenüber der NÖN vorgebracht. Der erste betrifft die Größe der Anlage – 15 Fußballfelder würden auf einer Fläche von 11 Hektar Platz finden. Das sei eine Fehlentwicklung, meinen die Kritiker, es gebe ausreichend Raum für PV-Anlagen – beispielsweise auf bestehenden Dachflächen. „Gebäude sind zu bevorzugen“, sagt Kilbs VP-Bürgermeister Manfred Roitner dazu. „Aber das ist natürlich unabhängig von diesem Projekt.“

Denn hierbei sei auch die Freiheit der Grundstückseigentümer zu respektieren, wie sie ihre Flächen bewirtschaften wollen. Darüber hinaus hat die Gemeinde eine Studie in Auftrag gegeben, die nach einer Vielzahl von Kriterien bewerten soll, wo im Gemeindegebiet PV-Anlagen sinnvoll sind.

Die zweite Sorge von Bürgern dreht sich um Auswirkungen durch das Projekt: vom Landschaftsbild über spiegelnde Flächen bis zu einem Anstieg der Umgebungstemperatur durch die dunklen Paneele. Janker gibt Entwarnung. „Mittlerweile sind alle Anlagen entspiegelt“, erklärt er und verweist auf den 5.000 Quadratmeter großen Solarpark am Firmengelände, den er auch für Erfahrungszwecke vor einem Jahr errichtet hat. „Es gab null Hitzeentwicklung“, sagt Janker.

Bezüglich des Landschaftsbildes werde seitens des Unternehmens viel Wert auf Begrünung gelegt. „Es wird keine elf Hektar große geschlossene Glasfläche“, betont Janker. So ist im Bereich der Hochspannungsleitung, die über das Gelände führt, ein Grünstreifen notwendig, zwischen den Modulen werden Wege und Grünstreifen geschaffen und Büsche sollen die Anlage weiter verträglicher für das Landschaftsbild machen. Außerdem soll die Fläche weiterhin auch landwirtschaftlich genutzt werden. Ideal wäre laut Janker eine Schafweide.

Infoveranstaltung so bald wie möglich

Fehlende Information ist schließlich der dritte große Kritikpunkt von Anrainern. „Keiner weiß, was da für ein großes Projekt geplant ist“, moniert ein Bürger. Janker entgegnet: „Wir legen großen Wert darauf, dass sowohl die Grundstückeigentümer als auch die Anrainer laufend über die aktuellen Entwicklungen des Projektes informiert werden.“

So seien auch bereits Gemeinderat samt Bürgermeister verständigt worden und es hätten persönliche Gespräche mit Anrainern stattgefunden. Umfassende Informationen soll es nach der Einreichung geben, wenn die Details bekannt sind.

Auch eine Informationsveranstaltung ist geplant, sobald dies pandemiebedingt wieder möglich ist. Aber nicht nur Informationen soll es für die Kilber Bevölkerung geben, sondern auch die Möglichkeit, sich an dem Photovoltaikpark zu beteiligen. Janker: „Wir als Kilber Unternehmen wollen eine Photovoltaikanlage von Kilbern für Kilber organisieren.“