Ybbser Wirt Dienstbier stellt Fleischeinkauf um. "Soll Tieren besser gehen": Ybbser Wirt stellt Einkauf um, Herkunftskennzeichnung als schwieriges Thema.

Von Markus Glück und Denise Schweiger. Erstellt am 29. April 2021 (04:58)
Max Dienstbier, Ybbser Gastronom, stellt den Fleischeinkauf in seinem Betrieb um.
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Nach den Bildern über die katastrophalen Zustände in einem Schweinebetrieb im Bezirk St. Pölten-Land (siehe Infos auch hier in diesem Artikel) war für den Ybbser Gastronomie-Betreiber Max Dienstbier klar: Es reicht! In seinem Ybbser Gasthaus „MaxiMahl“ wird ab sofort der Fleischeinkauf umgestellt, man wolle sich „hundert Prozent sicher sein“, woher das Fleisch kommt.

„Ich will keine Bilder von Tieren auf Vollspaltenböden mehr sehen. Wenn ich nichts mache, habe ich das Gefühl, dass keiner was macht“, betont Dienstbier, der nach dem Ende des Lockdowns auch die Bauernhöfe, woher das Fleisch künftig bezogen wird, besuchen möchte.

„Ich will keine Bilder von Tieren auf Vollspaltenböden mehr sehen. Wenn ich nichts mache, habe ich das Gefühl, dass keiner was macht.“ Max Dienstbier, Ybbser Wirt

Dienstbier verkündete den Schritt in einer ersten Reaktion auf Facebook und erntete dabei massiven Zuspruch seiner Kundschaft. Klar ist allerdings auch, dass der Fleischeinkauf für den Gastronom künftig teurer wird. „Am Anfang werden wir diese Steigerung nicht weitergeben. Mittelfristig wird das Schnitzel aber um einen bis zwei Euro teurer werden“, hofft Dienstbier auch ab diesem Zeitpunkt auf den Zuspruch seiner Kunden. Für ihn sei wichtig, dass es „den Tieren endlich besser geht.“

Dass immer mehr Wirte im Bezirk Wert auf die Herkunft ihrer Produkte legen, zeigt auch ein Blick in die Speisekarten: Immer öfter wird dort angeführt, woher (unter anderem) das Fleisch für ihre Küchenkreationen kommt. Geschieht das aus freien Stücken – oder in Kooperationen zwischen Landwirten und Wirtsleuten (wie etwa der NÖ Wirtshauskultur) –, sieht Mario Pulker, Österreichs Wirte-Sprecher und Inhaber des Hotel-Restaurants „Residenz Wachau“ in Schönbühel-Aggsbach, auch kein Problem. Wenn dies zur Pflicht wird, allerdings schon.

Mario Pulker, Wirte-Sprecher Österreichs.
Markus Glück, NÖN-Archiv/privat, Markus Glück, NÖN-Archiv/privat

„Warum sollte die Gastronomie das Marketing für die Bauern übernehmen? Wie etwa gerade der Fall des Schweinebetriebs in St. Pölten-Land zeigt, ist nicht gewährleistet, dass die inländische Ware so viel besser ist als ausländische“, betont Pulker.

Ihm fehle in der Debatte die Relation – zudem sollte seiner Meinung nach eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung nicht nur die Gastronomie treffen, sondern auch die Gemeinschaftsverpflegung, etwa Kantinen. Zudem gehe es in der Diskussion nicht nur um Herkunft und Haltung, sondern auch um die Aufzucht und der Fütterung der Tiere. „Meiner Meinung nach gibt es hier bei den Bauern viel Mist, den sie erst vor ihrer eigenen Tür kehren müssen.“