Ex-Freund mit 36.700 WhatsApps bombadiert. Eine 28-Jährige Loosdorferin musste sich wegen Suchtgiftmittelhandel, Diebstahl, Sachbeschädigung und Stalking am Landesgericht St. Pölten verantworten. Sie soll ihren Ex im Sekundentakt mit Nachrichten und Anrufen terrorisiert haben.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek. Erstellt am 07. August 2020 (17:16)
Am Landesgericht St. Pölten stand die Stalkerin Rede und Antwort.
Tanja Horaczek-Gasnarek

"Ja, es war Terror - das sehe ich jetzt ein", beteuert die junge erwerbsunfähige Frau, als ihr der Richter die Anklage mit dem Stalking vorliest. Sie soll ihren Ex-Freund, mit dem sie vor zehn Jahren zusammen war, von Ende 2018 bis 2020 mit ständigen Anrufen und WhatsApp-Nachrichten belästigt haben. Im Raum stehen rund 36.700 Nachrichten. "Ja, kann sein", räumt die Frau ein. 

Doch die mangelnde Aufmerksam und Zurückweisung ihres Ex machte sie sauer. "Er hat mich verarscht und ich wollte, dass er aufhört", verteidigt sie sich. Daher hat sie sein Auto beschädigt. Doch weitere Vorwürfe von Sachbeschädigung weist sie zurück. "Das war er sicher selber, der ist so", sagte sie zu dem Richter. 

Ihr Verteidiger und gleichzeitig Sachwalter berichtet, dass die Angeklagte unter dem Borderline-Syndrom leide und deshalb so reagiere.  Der Ex betonte, dass er einfach seine Ruhe haben will und schon jegliche Nummern blockierte.

Doch der Hauptteil der Anklageschrift drehte sich um den Suchtgifthandel. Sie soll einigen Jugendlichen aus der Gemeinde Cannabis, Speed und andere Amphetamine verkauft und auch gemeinsam mit ihnen konsumiert haben. Den Verkauf leugnete die 28-Jährige bis zum Schluss. "Ich habe es ihnen geschenkt. Ich bin so blöd. Verkauft hab ich nichts", zeigt sie sich verdutzt, als ihr der Richter die eingenommene Summe von rund 6.000 Euro vorwirft. Ihr Verteidiger kann sich den Verkauf auch nicht erklären. "Meine Mandantin erhält von mir in der Woche 120 Euro, woher sollte sie das Geld für die größere Menge an Drogen haben?", fragt er sich. "Ich glaube, die wollen mir alle eines auswischen. Sie stellen mich als die Drogenqueen von Loosdorf da", beklagt sie weinend.

Bis auf einen Burschen sagen alle Zeugen bei Gericht aus, dass sie schon auch kleine "Geschenke" von der Angeklagten erhalten haben, aber auch Drogen bei ihr gekauft haben. Einer berichtet von gemeinsamen Einkäufen bei einem anderen Dealer aus dem Bezirk. Ein Jugendlicher entlastet die junge Frau: "Sie hat mir die Drogen immer gratis gegeben." 

Urteil: 18 Monate bedingte Freiheitsstrafe auf 3 Jahre Probezeit (nicht rechtskräftig).

Weiters gab es Weisungen: Suchtberatung und Bewährungshilfe. 

Privatbeteiligtenvertreter Alexander Enzenhofer holte für seinen Klienten 450 Euro Schadensersatzzahlung (Schäden am Auto) und ein Kontaktverbot heraus.