Wilderer-Drama: „Die Tat ist noch immer unerklärlich“. Am Mittwoch jährt sich die „Tragödie vom Annaberg“. Weiter Fassungslosigkeit in Hubers Heimat Großpriel.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 16. September 2014 (06:03)
Bereits 20 Interessenten wollen das Haus von Alois Huber erwerben. In der Zwischenzeit wurde auch die Fassade restauriert, die beim Cobra-Einsatz beschädigt wurde. Gemeinsam mit dem Haus des Vierfachmörders (Bild) werden auch das benachbarte Elternhaus, eine Lagerhalle und fünf Hektar Grund verkauft.
NOEN, Foto: Walter Fahrnberger
Am Mittwoch jährt sich die „Tragödie vom Annaberg“ zum ersten Mal. Am 17. September 2013 hat Wilderer Alois Huber aus Großpriel bei Melk drei Polizisten und einen Sanitäter erschossen und sich in der Folge in seinem Haus in Großpriel selbst gerichtet.

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NOEN, Foto: privat
Im kleinen Ort der Gemeinde Melk ist der Jahrestag der Tragödie „kein allzu großes Thema“, wie der ehemalige Melker Vizebürgermeister Johann Wieder berichtet. Er ist ein Nachbar der Familie Huber und hat auch Kontakt zu den Eltern, die nach wie vor am Hof im Gebäude neben dem Anwesen ihres Sohnes wohnen und dort ein räumlich begrenztes Wohnungsrecht haben.

Dorfgemeinschaft ist noch enger zusammengerückt

Das wird sich auch nach dem Verkauf der Liegenschaft – nach den Medienberichten gibt es mittlerweile 20 Interessenten – nicht ändern.

„Der Vater (87) ist am Boden zerstört, die um ein Jahr ältere Mutter ist krank“, berichtet Wieder, dem die Eltern besonders leidtun. „Das sind anständige Leut‘, solche Nachbarn findet man nur selten.“ Zum Glück geht der Vater laut Wieder auch unter die Leute ins Wirtshaus. Die Dorfgemeinschaft ist danach noch enger zusammengerückt. Für Wieder ist so wie für alle in Großpriel „die Tat noch immer unerklärlich. Der Lois hatte zwei Gesichter“.


Die Tat vom 17. 9. 2013

  • Kriminal- & Cobrabeamte observierten in der Nacht zum 17. September 2013 auf der Suche nach einem Wilderer in Annaberg. Die Polizisten nahmen kurz vor Mitternacht einen Verdächtigen in einem Pick-up wahr und errichteten eine Straßensperre, die der Lenker durchbrach. In der Schmelz schoss Alois Huber erstmals auf Polizisten. Dabei wurde ein Cobrabeamter tödlich getroffen. Huber erschoss dann Rettungssanitäter Johann Dorfwirth, als dieser helfen wollte. Ein Polizist, der den Sanitäter begleitete, wurde verletzt.

  • Bei der Alarmfahndung erschoss Alois Huber zwei weitere Polizisten. Danach flüchtete er mit dem Streifenwagen in sein Heim in Großpriel. Aus dem Haus schoss er auf Einsatzkräfte von Polizei und Bundesheer. Dann beging er Selbstmord.

  • Die Ermittler wiesen Alois Huber seit 1994 insgesamt 108 Straftaten mit einem Gesamtschaden von 9,86 Millionen Euro nach.