Günther Gartner im Libanon: "Einsatz läuft tadellos“. Günther Gartner und fünf weitere Melker Pioniere sind aktuell im Libanon im Einsatz. Der 29-Jährige über ihre Tätigkeiten im Nahen Osten, Heimweh und Lagerkoller.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 08. April 2021 (04:11)
Das Camp Naqoura befindet sich im Südwesten des Libanons.
privat, privat

Dienstag, 13.30 Uhr in der Melker Birago-Kaserne. Der Videocall startet – und Günther Gartner erscheint am Display. „Hallo, versteht man mich?“, fragt der 29-Jährige in die Kamera. Der Melker Pionier, der ursprünglich aus Senftenberg im Bezirk Krems stammt, nimmt den Anruf im rund 2.800 Kilometer entfernten Libanon entgegen. Im Winter reiste er mit fünf weiteren Pionieren in den Nahen Osten. Was sie dort machen und wie Corona ihren Einsatz beeinflusst, berichtet Gartner der NÖN.

NÖN: Herr Gartner, Sie und Ihre Melker Kameraden sind jetzt schon seit einigen Monaten imLibanon. Wie geht es Ihnen?

„In unserer Kompanie ist der Zusammenhalt groß, und die Stimmung nach wie vor positiv.“ Günther Gartner, Oberleutnant

Günther Gartner: Danke, uns geht es gut! Und unser Einsatz läuft bisher tadellos. Durch die Pandemie gibt es natürlich auch im Libanon Einschränkungen, Vorgaben wie die Abstandsregeln und die Maskenpflicht sind einzuhalten. Daran halten sich auch alle streng, wir hatten bis jetzt keinen einzigen Corona-Fall im Camp.

Bevor wir auf Ihren Einsatz zu sprechen kommen: Ist dies denn Ihr erster Auslandseinsatz?

Ja – und es ist genau so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich war im Vorjahr zum ersten Mal über Weihnachten und Silvester nicht zuhause. Kontakt mit Familie und Freunden kann man aber heutzutage ja gut über soziale Netzwerke halten – Heimweh hat sich bisher nicht breit gemacht (lacht).

Wo sind Sie denn genau im Libanon und was machen Sie dort?

Wir befinden uns im Camp Naqoura im Südwesten des Landes, nahe der bekannten „Blue Line“, der Waffenstillstandslinie zwischen Israel und dem Libanon. Wir sind Teil der „United Nations Interim Forces in Lebanon“ (kurz: UNIFIL) der Vereinten Nationen, 11.800 Soldaten und etwa 1.000 UN-Zivilangestellte aus 40 Nationen sind hier im Einsatz. Insgesamt unterstützen aktuell 185 Soldaten aus Österreich die Friedensmission. Wir Pioniere sind mit Aufgaben der „Multi Role Logistic Unit“ beauftragt.

NOEN, privat

Was versteht man darunter?

Darunter fallen Transporte von Cargo-Gütern, militärischen Ausrüstungen, Containern und schweren Spezialgeräten, das Bergen und Instandsetzen beschädigter Fahrzeuge oder etwa das Versorgen der UN-Truppe mit Treibstoff. Ich bin vor Ort als Zugskommandant des Cargo-Zuges eingeteilt und verantwortlich für die Planung und Durchführung der Transporte, fahre aber natürlich bei größeren Konvois auch selbst mit. Fahrten zu den verschiedensten Camps und zum Flughafen Beirut oder zum Hafen mit bis zu 30 Fahrzeugen stehen täglich am Programm.

Sie haben zuvor die Einschränkungen aufgrund der Pandemie angesprochen. Wie macht sichCorona im Einsatz bemerkbar?

Das hat etwa schon bei der Ausreise angefangen. Wir mussten uns vor dem Flug in 14-tägige Isolation begeben, mit einem negativen PCR-Test ging es mit einer Chartermaschine von Wien nach Beirut. Im Camp angekommen, waren wir wieder zwei Wochen in Quarantäne, bevor wir den Dienst antreten konnten. Neben dem Einhalten der Maßnahmen sind Freizeitmöglichkeiten, wie es sie normalerweise bei Auslandseinsätzen des Bundesheeres gibt, nicht möglich. Aktuell ist es verboten, das Hauptquartier zu verlassen.

Stellt sich denn da nicht langsam Lagerkoller ein, so nach Monaten im Camp?

Nein (lacht)! In unserer Kompanie ist der Zusammenhalt groß, und die Stimmung nach wie vor positiv. Es freut mich, mit Melker Pionieren im Libanon zu sein, und wir schicken unseren Kameraden und unseren Familien schöne Grüße in die Heimat!

Im Sommer geht‘s zurück nach Hause. Haben Sie vor, weitere Auslandsdienste zu absolvieren?

Ja, auf jeden Fall möchte ich wieder ins Ausland – wenn es die Situation zulässt.