Erster Coronapatient aus Hürm. Mann suchte vor zwei Wochen Hürmer Ordination auf. Ärzteteam traf Vorkehrungen.

Von Michael Bouda. Erstellt am 20. März 2020 (15:47)
Allgemeinmediziner Markus Kern behandelte in seiner Ordination in Hürm den ersten Coronavirus-Patienten der Gemeinde - allerdings bevor die Erkrankung diagnostiziert wurde.
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Mittlerweile sind es acht bestätigte Coronafälle im Bezirk. Drei davon gab es in der Manker Region zu vermelden: einen in Bischofstetten, einen einer Mankerin, die in einem anderen Bezirk wohnt und einen in Hürm.

Der Hürmer hatte dabei vor zwei Wochen die Gruppenpraxis von Rudolf und Markus Kern in Hürm besucht. „Er war bei uns in Behandlung mit Lungenentzündungssymptomen, die so schwer waren, dass der Mann ins Krankenhaus Lilienfeld gebracht wurde“, erzählt Markus Kern im Gespräch mit der NÖN.

Als die Verlegung des Patienten in ein anderes Spital im Raum stand, wurde ein Coronatest durchgeführt. Dieser fiel positiv aus, womit der Hürmer ins zuständige Klinikum nach Melk gebracht wurde. Nun stellte sich die Frage, ob in der Hürmer Ordination eine Ansteckung erfolgt war. „Ich habe mit dem Amtsarzt gesprochen und weil der Kontakt mit dem Patienten bereits zwei Wochen her und damit die Quarantänezeit eigentlich vorbei war, gab es für uns keine Tests“, schildert Kern.

Vom zwei Ärzte und vier Ordinationshilfen umfassenden Team hatte in den zwei Wochen niemand Coronavirus-typische Symptome. Vorkehrungen traf man dennoch: „Wir verhalten uns in der Praxis so, als ob jeder das Virus haben könnte“, sagt Kern. Bis auf fünf bis sechs Patienten täglich und ein bis zwei Hausbesuche wurde sämtlicher Kontakt auf telefonische Kommunikation umgestellt. Bei der Abholung von Medikamenten bekommen die Patienten, wiederum nur nach telefonischer Vereinbarung, nur Einzeleinlass, damit kein Kontakt unter den Patienten stattfindet. Darüber hinaus wird auch auf das Stecken der E-Card verzichtet, um den Kontakt zwischen Patienten und medizinischem Personal auf ein Minimum zu reduzieren.

Problematisch ist allerdings die Versorgung mit Schutzmasken und Schutzanzügen. Kern: „Das Problem ist, dass wir zu wenige haben. Aber wir haben noch Restbestände, mit welchen eine direkte Übertragung unwahrscheinlich ist. Wir versuchen, trotz der Lieferschwierigkeiten Nachschub zu bekommen.“ Lieferschwierigkeiten gibt es dabei auch bei Medikamenten: Eigentlich wäre es aufgrund der Coronaviruskrise möglich, einem Patienten mehr als den normalen Medikamentenbedarf auszuhändigen. „Das Problem ist, dass zum Teil zu wenige Medikamente nachgeliefert werden können. Deshalb geben wir nur die normale Menge aus. Es bestehen aber keine bedrohlichen Engpässe“, erklärt Kern.

Was die Familie des Hürmers betrifft, wurde diese bereits getestet, die Resultate lagen aber am Freitagnachmittag noch nicht vor. Generell werde, so Kern, außerhalb der Krankenhäuser „äußerst sparsam“ mit Tests umgegangen: „Es werden anscheinend ausschließlich Kontaktpersonen von nachgewiesen infizierten Patienten und keinerlei sonstige Verdachtsfälle getestet.“

Der Hürmer konnte mit deutlich verbessertem Gesundheitszustand mittlerweile in häusliche Quarantäne entlassen werden.