Drohungen und blaue Flecken: Vater bestreitet Vorwürfe vor Gericht

Eine Frau aus dem Bezirk Melk wirft ihrem Ex-Lebensgefährten vor, die gemeinsame, damals fünfjährige Tochter über Monate bedroht und geschlagen zu haben, weil ihm diese zu viel weinte und zu laut war. Er weist die Anschuldigungen zurück.

Erstellt am 06. Dezember 2021 | 17:18
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Gericht Symbolbild
Foto: APA (Symbolbild)

Stöße, blaue Flecken an den Oberarmen und Drohungen, dass er ihr den Hals umdrehen werde, wenn sie nicht still ist – das soll ein 47-Jähriger im Bezirk Melk seiner damals fünfjährigen Tochter gegenüber zu verantworten haben. Die Hauptbelastungszeugin ist die Mutter des Mädchens. Eine Nachbarin habe die Frau dazu gebracht, diese unwahren Dinge zu behaupten, sagt der Mann auf die Frage des Richters, nach dem Grund für die Anschuldigungen. 

Das klingt etwas seltsam, denn zuvor hatte der Mann die langjährige Beziehung als konfliktfrei beschrieben, auch wenn es „Meinungsverschiedenheiten“ gab. Die Kinder habe er „niemals geschlagen oder bedroht“, „vielleicht war ich hin und wieder ein bisschen laut, wie jeder normale Vater auch.“

Déjà-vu bei den Anschuldigungen

Weder er noch seine ehemalige Freundin haben eine besonders gute Ausgangsbasis, wenn es um Glaubwürdigkeit geht. Der Mann ist acht Mal vorbestraft (größtenteils wegen Vermögensdelikten) und die Frau hat eine Vorstrafe. Interessant wird es beim Grund ihrer fehlenden Unbescholtenheit: Sie wurde vor einigen Jahren, wegen falscher Beweisaussage gegen denselben Mann verurteilt, der heute angeklagt ist. 

Damals hatte sie ihm Ähnliches vorgeworfen, nämlich, dass er ihren Sohn misshandelt habe. Auch damals habe eine Freundin die Frau dazu gebracht, ihn zu beschuldigen, sagt der Angeklagte. Und er bringt zu seiner Verteidigung ein: Bei allen anderen Verurteilungen sei er immer geständig gewesen. Warum sollte er dann jetzt nicht zu seinen Taten stehen, wenn es so gewesen wäre? Das erscheint auch dem Richter plausibel, zumindest nickt er dazu.

Verteidigerin legt Chats vor

Die Frau räumt im Laufe ihrer Befragung ein, dass sie zwar mehrmals blaue Flecken bei der Tochter gesehen habe, aber nicht sicher sei, ob diese wirklich vom Vater stammen oder ob das Mädchen hingefallen sei. Generell bleibe sie aber bei ihren Aussagen was die Schläge und Drohungen betrifft.

Verteidigerin Nabila Ehrhardt zweifelt an der Glaubwürdigkeit der Frau. Diese hatte angeblich behauptet, es gäbe aus Angst keinen Kontakt zwischen ihr, der Tochter und dem Angeklagten. Ehrhardt legt dem Gericht allerdings Chatnachrichten zwischen der Frau und dem Angeklagten vor, die zeigen sollen, dass das nicht stimmt. In den Chats geht es um die Suche nach einem Auto und einer Wohnung, und um das Ausmachen von Treffpunkten für die „Übergabe“ der Tochter, die ein gutes Verhältnis suggerieren. Es soll auch Besuche der Frau mit der Tochter beim Vater gegeben haben.

„Ich habe sie niemals geschlagen!“, versichert der Mann erneut. Sagt dann aber: „Ich habe ihr nur ein paar Mal einen ganz leichten Klaps auf den Hinterkopf gegeben.“ Er bittet darum (wohl schon etwas verzweifelt), das am Staatsanwalt oder seiner Verteidigerin vorzeigen zu dürfen. Die beiden und der Richter schauen ihn etwas verdutzt an und lehnen ab. Er solle sich doch bitte einfach ein Kind vorstellen und an der Luft vorzeigen, was er meint. Das tut er dann auch mit einer etwas unbeholfenen Handbewegung. Generell sei seine Tochter ein ängstliches Kind, das habe aber nichts mit ihm zu tun, sagt er.

Sohn bestätigt laute Streits

Einer der Zeugen ist der 17-jährige Bruder des kleinen Mädchens. Dass seine Schwester vom Vater geschlagen wurde, habe er nicht gesehen. Er habe aber lautes Streiten aus seinem Zimmer mitbekommen und einige Male gesehen, wie der Vater das weinende und schreiende Mädchen in ihr Zimmer zerrte, weil diese nicht freiwillig gehen wollte. Drohungen habe er keine gehört, der Vater habe aber durchaus öfter „Halt die Klappe, sei leise!“ zur Schwester gesagt und mit ihr geschrien – mindestens einmal pro Woche.

Auch er bestätigt, dass sie generell ein ängstliches Kind sei. Den Vater beschreibt er als streng und explosiv. Bei einem Anklagepunkt geht es um einen Vorfall im Sommer, bei dem der Vater die kleine Tochter weggeschubst haben soll, woraufhin sie gegen ein Auto prallte und hinfiel. Das sagt allerdings nur die Mutter, der Bruder des Mädchens war zwar dabei hat aber in dem Moment nicht hingeschaut. Der Vater habe das Mädchen allerdings nicht getröstet, sondern so getan, als sei nichts passiert, sagt der Sohn. 

Wichtige Zeugin fehlt noch

Der Angeklagte protestiert, er habe sie nicht geschubst, sie sei über den am Boden liegenden Hund gestolpert. Was wirklich passiert ist, ist unklar. Licht ins Dunkle, soll die Nachbarin bringen, die ebenfalls bei dem Vorfall dabei war und in die generellen Anschuldigungen involviert ist. Sie kann aber krankheitsbedingt nicht beim Prozess erscheinen. Deshalb vertagt der Richter die Verhandlung auf Anfang Jänner.