Dieb stahl Wertgegenstände aus über 100 Autos in NÖ. Ein 31-Jähriger entwendete Geld und Dokumente aus unversperrten Autos in Niederösterreich. Die Dokumente will er aber nicht gestohlen haben. Er bekommt eine teilbedingte Haftstrafe.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 14. Januar 2021 (07:11)
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Bargeld, Wertgegenstände sowie Bankomat- und Kreditkarten – alles Dinge, die man nicht im Auto liegen lassen sollte, ohne zuzusperren. Ein 31-Jähriger nutzte die Vergesslichkeit von sehr vielen Autobesitzern und stahl genau diese Dinge aus unversperrten Autos in Tulln, Almerberg (Bezirk St. Pölten-Land), Pöchlarn, Krummnußbaum, Loosdorf (alle Bezirk Melk) und anderen Orten. In Summe sind dabei ungefähr 10.000 Euro zusammengekommen. Die Karten verwendete er für kleinere Einkäufe. Trotz Waffenverbot besaß er außerdem ein Pfefferspray. Jetzt sitzt er wegen schweren gewerbsmäßigen Diebstahls, Urkundenunterdrückung, schwerem Betrug und anderen Delikten vor dem Richter. Der Angeklagte mit einer Wohnadresse in Rumänien hatte eine Zeit lang als Hilfsarbeiter auf Baustellen in Österreich gearbeitet. Laut seinem Verteidiger hat sein Mandant die Taten aus Mittellosigkeit verübt, habe aber aus der Haft gelernt.

Andere Aussage als vor der Polizei

Er ist geständig mit Ausnahmen: Im Juli sei er für eine Woche in Wien in Haft gewesen (das bestätigt die Polizei) und habe daher in diesem Zeitraum keine Diebstähle verübt und auch danach nicht, da er ausgereist sei. Es gibt allerdings einen Fingerabdruck an einem Auto ein paar Tage nach der Entlassung aus dieser Haft und ein Foto von ihm von einer Tullner Überwachungskamera aufgenommen im September.

Er hat außerdem nie Dokumente oder Papiere gestohlen, sagt er weiter. Wenn in den Brieftaschen Dokumente waren, habe er sie immer zurückgelassen. Der Richter hält ihm aber vor, dass die über hundert Geschädigten das Gegenteil sagen, nämlich, dass ihre Unterlagen weg seien. „Ich habe immer geschaut, dass ich nur nehme, was ich brauche. Unterlagen würde ich nie nehmen. Mir ist selber einmal der Pass gestohlen worden, ich weiß, wie übel das ist“, bleibt der Angeklagte bei seiner Version.

„Soll ich jetzt 150 Zeugen vernehmen? Ist das Ihr Ernst?“, fragt der Richter, der sich darüber ärgert, dass der Angeklagte vor der Polizei so schön geständig war, ihm jetzt aber etwas anderes erzählt. Der Angeklagte bleibt dabei, er habe keine Papiere gestohlen. Möglicherweise sei das sein Mittäter gewesen, lenkt er dann ein. Der unbekannte Mann sitzt jetzt jedoch nicht vor Gericht. Zur Einvernahme von 150 Zeugen kommt es nicht.

„Großzügiges“ Urteil verhängt

In Dänemark ist er bereits wegen Diebstahl vorbestraft. Der Richter verurteilt den Angeklagten dieses Mal zu 21 Monaten Haft, 14 Monate werden ihm bei einer dreijährigen Probezeit bedingt nachgesehen. Er habe das Urteil „relativ großzügig“ bemessen, weil der Angeklagte vor der Polizei geständig war. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.