Persenbeuger SPÖ-Duo: Zukunft „auf Augenhöhe“. Neuer SPÖ-Ortschef Gerhard Leeb und SPÖ-Vizebürgermeister Andreas Umgeher berichten von aktueller Lage, geben Versprechen und blicken in die Zukunft ihrer Gemeinde.

Von Christina Brandstetter. Erstellt am 17. Februar 2021 (04:04)
Das Interview mit Gerhard Leeb (unten) und Andreas Umgeher (oben links) fand auf digitalem Wege statt.
Brandstetter

Nach der Neuwahl im Gemeinderat stellen sich der neue Bürgermeister Gerhard Leeb und Vizebürgermeister Andreas Umgeher (beide SPÖ) aufgrund der aktuellen Corona-Situation per Videokonferenz den Fragen der NÖN.

NÖN: Die fehlerhafte Abrechnung der Kanalgebühren ist gerade die brisanteste Thematik in der Gemeinde. Hat man die Problematik seitens der SPÖ-Fraktion unterschätzt, oder wollte man diese Tür kurz vor der Gemeinderatswahl nicht öffnen?

Gerhard Leeb: Die Problematik hat man sicher nicht unterschätzt. Die Zahlen sind mit der Überprüfung des GVU gestiegen. Darum macht man jetzt die Begehung, um zu schauen, was wirklich Sache ist. Da kommen jetzt diverse Dinge hervor.

Die Lage wurde immer prekärer. Welche parteiinternen Überlegungen legten den Rücktritt des ehemaligen Bürgermeisters Mitmasser fest?

Leeb: Wir haben die letzte aktuelle Summe erfahren und dann hat es ein Gespräch mit dem Bürgermeister gegeben. So hat das Ganze seinen Lauf genommen. Im Zusammenhang mit dem Rücktritt haben wir dann mit der Opposition das Gespräch gesucht.

„Im Zusammenhang mit dem Rücktritt haben wir dann mit der Opposition das Gespräch gesucht.“ Gerhard Leeb

Der GVU prüft die Sachlage noch bis März. Eine gewisse Summe im Hunderttausend-Bereich wird verjährt sein. Wie geht es dann weiter? Wird Ex-Bürgermeister Mitmasser mit rechtlichen Konsequenzen rechnen müssen?

Leeb: Der GVU wird in der nächsten Gemeinderatssitzung offiziell beauftragt werden, um das Ganze zusammenzufassen. Das wird dann mit den Oppositionsparteien besprochen und dann wird die weitere Vorgehensweise beschlossen. Da lege ich höchsten Wert auf Transparenz, damit jeder die Summen kennt.

Am 3. Februar wurden Sie zum Bürgermeister und Vizebürgermeister gewählt. Was hat sich in den ersten Tagen getan? Welche Pläne gibt es für die Zukunft?

Leeb: Das ist jetzt eine Einarbeitungsphase. Es kommt ziemlich viel auf mich zu. Kurzfristige Pläne sind zum Beispiel der Breitbandausbau. Da sind wir schon sehr weit. Das nächste: Um bürgernah zu werden, planen wir einen Tag der offenen Tür, also ein Hinter-die-Kulissen-schauen im Rathaus. Das werden wir im ersten halben Jahr umsetzen. Ein langfristiges Projekt, an dem wir dranbleiben müssen, ist zum Beispiel die Rathaussanierung.

Sie sind neben anderen Projekten schon dabei, die Problematik der Kanalgebühren aufzuarbeiten. Die Wahl ging schnell über die Bühne. Denken Sie, die Bevölkerung ist zufrieden mit dem aktuellen Ergebnis?

Leeb: Ich denke schon, dass die Bevölkerung will, dass weitergearbeitet wird. Eine gewisse Konstanz soll in der Gemeinde vorhanden sein. Jetzt finden die Ausschusssitzungen statt. Die anderen Parteien im Gemeinderat werden zur Mitarbeit eingeladen. Für mich ist es wichtig zuzuhören, aufeinander zuzugehen und zusammenzuarbeiten.

Die Zusammenarbeit ist auch für den Vizebürgermeister eine wichtige Aufgabe. Nach ihrer Geschichte als SPÖ-Bezirksgeschäftsführer werden Sie, wie man hört, auch innerhalb der Fraktion skeptisch betrachtet. Herr Umgeher, wie wollen Sie für Vertrauen sorgen?

Leeb: Herr Umgeher wird innerhalb der Fraktion nicht skeptisch betrachtet. Das stimmt so nicht.

Umgeher: Ich wüsste nicht, woher das Gerücht kommt. Ich habe genau dieselben Pläne wie der Bürgermeister. Man muss einander zuhören, reden und aufeinander zugehen. Das ist von beiden Richtungen wichtig. Das ist möglich, aber dazu gehören immer zwei. Ich werde mich als Vize hauptsächlich um den Finanzausschuss kümmern. Außerdem bin ich Europa-Gemeinderat. Ich sehe mich als Assistenz des Bürgermeisters.

Die Gesprächskultur zwischen der Bürgerliste und der SPÖ –also Kranzl und Mitmasser – war immer sehr angespannt. Wie will man das in Zukunft verändern?

Leeb: Ich bin ein Mensch, der Konsens sucht. Das war schon immer so, und das werde ich auch im Gemeinderat versuchen umzusetzen. Das ist eine beidseitige Geschichte. Es wird mehr Zusammenarbeit geben.

Ein Kritikpunkt nach der Wahl war der Straßenausschuss, der an die ÖVP ging. Die ÖVP wollte ja keine Neuwahlen. Gab es da einen Deal?

Leeb: Es hat ein Gespräch mit der ÖVP gegeben. Da ist ausgearbeitet worden, dass der Straßenausschuss an die ÖVP geht. Mit Roman Schinnerl ist die Gemeinde da sehr gut beraten.

Umgeher: Ich möchte ergänzen, dass es solche Gespräche in alle Richtungen gegeben hat. Das war eben das Ergebnis.

Jetzt liegt die Zukunft in Ihren Händen. Was muss in den nächsten Jahren gemeindepolitisch passieren?

Leeb: Geplante Projekte sollen umgesetzt werden. Die Bevölkerung wollen wir daran teilhaben lassen. Das Gesprächsklima muss besser werden. Und man muss sich auf Augenhöhe begegnen.