Kampf dem Erbe unter der Erde. Giftige Altlast schlummert unter Firma Habich in Leiben. Olaf Schmidt-Park erläutert, was dagegen getan werden soll.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 05. Februar 2021 (05:23)
Olaf Schmidt-Park, Geschäftsführer der Firma Habich, lud NÖN-RedakteurinDenise Schweiger zu einem Lokalaugenschein ein.
Schütz

Der Weitenegger Umweltskandal rund um Abwässer der Firma Habich kam 1998 ans Licht. Also 14 Jahre, bevor Olaf Schmidt-Park im Juli 2012 Geschäftsführer des Leibener Unternehmens wurde. Und dennoch muss er sich heute noch damit herumschlagen. „Wir wollen nichts verschweigen, aber auch nichts dramatisieren“, sagt er.

Nach dem NÖN-Bericht um die Altlast auf dem Habich-Areal, die nachweislich seit 2013 bis heute den Untergrund mit Kohlenwasserstoffen und Metallen belastet, lud Schmidt-Park zum Lokalaugenschein.

„Mit 2022 wollen wir es geschafft haben, dass gar keine Belastung mehr von der Altlast ausgeht.“

In weißen Kitteln, Schutzausrüstung und blitzblauen Überschuhen führt er durch die Fabrik, die heuer ihr 175-jähriges Bestehen feiert. „Wissen Sie, als Chemie-Unternehmen ist man hier in der Region schon ein Exot“, meint der Geschäftsführer. Er kenne die Klischees, die über die Branche herumgeistern.

„Ich selbst habe vier Kinder, Umweltschutz ist mir ein persönliches Anliegen. Sicherheit hat auch in unserem Betrieb oberste Priorität“, verweist er auf regelmäßige und umfangreiche Kontrollen. Dies trifft auch auf die nach wie vor belastenden Altlast zu, der sich hinter der alten Produktionshalle befindet.

Das Umweltbundesamt veröffentlichte dazu 2013 eine abschließende Gefährdungsabschätzung, darin ist von einer „erheblichen Gefahr“ für die Umwelt die Rede. Warum bis jetzt nichts passiert ist? Bürokratie und Untersuchungen, wie sich Schmidt-Parks Ausführungen zusammenfassen lassen.

„Per Messungen wurde das Grundwasser in diesem Bereich immer wieder kontrolliert. Auf erhöhte Werte folgten abnehmende Tendenzen und weitere Prüfungen sowie ein Dauerpumpversuch.“ 2019 beschloss die zuständige Behörde, die Abteilung Wasserwirtschaft des Landes Niederösterreich, die Durchführung einer umfangreichen Variantenstudie.

Eine Möglichkeit habe sich laut Schmidt-Park auch schon herauskristallisiert: ein sogenanntes Sperrbrunnensystem. „Damit wird das Grundwasser entzogen und anschließend in unserer Kläranlage aufbereitet“, soll laut dem Geschäftsführer die Altlast auf diesem Weg zur gesicherten Altlast werden. „Das ist unser Ziel. Ein Gutachten fehlt aktuell noch, im Sommer soll das Genehmigungsverfahren starten. Mit 2022 wollen wir es geschafft haben, dass gar keine Belastung mehr von der Altlast ausgeht“, legt er den ungefähren Zeitplan vor. Wichtig ist Schmidt-Park in diesem Zusammenhang auch: Die Altlast schränke den Tagesbetrieb „nicht im Geringsten“ ein.

„Unser Betrieb ist vielfältig, von der Produktion über die Arbeiten im Labor bis hin zu den Büros und dem Vertrieb. Wir sind ein großer Arbeitgeber in der Region und beliefern internationale Kunden“, berichtet er. Die Exportquote des Unternehmens liege bei rund 90 Prozent.

Fälschlicherweise wird die Firma Habich oft als Farbhersteller bezeichnet, dabei werden hier anorganische Pigmente für die Farbherstellung oder auch für den Korrosionsschutz (Anmerkung: Beschichtung von Metalloberflächen, etwa bei Flugzeugen) produziert. „Wir sind dadurch ein farbenfrohes Unternehmen“, schmunzelt er.

In der Tat: Gelber Staub tanzt an diesem Dienstag durch die Fabrik – feinstfasrige Pigmente, die sich auf den Maschinen und dem Fußboden absetzen. „Wir können mit den Pigmenten jede Farbe erzeugen und sind auf die Rezeptentwicklung und die Herstellung – vom Teilchen über das Pulver oder der Paste – spezialisiert“, erläutert Schmidt-Park. Aktuell arbeite man an der Weiterentwicklung der Produktpalette – und ist auf der Suche nach neuen Mitarbeitern bei der Firma Habich.