"Dollfuß-Museum": Der Fahrplan zur Neukonzeption bis 2023 steht

Erstellt am 05. Juli 2022 | 08:46
Lesezeit: 3 Min
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Derzeit ist das „Dr. Engelbert-Dollfuß-Museum“ in Texingtal geschlossen. Der Fahrplan zur Neukonzeption steht nun.
Foto: Beringer/NÖN-Archiv
Projektteam, Beirat, Workshops: So will man das verstaubte „Dollfuß-Museum“ in Texingtal (Bezirk Melk) auf die Höhe der Zeit bringen.
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Das „Dr. Engelbert-Dollfuß-Museum“ bescherte der Gemeinde Texingtal im Dezember des Vorjahres österreichweite Schlagzeilen (siehe Infobox). Die fehlende kritische Auseinandersetzung mit dem Ex-Kanzler und dem Austrofaschismus in der Ausstellung im Geburtshaus Dollfuß‘ soll nun aber bald ein Ende haben. Derzeit ist das Museum geschlossen, der Fahrplan zur Neukonzeption des bisherigen „Dollfuß-Museums“ in Texingtal steht. Und dieser liegt der NÖN auch bereits vor.

Vorarbeit: Das ist bereits geschehen. So richtig laut wurden die kritischen Stimmen zwar erst im Rahmen Gerhard Karners Ernennung zum Innenminister, bereits im Vorfeld habe man sich aber bereits mit der Neukonzeption befasst. Und zwar habe es bereits im Mai 2021 Gespräche zwischen der Gemeinde Texingtal und „MERKwürdig – Zeithistorisches Zentrum Melk“ gegeben. Das Projektteam startete daraufhin Vorbereitungsarbeiten – wie etwa eine erste Analyse des Museums, wissenschaftliche Gespräche, Kontaktaufnahmen mit Vermittlungsinstitutionen sowie die Konzeption eines Fahrplans. Mitte Mai 2022 folgten die nächsten Schritte.

Mit vereinten Kräften. Ein siebenköpfiger, wissenschaftlicher Beirat wurde gegründet: Dieser werde den gesamten Prozess begleiten und bereits im Sommer seine Arbeit aufnehmen. An Bord: Ernst Bruckmüller, emeritierter Universitätsprofessor, der das Institut für Geschichte des ländlichen Raums. gründete. Die Historikerin und Germanistin Lucile Dreidemy vom Institut für Zeitgeschichte der Universität Wien hat sich bereits bei einer Forschungsarbeit kritisch mit Dollfuß auseinandergesetzt. Ernst Langthaler von der Linzer Johann-Kepler-Universität ist ausgewiesener Experte für die niederösterreichische Sozial- und Zeitgeschichte. Kunsthistorikerin, Vermittlerin und Kuratorin Eva Meran vom Haus der Geschichte Österreich bringt ihre Expertise ein – genauso wie Carlo Moos, der an der Universität Zürich lehrte und 2021 mit dem Sammelband „(K)ein Austrofaschismus? Studien zum Herrschaftssystem 1933-1938“ die bisher ausführlichste Publikation zu Dollfuß herausgegeben hat. Historikerin Verena Pawlowsky und Christian Rapp, wissenschaftlicher Leiter des Hauses der Geschichte in St. Pölten, verstärken den Beirat.

Durch Vermittlung zum Konzept. „Wir nehmen uns ganz bewusst Zeit für einen breiten, partizipativen Prozess“, betont Alexander Hauer, Obmann des Vereins MERKwürdig, der mit Christian Rabl, Remigio Gazzari und Johanna Zechner das Projektteam bildet. Gestartet wird der Prozess mit einer „Vermittlungsphase“, dabei sollen bei „Werkstätten-Gesprächen“ Expertinnen und Experten zu Wort kommen, auch Workshops sind geplant. Bis Ende 2023 soll ein Konzept für die Neugestaltung stehen. Das Zeithistorische Zentrum Melk sei auch von der Gemeinde damit beauftragt worden, sich konkrete Gedanken über die Finanzierung und den Betrieb eines Museums zu machen.

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