Erstellt am 19. November 2013, 23:59

von Susanne Leonhartsberger

Goldenes Handwerk. Seltener Beruf / Der Vergolder Engelbert Freudenschuss kämpfte zehn Jahre um seine Meisterprüfung. Nun wurde für seine Prüfung eigens eine Kommission bestellt.

Seine Hartnäckigkeit hatte Erfolg: Engelbert Freudenschuss mit seinen Vergolder-Meisterstücken.  |  NOEN, Susanne Leonhartsberger
Von Susanne Leonhartsberger

Sein Handwerk hat im wahrsten Sinn goldenen Boden: Engelbert Freudenschuss ist gelernter Vergolder.

Nach zehn Jahren Hartnäckigkeit darf er sich nun Meister seines Faches nennen. Bestanden hat der in Hirschenau bei Nöchling (Gemeinde St. Nikola, OÖ) wohnhafte 46-Jährige vor einer für ihn allein bestellten Kommission in Wien: „Das verdanke ich der Wirtschaftskammer. Es hatten sich nämlich außer mir keine Anwärter gemeldet“, freut sich Freudenschuss über sein erworbenes Qualitätszertifikat.

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Zu seinem Lehrplatz in Amstetten war der gebürtige Zeillerner mit der künstlerischen Ader 1982 durch die Unterstützung des damaligen Pfarrers Anton Amon gekommen. Sakrale Kunst war ein Schwerpunkt der Arbeit, die ihn auch in die Melker Stiftskirche führte. Der Wunsch, als Künstler seinen Lebensunterhalt zu verdienen, entpuppte sich als unrealistisch. Neben dem Malen fand Freudenschuss ein zweites Standbein im Pflegebereich, seine Heirat führte ihn ins südliche Waldviertel. In Nöchling wirkte Freudenschuss bei der Theaterwerkstatt mit, als Darsteller und als künstlerischer Gestalter der Bühne. Letzteres passierte von 2003 bis 2010. In dieser Zeit wurde der zweifache Familienvater bereits in Graz und Wien in Sachen Meisterprüfung mangels Nachfrage „in Evidenz“ gehalten. Der Künstler hatte inzwischen den Pflegeberuf aufgegeben und erledigte, unterstützt von seiner Frau Gertrude, Restaurierungen von Gemälden, Statuen und dergleichen.

Sorgfalt ist der ständige Begleiter: „Jeder Auftrag ist speziell. Es bedeutet Verantwortung, die Originalität von Kunstwerken für die nächsten Generationen zu konservieren“, beschreibt Freudenschuss.

Diese Kunst zeigte er in der Vorwoche bei der viertägigen Prüfung. Materialien und Werkzeug waren selber mitzubringen. Mit rund 310 Euro ein günstiger Abschluss, denn: „Vorbereitungskurs gab es keinen.“

Goldene Berge verdient der frischgebackene Meister zwar nicht, doch das Paar-Unternehmen hat viel zu tun und arbeitet Schulter an Schulter in der eigenen Werkstatt, zugleich im Atelier für Malkurse der Volkshochschule Südliches Waldviertel. Bereut hat Freudenschuss seine Laufbahn nicht: „Ich habe den Beruf traditionell, nach jahrhundertealten Vorgaben gelernt und mein Wissen ständig vertieft und experimentiert. Neben dem Malen ist das Restaurieren für mich eine wunderschöne Aufgabe.“