Eine Ameisenkolonie fürs Kinderzimmer?. Wenn Sie das nächste Mal nach einem Haustier für Ihre Lieben suchen, dann probieren Sie es doch einmal mit Ameisen! An der HLUW Yspertal machen es sich zwei Diplomanden zur Aufgabe, Ameisen für die private Haltung in Formicarien genauer zu erforschen.

Von NÖN Leserreporter. Erstellt am 02. Februar 2017 (09:50)
HLUW Yspertal

Naturwissenschaft ist ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung an der Höheren Lehranstalt für Umwelt und Wirtschaft in Yspertal.

„Die Idee hinter dieser naturwissenschaftlichen Diplomarbeit ist es, den Menschen die Lebensweise sowie das Verhalten von Ameisen näher zu bringen und die Haltungsbedingungen für die ausgesuchte Art zu vereinfachen und zu optimieren“, so Gerald Rieder, der gemeinsam mit Manuel Stippinger an der Diplomarbeit arbeitet. Jede Ameisenart ist in ihrem Lebenszyklus einzigartig.

Blattschneiderameisen als Forschungsobjekt

Eine der spannendsten Arten sind die Blattschneiderameisen. Ende Juli 2016 wurde dafür im Biologielabor der HLUW Yspertal ein Formicarium (Terrarium für Ameisen) errichtet. Über 20 Meter Rohrleitungen wurden für die kleinen Tierchen aus Mittelamerika verlegt. Diese brauchen sie auch, um sich optimal entwickeln zu können.

Im Gegensatz zu den bei uns heimischen Arten ernähren sich die Blattschneiderameisen der Gattung Acromyrmex ausschließlich von pflanzlichem Material. Anstatt die Blätter nur zu fressen, düngen sie damit einen speziellen Pilz (Leucoagaricus gongylophorus), welcher die teils giftigen Pflanzenstoffe in für die Ameisen genießbare Pilzhyphen umwandelt.

Die Ameisen leben seit Jahrmillionen in Symbiose mit diesem Pilz, welcher bei jeder Nestneugründung von der Mutterkolonie an die Tochterkolonie weitergegeben wird.  „Unsere Wahl fiel auf eine tropische Art, da sie ganzes Jahr hindurch aktiv sind und keine Winterruhe brauchen wie einheimische Arten und daher auch in der Haltung problemloser sind“, erklärt Manuel Stippinger.

Haltungsanleitung für das „Kinderzimmer“!

Wichtig für die Haltung sind die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, Nahrungsangebot sowie der richtige Aufbau der Anlage, damit sich die Kolonie optimal entwickeln kann. Genau diese Parameter werden für die ausgesuchte Blattschneiderameisenart untersucht. Eine genaue Haltungsanleitung soll dann auch Einsteigern eine erfolgreiche Koloniehaltung zu Hause im Formicarium ermöglichen. Natürlich macht man sich auch Gedanken ob die Haltung von tropischen Arten ökologisch und wirtschaftlich problematisch sein kann. Ameisenhaltung soll in Zukunft nicht nur Zoologischen Gärten vorbehalten sein!

HLUW Yspertal
Haustier – Ameisenhaltung im Terrarium? – Antworten auf diese Frage erforschen gerade Manuel Stippinger und Gerald Rieder in ihrer Diplomarbeit mit naturwissenschaftlichen und umweltanalytischen Schwerpunkt.