Facharbeitermangel sorgt für Probleme im Bezirk Melk. Trotz Konjunkturboom haben Unternehmen erhebliche Probleme, die einlangenden Aufträge auch abzuarbeiten. Es fehlt an qualifizierten Fachkräften.

Von Claudia Christ. Erstellt am 24. Februar 2018 (04:04)
Handwerk hat nach wie vor „Goldenen Boden“ – derzeit fehlt es aber auch im Bezirk an qualifizierten Facharbeitern.
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„Ich könnte sofort sechs Lehrlinge sowie zwei Installateure und zwei Elektriker aufnehmen“, verdeutlicht Josef Prinz, Geschäftsführer des Installationsbetriebes Neidhard in Loosdorf, seine prekäre Lage. Trotz bester Berufschancen mangelt es wie in vielen Branchen auch in seinem Betrieb an qualifizierten Facharbeitern. „Ich muss jede Woche deshalb einen Auftrag absagen“, erklärt er. Ein Wachstum des Betriebes sei so nicht möglich.

Ausbeute an Lehrlingen gleich null

„Wir schalten Inserate und gehen auch in die Schulen, um die Chancen einer solchen Ausbildung aufzuzeigen“, betont Prinz. Dennoch ist die Ausbeute gleich null: „Heuer werden wir deshalb keinen Lehrling aufnehmen. Das hatten wir noch nie.“ Ebenso hat das Unternehmen eine Mitarbeiter-Prämie als Motivation eingeführt, um neue Mitarbeiter aus dem Freundeskreis und dem privaten Umfeld anzuwerben. „Wir stehen der Situation hilflos gegenüber. Für mich ist es bereits drei vor zwölf“, betont er.

Dass die Lage ernst ist, hat auch die Niederösterreichische Wirtschaftskammer erkannt und ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt.

Vielfältige Palette an Maßnahmen

Mit dem NÖ Begabungskompass, einem verpflichtenden Fach „Berufsorientierung“ in den Schulen und Initiativen auf dem Sektor der Lehrlingsausbildung, von Berufsinformationsveranstaltungen bis hin zu Karriere-Clubbings: In speziellen Ausbildungsprogrammen mit WIFI und AMS werden in modularen Lehrgängen Vorbereitungskurse in jenen Branchen durchgeführt, wo Fachkräfte besonders nachgefragt werden.

Unter dem Motto „Meister meets Master“ arbeitet die Wirtschaftskammer auch mit der New Design University (NDU) in St. Pölten zusammen. Dabei wird auf Praxis und universitäre Lehre der größte Wert gelegt.

AMS Melk blickt positiv in die Zukunft

Das Arbeitsmarktservice Melk blickt aufgrund der aktuellen Zahlen durchaus positiv in die Zukunft. „Am stärksten gestiegen ist das Angebot im Monat Jänner im Metall und Elektrobereich“, betont AMS-Leiter Josef Mayer. Derzeit stehen 377 freie Stellen (mit Lehrabschluss) 862 vorgemerkten Arbeitssuchenden (mit Lehrabschluss) gegenüber.

Für Geschäftsführer Josef Prinz ist die Bilanz kaum ein Trost: Kämpft er doch mit einem weiteren gravierenden Problem: „Nach unserer Ausbildung wählen viele einen bequemen Weg und wechseln in öffentliche Institutionen wie die Landesregierung und die Gemeinden.“ Er fordert deshalb von der Regierung die Einrichtung eines öffentlichen Fonds: „Für jeden von mir ausgebildeten Mitarbeiter würde ich mir dann eine Entschädigung wünschen.“