„Wollen Menschen in die Mitte holen“. Verein „Vielfalt Nutzen“ kümmert sich seit zwei Jahren um Asylwerber in Ybbs. Im Fokus stehen dabei Deutschkurse.

Erstellt am 01. August 2017 (04:00)
Sylvia Huber (v. l.), Amina, Hans Voglhuber, Bettina Schmutzer, Abood, Regina Voglhuber, Abdalla, Nader, Saed und die Mädchen Baran und Ara beim Café Miteinander in der Ybbser Herrengasse. 
Markus Glück

Es war die Flüchtlingskrise im Jahr 2015, die Freiwillige veranlasste, den Verein „Vielfalt Nutzen“ zu gründen. Seither engagieren sich die dutzenden Mitglieder für die Integration der Asylwerber in der Donaustadt. Obmann Hans Voglhuber und sein Team betreuen dabei im Schnitt an die 100 Flüchtlinge.

War am Anfang noch viel Improvisation gefragt, bemüht sich Voglhuber zum zweijährigen Jubiläum, vermehrt Strukturen in den Verein zu bringen. Die Grundintention der Mitglieder ist dabei einerseits eine Parallelgesellschaft in der Stadt zu verhindern und Fehler, die bei der Integration der türkischen Community passiert sind, nicht zu wiederholen. „Wir wollen die Menschen in die Mitte der Gesellschaft holen. Dabei sind aber auch die Einheimischen gefordert“, erklärt Sylvia Huber, die für die Organisation der Deutschkurse verantwortlich ist.

Abbau von Vorurteilen im Café Miteinander

Gerade beim wöchentlichen Café Miteinander (Mittwoch, 16 bis 18 Uhr) wünscht sich auch Voglhuber mehr Ybbser, die vorbeischauen: „Beim Kennenlernen können viele Vorurteile abgebaut und die Angst vor dem Fremden genommen werden. Leider findet ein Austausch mit den Ybbsern kaum statt.“

War zu Beginn des Vereins die Suche nach den alltäglichen Dingen des Lebens dominant, müssen sich die Mitglieder nun mit Behördenwegen, Jobsuche für die Asylwerber und Dokumenten herumschlagen. Besonders wichtig dabei ist der rasche Erwerb der deutschen Sprache. Dafür gibt es insgesamt elf Lehrer – neun sind davon Freiwillige – die sich um den Spracherwerb kümmern. Nach der Zertifizierung durch den Österreichischen Integrationsfond (ÖIF), die nur wenige Vereine bekommen, dürfen Kurse bis zum B1-Niveau, was in etwa den Deutschkenntnissen beim Abschluss der Mittelschule entspricht, abgehalten werden.

Dabei gibt es für die Helfer auch Lichtblicke: Etwa wenn ein positiver Asylbescheid nach Jahren des Wartens kommt, oder ein Schützling einen Job antritt. „Einer fährt dafür jeden Tag mit dem Rad von Ybbs nach Petzenkirchen“, räumt Voglhuber mit dem Vorurteil auf, dass Asylwerber nicht arbeiten wollen.