„Es ist kein Konkurs wie jeder andere“. Der Melker Rechtsanwalt Johann Huber (39) wickelt als Masseverwalter den Verkauf des Areals von Alois Huber ab. Die NÖN bat ihn zum Gespräch.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 16. September 2014 (04:03)
Johann Huber (39) ist Masseverwalter der Verlassenschaft von Alois Huber. Der Melker Anwalt ist seit nunmehr elf Jahren in der nunmehrigen Kanzlei Taufner-Huber-Haberer tätig.
NOEN, Foto: Fahrnberger

NÖN: Sie sind im Vorjahr vom Konkursrichter als Masseverwalter für die Verlassenschaft des Vierfachmörders Alois Huber zugeteilt worden. Wie groß war die Herausforderung für Sie in den letzten Monaten?
Johann Huber: Es war viel Arbeit, nicht nur juristischer Natur. Der Kontakt mit der Presse war sehr intensiv. Unangenehm waren zu Beginn viele Schaulustige, die sich das Haus anschauen wollten. Das hat sich mit der Zeit gelegt.

Spüren Sie jetzt vor dem Jahrestag der Tragödie am 17. September verstärkten Medienrummel?
Ja. Es war lange ruhig, aber jetzt gab es wieder Anfragen von der ARD oder diversen Zeitungen, um Reportagen im Haus zu drehen oder zu fotografieren. Das habe ich aber natürlich alles abgeblockt.

Wie ist es Ihnen selbst ergangen, nachdem Sie den Fall übernommen haben?
Es ist natürlich kein Konkurs wie jeder andere, aber man versucht alles so professionell wie möglich abzuhandeln. Etwaiges Unbehagen muss hintangestellt werden. Mittlerweile ist es für mich völlig normal, weil ich sicher schon über 50 Mal im Haus war. Und diese Mär von Falltüren etc. gibt es nicht. Es handelt sich um ein großzügiges Haus mit Keller, welches nunmehr zur Gänze geräumt worden ist.

Sie haben Gläubigerforderungen in der Höhe von 3,8 Mio. Euro anerkannt. Darunter sind Schadensersatzansprüche der zwölf Hinterbliebenen von den vier Opfern in der Höhe von 690.000 Euro sowie Schadensersatzansprüche infolge der über 100 bekannt gewordenen Straftaten wie Brände oder Diebstähle von Alois Huber.
Ja, dabei steht die große Forderung des Bundes noch aus. Die Höhe wird noch ermittelt. Es kommt aber sicher ein erheblicher Betrag hinzu.

Dem steht ein Vermögen von zwei Häusern (Hubers Haus und das Elternhaus), eine Halle und 5 Hektar Grund gegenüber. Der Wert wird auf 500.000 Euro geschätzt.
Genaue Werte gibt es noch nicht, diese werden erst nach dem einzuholenden Schätzgutachten vorliegen.

Können Sie schon grob einschätzen, wie viel Geld für die Familien der Hinterbliebenen übrig bleibt?
Das kann man noch nicht sagen. Erst mit dem Schätzgutachten ist eine Hochrechnung möglich. Der Betrag wird aber sicher im einstelligen Prozentbereich sein. Auf jeden Fall werden alle Gläubiger quotenmäßig gleich bewertet.

Der Verkauf könnte dann heuer noch über die Bühne gehen. Wie groß ist mittlerweile das Interesse am Haus und der Liegenschaft von Alois Huber?
Nach den jüngsten Zeitungsberichten ist die Anzahl der Kaufinteressenten auf mittlerweile 15 bis 20 gestiegen. Sie haben alle ihre Daten hinterlassen und jeder wurde von mir aufmerksam gemacht, dass das Gutachten dann in der Ediktdatei veröffentlicht wird. Dort wird dann der Schätzwert angeführt und dort werden auch die zwei Besichtigungstermine des Hauses veröffentlicht.

Es wird also nur zwei Termine geben, wo alle Interessenten die Liegenschaft ansehen können?
Ja. Ich will, dass das Haus nicht zu einem Pilgerort für Schaulustige wird. Darum möchte ich schon vorher herausfiltern, wie ernst die Kaufabsichten jedes Einzelnen sind. Vielleicht lasse ich dafür auch ein Sparbuch hinterlegen oder Ähnliches. Es werden auf jeden Fall keine Handys oder Fotoapparate mitgeführt werden dürfen, dafür werde ich sorgen.

Wurden Sie oft gefragt, ob Sie mit Alois Huber verwandt sind?
Zu Beginn natürlich schon, aber der Name ist eben sehr gebräuchlich bei uns.