Ybbser Musikschul-Direktor wirft das Handtuch. Verstimmungen um Wahlwerbung für SP-Stadtchef Alois Schroll sorgen für Rückzug von Musikschuk-Direktor Bernhard Thain.

Von Markus Glück. Erstellt am 22. Januar 2020 (09:37)
Musikschul-Direktor Bernhard Thain warf das Handtuch.
privat

Die Einsetzung als Protagonist für den Wahlkampf der SPÖ und Bürgermeister Alois Schroll (siehe Bild unten) brachte am Montag bei Musikschul-Leiter Bernhard Thain das Fass zum Überlaufen. Die Veröffentlichung der Unterstützung für SP-Spitzenkandidat Schroll passierte nämlich laut Thain ohne dessen Einverständnis.

Faksimile/SPÖ

„Damit bin ich beim Kollegium der Musikschule Donauklang aber auch einigen Musikschülern und Lehrern ordentlich in Bedrängnis gekommen“, betont Thain, immer darauf bedacht darauf gewesen zu sein, die Politik aus der Musikschule draußen zu halten.

"Als Protagonist missbraucht"

In einem Schreiben, dass der NÖN vorliegt, wirft Thain Schroll vor „ihn als Protagonist missbraucht“ und die „Situation schamlos ausgenutzt“ zu haben. Der künftige Ex-Musikschul-Leiter kritisiert aber auch mangelnde Kommunikation seitens des SP-Stadtchefs Schroll. So sollen Terminanfrage unbeantwortet und wichtige Entscheidungen ausgeblieben sein. „Das hat mich in gehörige Schieflage gebracht“, betont Thain.

In besagtem Schreiben kündigt der Pöchlarner neben dem Rückzug als Musikschulleiter der Musikschule Donauklang auch seinen Rückzug als Kapellmeister und Leiter des Musikvereins der Wiener Gemeindebediensteten in Ybbs, der TZ Big Band und der Ybbser Schiffmannspfeifer an.

Schroll bedauert Rücktritt

Konfrontiert mit den Vorwürfen bedauert SP-Bürgermeister Alois Schroll die Entscheidung von Thain: „Es wird aber niemand glauben, dass ein Musikschul-Direktor zurücktritt, nur weil er keinen Termin bei mir bekommt. Wir hatten in den letzten Monaten wöchentliche Treffen.“

SP-Stadtchef Alois Schroll bedauert den Rückzug von Thain.
Jäger

Zuletzt gab es laut Schroll von Thain am 2. Jänner eine E-Mail samt Terminanfrage. Ein vorgeschlagener Termin seitens der Gemeinde passte dann allerdings für Thain nicht, ein neuer Termin kam aufgrund der Vorbereitungen für die Gemeinderatswahlen nicht zustande.

Musikschul-Infrastruktur bereits "auf der Agenda"

Angesprochen auf die Wahlwerbung von Thain für Schroll betont der Stadtchef, dass SP-Parteichef Dominic Schlatter eine 1,5-Seiten lange E-Mail von Thain bekommen hat, wo es auch um die schlechte Infrastruktur der Musikschule ging.

„Natürlich konnten wir nicht alles veröffentlichen, dazu fehlte der Platz. Daher haben wir nur einen Teil daraus genommen. Das Thema Infrastruktur der Musikschule ist uns bewusst und ist auch bereits auf meiner Agenda“, sagt Schroll.

ÖVP kritisiert Vorgangsweise der SPÖ

Bei der Gemeinderatwahl 2015 stand Thain noch als Protagonist für die ÖVP zur Verfügung.

VP-Stadtrat Ewald Becksteiner verteidigt Thain.
NOEN

Daher vermutet die SPÖ jetzt, dass die ÖVP dieses Mal Druck auf Thain ausgeübt hat. „Vollkommener Schwachsinn. Jeder, der Bernhard kennt, weiß, dass man ihm nichts einreden kann. Er ist ein gestandener Mann und weiß, was er tut. Es weiß aber jeder, dass es unter diesem Bürgermeister schwer ist, zu arbeiten ist“, meint VP-Stadtrat Ewald Becksteiner.

Zudem finde er, Becksteiner, es nicht in Ordnung, den Musikschul-Direktor ohne dessen Zustimmung für Wahlwerbung zu missbrauchen: „Es ist auch nicht in Ordnung, dass jetzt Gerüchte gestreut werden, Thain hätte den Arbeitsaufwand nicht geschafft. Er ist ein Vollblutmusiker und war nicht überfordert.“