Kammerer über Auftritt in Melk: "Freue mich auf Wahnsinns-Stimmung"

Erstellt am 18. Mai 2022 | 03:51
Lesezeit: 4 Min
440_0008_8357704_mel20melk_knechtalbrecht_cmatejschek.jpg
Jakob Kammerer alias Knecht Albrecht. 
Foto: Daniela Matejschek
Jakob Kammerer über sein Rap-Alter-Ego, seine neue Single und den baldigen Auftritt in der Melker Wachauarena.
Werbung
Anzeige

NÖN: Sie treten demnächst mit Texta sowie Yasmo & der Klangkantine in der Wachauarena auf. Worauf kann sich das Publikum freuen?

Jakob Kammerer: Also auf eine gewaltige Ladung an textlicher Raffinesse und dicke Beats. Auf richtig gute Musik und auf eine Wahnsinns-Stimmung! Es ist für mich wirklich eine extreme Ehre, den Abend mit diesen beiden Acts zu teilen, die die Musik in Österreich und das Bewusstsein schon so lange und stark prägen.

Ist das denn Ihr erster, größerer Auftritt seit der Pandemie?

Als Rapper: ja. Am Schlagzeug war ich zum Glück schon wieder etwas unterwegs, aber von einem „Normalzustand“ kann leider längst noch nicht die Rede sein.

Da wo Erfolg ist, steckt immer harte Arbeit dahinter. Aber es ist so krass, wie wenig Erfolg umgekehrt hinter so viel harter Arbeit herausragender Kolleginnen und Kollegen steckt.“

Herr der Ringe-Fans kennen „den einen Ring, sie zu knechten“, Ihre neue Single heißt „Der Knecht, sie zu ringen“. Hat die denn was mit Mittelerde zu tun?

Nicht direkt, obwohl ich Herr der Ringe liebe und natürlich den Titel daran angelehnt habe (lacht). Im Song geht’s um einige Umstände in der österreichischen Musiklandschaft, bzw. -industrie, die ich für grobe Missstände halte. Etwa die prekäre Situation vieler – wahrscheinlich der meisten – Musikschaffenden in Österreich und Honorardebatten. Oder darum, warum bei Musikpreisen Verkaufszahlen und dergleichen eine wichtige Rolle spielen, wo es doch um die Kunst gehen sollte.

Wenn‘s da nicht um die Kunst geht, worum geht‘s denn Ihrer Meinung nach dann?

Um es klar zu stellen, ich möchte hier nicht über Musikgeschmack reden, oder irgendwem Erfolg missgönnen, wirklich nicht! Da wo Erfolg ist, steckt immer harte Arbeit und noch viel mehr dahinter. Aber es ist so krass, wie wenig Erfolg umgekehrt hinter so viel harter Arbeit wirklich herausragender Kolleginnen und Kollegen steckt. Das ist einfach traurig, das kann ich nicht anders sagen. Es ist ganz wichtig, all diese Themen in die Gesellschaft zu tragen, Menschen, die nicht selbst Kunstschaffende sind, zu vermitteln: Der Auftritt selbst ist die kleinste Spitze des Eisbergs an Arbeit, die man verrichtet, oder es geht sich finanziell einfach nicht aus, obwohl man so viele Stunden an seiner Musik arbeitet, wenn die Honorare nicht deutlich angehoben werden. Irgendwie hat sich auch so diese Allgemeinmeinung eingeprägt, dass man als kunstschaffende Person wenig verdient, aber dafür flexibel ist und macht, was einen freut. Das gilt schon lang nicht mehr, das hat so noch nie gegolten.

Dieses komplexe Thema in einen Song zu verpacken, ist aber auch nicht leicht ... 

Stimmt! Aber da kommen wir wieder zu Herr der Ringe: Die Mystik von Herr der Ringe hat mich dazu inspiriert, im Text Dämonen zu kreieren, die in Form von Gier und Größenwahn in Szene treten.

Die neue Single ist draußen, Ihr Auftritt in Melk steht bevor. Arbeiten Sie denn gerade auch an neuen Projekten oder Songs?

Also es kommt im Juni die nächste Single mit dem Titel „Neuer Stil, neues Glück“. Sie ist als Fortsetzung des Songs „So sind wir nicht“ zu verstehen.

Also geht’s wieder um Korruptionsvorwürfe, richtig? Das war ja eine musikalische Aufarbeitung von allerlei österreichischen Polit-Skandalen.

Ja, genau. Irgendwie dreht sich dieses Thema hierzulande ein wenig im Kreis, möchte man meinen. Deshalb ist der Song auch in einem gemächlichen 6/8-Takt, damit sich die Zuhörerinnen und Zuhörer dazu Walzer tanzen können und sich auch im Kreis drehen. Wer will, kann‘s ja gern mal ausprobieren, am 21. Mai spielen wir den Song jedenfalls schon. Und danach kommt mal wieder was Versöhnlicheres, was gute Stimmung macht, versprochen!

Weiterlesen nach der Werbung