Kampf um Augenarzt im Bezirk Melk

Ybbser Stadtchefin Schachner (SPÖ) sieht Gefahr für Versorgung im Bezirk Melk.

Erstellt am 02. Dezember 2021 | 04:23
Lesezeit: 2 Min
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Mit Dezember übersiedelt Albert Daxer von seiner Ordination in Ybbs nach Wieselburg.
Foto: Eplinger

Die Abwanderung von Augenarzt Albert Daxer ins neue Ärztezentrum nach Wieselburg schlägt im Bezirk Melk weiterhin hohe Wellen. Nicht, weil Daxer der Donaustadt den Rücken kehrt, sondern weil er die Kassenstelle aus Ybbs in den Nachbarbezirk Scheibbs mitnimmt.

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Gemeinsam mit den Mitgliedsgemeinden der Kleinregion Five4You (Ybbs, St. Martin, Neumarkt, Hofamt Priel und Persenbeug-Gottsdorf) wandte sich die Ybbser SPÖ-Bürgermeisterin Ulrike Schachner mit einem Schreiben an ÖGK-Direktor Bernhard Wurzer. Nicht akzeptieren will Schachner Aussagen der Gesundheitskasse, dass die Kassenstelle zwar nach Wieselburg wandert, dort aber als Ybbs-Alternative ausgewiesen wird. „Diese Aussagen sind haarsträubend. Für uns ist die Stelle verloren“, ärgert sich Schachner.

Die Bürgermeisterin weist aber auch auf die Versorgungslage im Bezirk Melk im Vergleich zum Nachbarbezirk hin. So zählt der Bezirk Melk aktuell rund 78.000 Einwohner und verfügt, nach dem Abgang Daxers, über nur mehr zwei Augenarzt-Kassenstellen. Zwei Kassenstellen hat künftig auch der Bezirk Scheibbs, allerdings mit nur 41.500 Einwohner. „Diese Diskrepanz ist für jeden offensichtlich. Die Verlegung ist für uns nicht nachvollziehbar und führt auch zu einer klaren Unterversorgung für den Bezirk Melk“, schlägt Schachner Alarm und erinnert daran, dass bereits jetzt oftmals Wartezeiten von mehreren Monaten gelten.

Zusätzlich zu Schachner nehmen sich auch Nationalratsabgeordneter Alois Schroll und Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (beide SPÖ) der Angelegenheit an. „Es geht nicht gegen Daxer, wir wollen aber unsere Planstelle zurück“, gibt sich Schachner kämpferisch. Besonders bitter für Schachner ist, dass es derzeit mit Georg Loidl sogar einen Augenarzt für Ybbs gäbe, der eine Kassenarzt-Praxis eröffnen möchte und alle für die Planstelle erforderlichen Voraussetzungen erfüllen würde. „Er will aber nur eröffnen, wenn er auch einen Kassenvertrag erhält“, hofft Schachner auf ein Umdenken der Gesundheitskasse.

Oberarzt Loidl mit Interesse an Augenarzt-Stelle in Ybbs

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Georg Loidl zeigt Interesse an der Kassenstelle in Ybbs.
Foto: privat

Loidl, der im Landesklinikum Waidhofen/Ybbs als Oberarzt auf der Augenheilkunde arbeitet und in Ybbs eine private Ordination führt, bestätigt gegenüber der NÖN das Interesse an der Eröffnung einer Kassenstelle in seiner Heimatstadt. „Zwei Augenärzte sind für den Bezirk Melk zu wenig. Es gibt sehr viel Nachfrage und ich wäre bereit, unter der Voraussetzung eines Kassenvertrages, eine Ordination zu eröffnen“, bestätigt Loidl. Laut ihm wären auch barrierefreie Räumlichkeiten bereits in Aussicht.

Alles hängt also weiterhin nur an der Entscheidung der Gesundheitskasse. Konfrontiert mit den Entwicklungen in Ybbs gibt es dennoch kein Einlenken. „Wir haben die Situation geprüft und ausschlaggebend für den Standort ,Wieselburg alternativ Ybbs‘ ist die Erleichterung für Patienten und die Barrierefreiheit des neuen Standorts sowie mehr öffentliche Parkplätze“, erklärt Marie-Theres Egyed von der ÖGK. Betont wird auch, dass die Versorgung weiterhin gesichert ist, da die Distanz zwischen den beiden Orten nur wenige Kilometer beträgt.