An oberster Stelle im Schloss Thalheim. 22 Jahre ist Simon Kerschner jung. Und dennoch ist der Kilber bereits Hotelmanager von Schloss Thalheim.

Von Michael Bouda. Erstellt am 09. April 2021 (04:14)

Es sind die Tore zu altehrwürdigen Mauern, die Simon Kerschner öffnet, wenn er frühmorgens seinen Arbeitsplatz betritt. Der Kilber ist Hotelmanager von Schloss Thalheim – und das mit gerade einmal 22 Jahren! Dass er nun eine leitende Funktion in der riesigen Anlage, gelegen in der Gemeinde Kapelln im Bezirk St. Pölten-Land, innehat, hat aber eine lange Vorgeschichte.

Kerschner besuchte die Tourismusschule in Krems, jedes Jahr stand ein zum Teil mehrmonatiges Praktikum an. Diese führten ihn neben Wien und dem Hangar 7 in Salzburg auch in die Karibik – nach Trinidad und Tobago. Dann kam die Matura. „Danach habe ich mir gesagt, ich will noch etwas erleben. Also bin ich nach Bali gegangen“, schmunzelt Kerschner. Dort heuerte er beim hochklassigen „Viceroy Bali“ als Kellner an. Der Aufstieg folgte prompt.

„Vor der Eröffnung des neuen Restaurants wurde der Posten des Restaurantmanagers frei. Der Hotelmanager hat mich gefragt, ob ich die Stelle übernehmen möchte“, erzählt Kerschner, wie er als 19-Jähriger auf einmal die Oberaufsicht über das Personal hatte, mit dem Küchenchef zusammenarbeitete und in seinen insgesamt drei Monaten auf Bali wertvolle Erfahrungen sammelte. Wertvolle Erfahrungen, die ihn schließlich da hinbringen sollten, wo er heute steht.

„Die vielen Gespräche, die ich führe, egal ob bei Hochzeiten oder mit Urlaubern – das macht einfach glücklich.“ Simon Kerschner

Zurück in Österreich stand zunächst der Zivildienst an. Der Grund zurückzukehren, war aber ein anderer: „Ich war sechs Jahre lang nicht wirklich zu Hause – in Krems habe ich im Internat beziehungsweise in einer Wohnung gewohnt, außerdem war ich viel unterwegs. Zuhause waren meine Freundin und meine Freunde – deshalb wollte ich dann wieder daheim sein“, blickt er zurück.

Seit knapp zwei Jahren im Dienst des Schlosses

Nach der Absolvierung des Zivildienstes stellte er sich die Frage, was er nun tun solle, ob wieder in die Welt hinaus oder doch daheim bleiben. Kerschner entschied sich für Letzteres, bewarb sich im Sommer 2019 beim Schloss Thalheim. Als Assistant Sales Manager hatte er, zusammen mit seiner Chefin, die Organisation von Veranstaltungen wie Seminare, Hochzeiten oder Feiern über. Ein knappes Jahr verging, als dann einige Veränderungen ins Haus standen. Der Hotelmanager ging in Pension und Kerschners Chefin rückte nach, der Kilber wurde ihr Assistent. Unerwartet verließ aber dann Kerschners Chefin das Unternehmen. „Daraufhin habe ich mit dem Schloss-Besitzer gesprochen, wie wir weitermachen. Er hat gesagt, dass er sich das gerne anschauen würde, wie ich das Hotel manage. Er hat mir die Chance gegeben.“

Und Kerschner nutzte seine Chance. Seit Juni 2020 ist er Hotelmanager im Schloss Thalheim. 25 Zimmer und Suiten zwischen 25 und 440 Quadratmetern umfasst das Schlosshotel. Zu Gast sind Urlauber ebenso wie Besucher der zahlreichen Veranstaltungen, die auf dem insgesamt acht Hektar großen Areal steigen – Hochzeiten, Geburtstagsfeiern oder Seminare. Zusätzlich lockt am Wochenende das Schlossrestaurant, dessen Küche mit zwei Hauben ausgezeichnet ist. Die U-förmige Anlage verfügt neben dem Schloss über viele weitere Räumlichkeiten, ein Amphitheater und zahlreiche Gärten – darunter der Rosengarten mit 18.000 Rosen.

Und traut man es sich mit 22 Jahren zu, Hotelmanager auf einem solchen Anwesen zu sein? „Natürlich habe ich ein bisschen gebraucht, aber ich bin ziemlich schnell hineingekommen, weil ich vorher schon zu einem Teil die Organisation überhatte, wobei dann natürlich deutlich mehr Verantwortung dazugekommen ist“, bereut Kerschner die Entscheidung keineswegs. Und was gefällt ihm an seinem Job? „Einfach, dass ich jede Minute damit beschäftigt bin, dass ich die Kunden und Gäste glücklich machen kann. Und die vielen Gespräche, die ich führe, egal ob bei Hochzeiten oder mit Urlaubern – das macht einfach glücklich.“

Derzeit müssen Feste, Seminare, Klassik-Konzerte, verschiedene Urlaubsangebote und Restaurantbetrieb noch auf die Lockerungen der Covid-19-Maßnahmen warten. Dennoch wird an den Gartenanlagen und auch im Inneren der Mauern, die zum Teil aus dem 17. Jahrhundert stammen und mit viel Liebe zum Detail restauriert worden sind, gearbeitet. Und Kerschner freut sich darauf, wenn es wieder losgeht: „Das Schloss ist einzigartig in ganz Niederösterreich, man spürt eine Energie, die unvergleichlich ist.“