Klein-Pöchlarn: Genetischer Schatz für den Weinbau. Forschungsarbeiten des Weinbauamtes über historische Weinreben abgeschlossen. Warten auf erste Lesung.

Von Markus Glück. Erstellt am 21. März 2021 (05:24)
Auf seinem eigenen Grundstück pflanzte Adi Beyer rund 80 Klone der historischen Reben. Die erste Lesung soll im Herbst erfolgen.
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Beim Kauf eines aufgelassenen Grundstücks der Donauuferbahn entdeckte Adi Beyer im Jahr 2018 eine Ur-Weinrebe der Marke Heunisch. Seine Nachforschungen setzten ein wissenschaftliches Projekt mit dem Bundesweinbauamt in Gang.

Neben den Heunisch fanden die Forscher am Rindfleischberg auch noch die Sorten „Grüner Veltliner“, „Neuburger“ und, als besondere Sensation, „Kölnisch-Blau“.

Vergangenes Jahr wurden auf kleinen Grundstücken jeweils hunderte Rebstöcke gepflanzt, 2022 soll die Lesung folgen.

Indes sind die Forschungen des Weinbauamtes abgeschlossen, die Ergebnisse geben laut Beyer aber Anlass, die Forschungsarbeiten fortzusetzen.

Neuburger-Hoffnung liegt in Klein-Pöchlarn

„Die Forschungen haben gezeigt, dass die gefundenen Rebstöcke wertvoll für die Weiterentwicklung der Reben sind. Sozusagen ein genetischer Schatz für den Weinbau“, erklärt Beyer.

So sind aktuell zahlreiche Reben der Weinsorte Neuburger in Österreich von Krankheiten befallen. Diese sollen sukzessive in den nächsten Jahren mit den gesunden Stämmen der Neuburger-Reben aus Klein-Pöchlarn getauscht werden. Davor werden diese „geklont“.

Im Zuge der Vegetationsdokumentation der Reben wurden auch die Trauben dieser Stöcke, meist in mehreren Metern Höhe, geerntet.
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„Wenn man so will, liegt die Hoffnung für den Fortbestand des Neuburgers in Klein-Pöchlarn, da diese 150 Jahre alten Reben kerngesund sind“, schmunzelt Beyer.

Laut ihm lassen sich die Sorten gut vermehren und veredeln. Das Hauptaugenmerk liegt aber auf dem Heunisch. Da die Sorte mehr als 150 Jahre auf dem Rindfleischberg überlebte, gehen die Forscher von einer besonderen Widerstandsfähigkeit aus. Eine Fähigkeit, die in Zeiten des Klimawandels für den gesamten Weinbau von hohem Interesse sein könnte.

Offen ist derzeit aber auch eine andere Frage, die vor allem Weinliebhaber beschäftigt. Ist der Wein auch trinkbar? „Ich habe keine Zweifel, dass er das ist. Die bisherige Traubenanalyse hat einen Wert wie bei einem aktuellen Qualitätswein ergeben“, betont Beyer.

Auf die erste Weinernte der veredelten Trauben müssen die Forscher allerdings noch zumindest bis 2022 warten. Einen Vorgeschmack könnten allerdings 80 unveredelte und geklonte Weinstöcke auf dem Privatgrund von Beyer geben. „Ich habe einen historischen Weingarten mit Steinmauern revitalisiert und die Reben dort eingepflanzt. Im Herbst könnte die erste Lesung stattfinden“, weiß Beyer, dass dies auch die Wissenschaft interessiert.