Ybbs: Bürgermeisterin Schachner 100 Tage im Amt. 100 Tage ist Ulrike Schachner Ybbser Bürgermeisterin. Im NÖN-Gespräch blickt sie zurück, erklärt Anhang einer Segelboot-Metapher und spricht über Rückzugsgedanken.

Von Markus Glück. Erstellt am 10. Juni 2021 (07:47)
Markus Morianz

Seit knapp 100 Tagen ist Ulrike Schachner Bürgermeisterin. Mit der NÖN sprach sie über die durchwachsenen ersten Tage, Herausforderungen und schlaflose Nächte.

„Eine Diskussion ist immer legitim, ich bin ja keine One-Woman-Show.“ Ulirke Schachner, SPÖ

NÖN: Wie sieht Ihre Bilanz der ersten 100 Tage als Bürgermeisterin aus?

Ja, die neue Aufgabe bringt Höhen und Tiefen mit sich. Viel Arbeit, aber auch zahlreiche schöne Momente. Die ganz schönen Momente werden folgen, wenn die Veranstaltungen in der Stadt wieder beginnen und ich endlich mit den Bürgern direkt kommunizieren kann.

Was waren die Höhen und Tiefen?

Ich war zwar fünf Jahre Stadträtin und Vizebürgermeisterin, aber natürlich trage ich als Bürgermeisterin viel mehr Verantwortung. Viele Aufgaben sind neu für mich und daher sehr arbeitsintensiv.


Normalerweise genießt man in einem neuen Amt eine 100-Tage-Schonzeit. Ihnen hat man diese nicht gewährt und Sie standen rasch mitten im Schussfeld. Haben Sie es sich ein bisschen einfacher vorgestellt?

Im Dezember gab es für mich aus den bekannten Gründen nur die Wahl, Bürgermeisterin zu werden. Was ich bisher gemacht habe, habe ich auch gerne gemacht. Aber ja, natürlich hätte ich mir einen ruhigeren Start gewünscht. Viele Dinge, die passiert sind, sind nicht in meinem Fokus gestanden.


Welche Dinge meinen Sie?

Wir haben eine Gemeinde mit 105 Mitarbeitern, wo täglich personelle Entscheidungen getroffen werden. Eine Überarbeitung der Amtsstrukturen und Neuausrichtung der Aufgabenverteilung ist essenziell für eine funktionierende Gemeinde. Daran möchte ich arbeiten.

Hatten Sie in den vergangenen Wochen einmal den Gedanken, alles hinzuschmeißen?

Ein bissl‘ Zweifel gehört manchmal dazu. Ich bin aber ein positiver Mensch und denke mir, wir schaffen das.
Sie haben immer die Harmonie in der SPÖ betont. Allein der Blick auf die vergangene Gemeinderatssitzung zeigt, dass nicht alles eitel Wonne ist.

Wird es im Team der SPÖ Umbildungen geben?

Ich habe Rückhalt von meiner Fraktion und meinen Stadträten. Natürlich gibt es Diskussionspunkte, überhaupt wenn die Fraktionssitzung vorher schlecht besucht war. Die Diskussion vor der Gemeinderatssitzung ist auch daraus entstanden.


Die Diskussion vor der vergangenen Sitzung war für Sie daher eher die Ausnahme als die Norm?

Eine Diskussion ist immer legitim, ich bin ja keine One-Woman-Show. Ich will Diskussionen und wissen, was die anderen denken, um dann einen Konsens zu finden.


Sie sind um ein gutes Verhältnis zur Opposition bemüht. Einigen in der SPÖ ist das Verhältnis zur ÖVP aber schon zu gut.

Diese Ansicht verstehe ich nicht. Hätten wir so einen Kuschelkurs mit der ÖVP, hätten wir lauter einstimmige Beschlüsse. Diese haben wir aber nicht. Ich versuche, Verständnis für das Vorgehen der ÖVP zu haben. Die Kritik ist das Geschäft der Opposition und wir würden es nicht anders machen. Meine Hand ist ausgestreckt und wir reden miteinander. Wir haben aber die Mehrheit und werden unsere Linie durchziehen. Alle Gemeindemandatare arbeiten in erster Linie für die Stadt und ein Konsens ist letztendlich immer die bessere Lösung.


Was machen Sie anders als Ihr Vorgänger?

Ich mache vieles anders. Meine Kommunikation ist offener und ich versuche, alle ins Boot zu holen. Wenn aber jemand nur im Beiboot mitrudern will, muss ich das auch akzeptieren. Das Ziel ist Transparenz und Wahrheit im Umgang miteinander.


Nach der Stadthalle ist vor dem Schulzentrum. Was sind die nächsten Schritte?

Abgeschlossen ist die Stadthalle dann, wenn die Gastro fertig ist und wir im September eröffnen. Es können immer noch neue Fragen auftauchen, was ich aber nicht hoffe. Beim Schulzentrum sind wir mit den Fraktionen in regem Austausch und wollen im Herbst die Phase Null starten.


Wie soll es beim Schulzentrum nach der Phase Null weitergehen?

Das Schulprojekt ist bisher ein Projekt von fünf Ordnern. Ich bin erst 100 Tage im Amt und kann nicht sofort das Projekt überblicken, woran andere bisher vier Jahre gearbeitet haben. Wir werden das Projekt machen, ich kann aber jetzt nicht sagen, wann wir damit starten. Die Planung braucht einfach noch Zeit und durch Corona haben wir auch weniger Einnahmen. Ich weiß auch nicht, ob die Finanzierung vom Land genehmigt wird.


Sie haben „schlaflose Nächte“ angesprochen. Wie schaffen Sie einen Ausgleich?

Noch sind am Wochenende fast keine Termine, was sich sehr gut fürs Aufladen eignet. Ich arbeite aber dennoch meist auch einen Tag am Wochenende. Am besten abschalten kann ich beim Laufen, was ich mir mehrmals wöchentlich gönne.