Südliches Waldviertel: Wie das Leben so roll(er)t. April 1946: Als Berthold Brodar zur Welt kam, rollte auch die erste Vespa vom Band. Das Kultfahrzeug begleitete den Wahl-Yspertaler zeit seines Lebens. Eine Liebesgeschichte.

Von Susanne Leonhartsberger. Erstellt am 10. April 2021 (04:18)

Frühling 2001. Dunkle Limousinen und Anzugträger am Wiener Ballhausplatz. Daneben ein Mann „mit Fliege“ am roten Roller, am Sozius der Ideengeber des Bildes – beim Marketing war Berthold Brodar kreativ: „Ich wusste, Kanzler Schüssel fährt Vespa, und hab ihn um ein gemeinsames Foto gebeten. Er war sofort bereit“, schmunzelt das Vertriebsgenie. Kein Wunder, dass man ihn, wenn er für den Generalimporteur Faber nach Italien reiste, im Piaggio-Werk „Papa Vespa“ nannte.

Der Roller mit den weiblichen Formen beeindruckte den geborenen Wiener und heutigen Wahl-Yspertaler schon in der Jugend, doch der Kauf schien unerschwinglich. Durch Zufall bekam „Berti“ als Zwölfjähriger ein Engagement am Theater in der Josefstadt, wo er neben Peter Weck und Lotte Ledl auf der Bühne stand. Seine Gage investierte er mit 15 in seine erste Vespa. Später entschied sich der begeisterte Motorsportler Brodar für das Marketing in der Autobranche – mit Erfolg.

„Ich wurde nach Detroit zu einer Ehrung geladen und habe viele Fahrzeuge für Gendarmerie und ÖAMTC verkauft“, erinnert sich Brodar, der damals schon mit Anzug und Krawatte auf der Vespa die Berufsfahrten zum Ministerium zurücklegte – sehr praktisch im Wiener Stadtverkehr. Schließlich landete er beim Wiener Zweiradunternehmen Faber – dem Generalimporteur seiner geliebten Vespa. Und wie immer mit vollem Einsatz, wie er erzählt: „Ich habe auch beim Gesetz mitgewirkt, das es Zweiradfahrern ermöglicht, an einer stehenden Kolonne vorbeizufahren. Mit der Vespa hast du also immer einen Vorsprung.“ Mit ihr gemeinsam feiert Brodar nun im April den 75. Geburtstag, denn am 23. April 1946 rollte die erste Vespa in Italien vom Band.

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Noch heute ist sie äußerst populär und erzielte im vergangenen Jahr den größten Verkaufszuwachs bei Rollern, stellt Brodar fest.

Und wie kommt ein solcher Tausendsassa ins Yspertal? Die Gegend kennt Brodar von Kind auf, durch die Besuche bei seinem Vater, der damals Arzt in Pöggstall war. Eine zukunftsweisende Zeit, denn: „Auf den Wegen hab ich damals meine Begeisterung fürs Rallyefahren entdeckt“, schmunzelt er. Berthold Brodar baute hier ein Haus – natürlich mit Garage für seine Lieblingsfahrzeuge, die auch heute noch täglich zum Einsatz kommen.