Günther Sidl: „Will Botschafter des Landes sein“. Der Petzenkirchner Günther Sidl will ins EU-Parlament. Mit der NÖN sprach er über die Auswirkungen der EU im Bezirk Melk.

Von Markus Glück und Denise Schweiger. Erstellt am 15. Mai 2019 (05:00)
Schweiger

Am 26. Mai stellt sich der Petzenkirchner SP-Landtagsabgeordnete Günther Sidl als NÖ-Spitzenkandidat der EU-Wahl. Mit der NÖN sprach er über seine Beweggründe, den Wahlkampf und seine Zukunft als Bezirkschef der SPÖ.

NÖN: Warum wollen Sie vom Landtag ins EU-Parlament wechseln?

Günther Sidl: Viele Entscheidungen, die auch den Landtag betreffen, werden vorab in Brüssel gefällt. Mit meiner Erfahrung als Landtagsabgeordneter und meiner Kenntnis der Regionen möchte ich ein starker Botschafter für Niederösterreich sein.

Sie haben bereits viele Wahlkämpfe gefochten. Wie unterscheidet sich ein EU-Wahlkampf von den anderen?

Sidl: Durch den bundesweiten Wahlkreis mache ich in der gesamten Ostregion Wahlkampf – ein krasser Unterschied zu einem Wahlkampf nur im Bezirk. Daneben treten aber auch sehr viele europaweite Organisationen und Interessensvertretungen an einen heran, die bereits jetzt versuchen, in Kontakt zu kommen.

Die Lobbying-Organisationen sind also bereits im Wahlkampf aktiv?

Sidl: Ja auch, ich habe aber jedem gesagt, dass es bis zur Angelobung keine Termine gibt. Zuvor ist der Wähler am Wort.

Alle fünf Jahre kommen zur EU-Wahl die gleichen Themen: Atomkraft, Schutz des Wassers, Artenschutz. Hat die Politik keine anderen Ideen, wie einen EU-Wahlkampf zu führen ist?

Sidl: Gerade bei Jungen ist der Klimawandel ein großes Thema. Emotionale Themen sind auch das Insektensterben und Umweltgifte. Beim Klimawandel geht es um größere Ideen wie etwa die Verringerung des Flugverkehrs und die bessere Verbindung zwischen den Hauptstädten mit Hochleistungsstrecken. Bei den Pestiziden braucht es ein Umdenken. Auch wenn es der Landwirtschaft derzeit nicht gut geht: Die Antwort kann nicht sein, dass wir noch mehr spritzen.

„Jede Entscheidung, die in Brüssel getroffen wird, hat direkte Auswirkungen auf die Bürger im Bezirk Melk.“Günther Sidl, EU-Kandidat (SP)

Wie groß ist die Gefahr des Rechtsrucks in Europa?

Sidl: Viele Menschen haben Ängste, für mich ist es wichtig, sich hier verstärkt einzubringen. Während die anderen vom Europa der Vaterländer sprechen, schauen wir, wie wir den Menschen helfen und die soziale Säule, etwa bei Jugendarbeitslosigkeit, stärken können. Mir ist lieber, wir reden miteinander als gegeneinander.

Sie waren Gemeinderat in Petzenkirchen, legten das Mandat zurück, um stärker im Landtag präsent zu sein. Ein paar Tage danach gaben Sie überraschend Ihre EU-Kandidatur bekannt.

Sidl: Der Fokus war, als Klubobmann-Stellvertreter verstärkt die Arbeit in den Landtag zu legen. Das war zeitlich mit dem Gemeinderat nicht mehr möglich. Die EU-Kandidatur hat sich danach in kurzer Zeit ergeben.

Wo spürt der Bürger im Bezirk Melk die Arbeit der Europäischen Union?

Sidl: Konzerne zahlen immer weniger Steuern und Abgaben, dadurch gehen Milliarden für die Bürger verloren. Dieses Geld brauchen wir aber auch für regionale Entwicklung, etwa für schnelle Datenleitungen oder Kinderbetreuungsplätze. Ohne massive Unterstützung der EU wäre auch der Hochwasserschutz schwieriger umsetzbar gewesen.

Auf Listenplatz drei sind Sie ziemlich sicher im EU-Parlament. Wie laufen die Vorbereitungen für Brüssel?

Sidl: Ich habe noch keine Wohnung, mein Team steht dafür im Kopf. Europa kann man nicht von Brüssel aus kommunizieren, daher wird die Mehrheit der Mitarbeiter auch in Niederösterreich sitzen – auch ein Benefit für unseren Bezirk.

Sie sind mitten in Ihrer politischen Karriere. Gibt es Angst, in Brüssel vergessen zu werden?

Sidl: Man sieht heuer, wie viele junge Kandidaten es gibt. Jede Entscheidung, die in Brüssel getroffen wird, hat direkte Auswirkungen auf die Bürger im Bezirk Melk. Ich mache die fünf Jahre, dann sehen wir weiter. Ich werde in der Politik aber nicht in Pension gehen.

Diskussion gibt es immer wieder um den Bezirksvorsitz. Einige wollen, dass Sie Ihren Vorsitz abgeben, sobald Sie nach Brüssel gehen. Welche Überlegungen gibt es von Ihrer Seite?

Sidl: Ich bin bis 2020 gewählt, danach werden wir uns das überlegen und die Entscheidung treffen, ob ich nochmals antrete. Brüssel ist nicht aus der Welt und die Thematik ist im Bezirksvorstand klar besprochen.