Corona beeinträchtigt City-Belebung in Ybbs/Donau. Seit mehr als zwei Jahren läuft Innenstadtprozess. Bisher gibt es wenige Ergebnisse. Zeithorizont des Projekts liegt bei 15 Jahren.

Von Markus Glück. Erstellt am 10. April 2021 (05:30)
Der Innenstadtprozess läuft seit über zwei Jahren. 
Brandstetter

Im Herbst 2018 wollte die Stadtgemeinde – wieder einmal – die Ybbser Innenstadt aus dem Dornröschenschlaf holen. Mit einem eigenen Stadtentwicklungskonzept sollte neues Leben in die dahindarbende Altstadt gehaucht werden.

Damit der Aufschwung in der Innenstadt auch nachhaltig ist, wurde damals mit Innenstadtentwickler Thomas Egger von der Standortentwicklungsfirma Egger+Partner eine wahre Koryphäe seines Fachs verpflichtet. Bis Herbst 2019 sollte Egger einen Masterplan ausarbeiten.

Dabei eingebunden waren sämtliche Akteure der Innenstadt: von Wirtschaftsbetreibern über Vermieter und Bewohner. In fünf Fokusgruppen (Wohnen, Leerstände, Verkehr und Mobilität, Grünräume und Digitalisierung) wurden dann ab dem Jahr 2019 mit Bürgern Verbesserungspotenziale für die Stadtgemeinde Ybbs erarbeitet. Mit dem Projekt rund um das Wiener Tor und der Sanierung der Stadthalle haben zudem bereits zwei wichtige Projekte für die Innenstadt gestartet.

„Ich nutze Corona selten als Ausrede, bei diesem Projekt hat uns die Pandemie aber ordentlich ausgebremst.“ Gert Kratzer, ÖVP-Stadtrat

Zu Beginn des Jahres 2020 folgte dann eine Plakataktion, die Mieter für die leer stehenden Innenstadt-Geschäfte ansprechen sollte, im Herbst 2020 kam es zu einer Zwischenpräsentation der Ergebnisse. Außer Hundesackerl-Spender, eine Bewerbung von leeren Innenstadtlokalen mit Plakaten und mehreren WLAN-Hotspots, die wohl auch ohne groß angelegtes Innenstadt-Projekt umgesetzt worden wären, ist in den vergangenen zweieinhalb Jahren aber nicht viel passiert.

Das gibt auch SPÖ-Bürgermeisterin Ulrike Schachner zu – Schuld daran sei vor allem die anhaltende Corona-Pandemie. „Mit Corona sind wir bei diesem Vorhaben extrem beeinträchtigt. Treffen innerhalb der Fokusgruppen konnten beinahe gar nicht stattfinden“, argumentiert die Stadtchefin. Sie betont aber, dass sich in der Innenstadt dennoch einiges getan habe und verweist dabei auf das gemeinsame Projekt von Baumeister Thomas Pöchhacker und der Familie Höller vom Gasthaus Mang im ehemaligen Brauhaus in der Herrengasse – oder dem neuen Hotelprojekt im ehemaligen Gasthaus „Zum Braunen Hirschen“ (die NÖN berichtete).

Ähnlich sieht das auch ÖVP-Stadtrat Gert Kratzer, der erklärt, dass das Projekt für zehn bis 15 Jahre angelegt ist. „Natürlich können wir nicht bei allen Maßnahmen 15 Jahre warten, bis dahin sollte aber alles umgesetzt werden. Ich nutze Corona selten als Ausrede, bei diesem Projekt hat uns die Pandemie aber ordentlich ausgebremst“, erläutert Kratzer.

Entwicklungsleitbild und Verkehrsplan folgen

Standortentwickler Egger erklärt auf NÖN-Anfrage, dass die Arbeit der Fokusgruppen mittels Videokonferenzen fertiggestellt sei. In einem nächsten Schritt wird der städtebauliche Masterplan, ein Entwicklungsleitbild sowie ein Masterplan mit Verkehrsplanung erarbeitet. „Das Entwicklungsleitbild ist die Grundlage für verschiedene weitere Themen wie Mobilität oder Verkehr“, berichtet Egger im NÖN-Gespräch.

Noch vor dem Sommer soll es einen Besprechungstermin mit Schachner geben, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Egger betont aber auch, dass bereits während des Prozesses einige sichtbare Veränderungen, etwa die WLAN-Hotspots in Ybbs, passiert sind, deren Ausgang in den Fokusgruppen stattfand. Wie die Politik spricht auch Egger von einem Zeithorizont von 15 Jahren: „Bei der Verkehrsthematik müssen wir einen größeren Radius ziehen. Wir brauchen hier die Grundlagen und den politischen Konsens“, sagt Egger.