Pöchlarn

Erstellt am 12. Februar 2019, 05:00

von Denise Schweiger

Franz Hampejsek: Bis 70 in der Floriani-Jacke. Franz Hampejsek verabschiedet sich in FF-Pension. Tageseinsatzbereitschaft wird immer schwieriger.

Franz Hampejseks letzer Einsatz als FF-Mitglied: eine Fahrzeugbergung auf der Westautobahn am zweiten Jänner.  |  FF Pöchlarn

Eigentlich ist mit 65 Jahren Schluss. Für Franz Hampejsek ist es das erst jetzt, mit 70. Bei der diesjährigen Jahreshauptversammlung trat er die verdiente „Feuerwehr-Pension“ an. Im Jahr 1978 wurde er Mitglied der Pöchlarner Wehr. Da war Hampejsek 29 Jahre alt.

„Die Feuerwehr war immer ein großer Teil meines Lebens. Ich dachte mir: Wenn ich kann, verlängere ich“

„Es hat sich natürlich viel geändert in dieser Zeit“, erinnert er sich zurück. Da es ihm gesundheitlich gut ging, entschied er sich dafür, nicht wie üblich mit 65 Jahren die Einsatzausrüstung an den Nagel zu hängen. „Die Feuerwehr war immer ein großer Teil meines Lebens. Ich dachte mir: Wenn ich kann, verlängere ich“, erzählt Hampejsek. Kürzer trat der Pöchlarner dabei nicht: Im Jahr 2018 etwa fuhr er insgesamt 72 Einsätze. „Alles eine Frage der Einteilung von Schlaf- und Ruhezeit“, schmunzelt der 70-Jährige. Sein erster Monat ohne Pager ist nun vorbei. Eine noch ungewohnte Situation, wie er findet. „Es geht mir schon ab. Aber andererseits ist es auch schön, ungebunden in der Pension zu sein.“

Tageseinsatzbereitschaft als Problem

FF-Pressesprecher Günter Walter zollt Hampejsek im Namen des gesamten Kommandos Respekt: „Franz war ein extrem wichtiges und wertvolles Mitglied. Auf ihn konnten wir uns immer verlassen.“ Ganz besonders zu Tageszeiten, an denen der Großteil der Florianis ihrem Job nachgeht. Als Pensionist war Hampejsek untertags gut erreichbar und schnell bei Einsätzen vor Ort. Die Tageseinsatzbereitschaft ist ein Problem, das Wehren in ganz Niederösterreich vor Herausforderungen stellt. „Da sind wir in Pöchlarn leider nicht ausgenommen. Viele unserer Leute pendeln, selbst wenn der Arbeitgeber flexibel ist, fallen längere Anfahrtszeiten an“, erläutert Walter.

Besonders kritisch kann es deshalb bei Großeinsätzen werden. Als an einem Wochentag im November vergangenen Jahres ein Altbau in der Regensburgerstraße brannte, rückten über 50 Florianis aus der Region an. „Erst fuhren wir mit elf Leuten zum Einsatz, nach und nach stießen mehr aus unserer Mannschaft dazu, um zu helfen“, verdeutlicht der Pressesprecher.

Die einzige Lösung aus diesem Alters-Dilemma für Walter: mehr Arbeitsplätze in der Region. Der viel zitierten Berufsfeuerwehr mit fix angestellten Einsatzkräften in einer regionalen Zentrale kann er nichts abgewinnen. „Die Berufsfeuerwehr wäre das garantierte Ende vieler kleiner Wehren. Und auch von unserem derzeitigen System – das klappt nur mit Freiwilligen“, gibt er zu bedenken.