Garbriele Kalmar: „Lachen ist immer gut“. Garbriele Kalmar spricht mit der NÖN über die aktuelle Corona-Krise, wie Menschen mit ihren Ängsten umgehen und „Kontakt-Alternativen“ mit Freunden und Familie.

Von Markus Glück. Erstellt am 01. April 2020 (04:34)
Gabriele Kalmar hilft in der Krisensituation kostenlos.
privat

In Kooperation mit der Gemeinde Pöggstall bietet Psychotherapeutin in Ausbildung unter Supervision Gabriele Kalmar Unterstützung für diejenigen, die in der aktuellen Situation Hilfe benötigen.

NÖN: Wie schwierig ist die Situation für die menschliche Psyche?

Gabriele Kalmar: Die Corona-Situation ist etwas noch nie Dagewesenes – eine neue, für manche Menschen existenziell bedrohliche Situation. Kaum wurden die ersten Fälle in Österreich bekannt, folgten rasch gravierende Änderungen und persönliche Einschränkungen. Das sind wir nicht gewöhnt und gefährdet unsere Sicherheit. Diese gibt hier die Familie, eine Arbeitsstelle mit geregelten Arbeitszeiten und ein sicheres Einkommen. Wie geht es aber einem jungen Ehepaar mit zwei Kindern, wenn beide ihre Arbeit verlieren? Oder einem Ehepaar, welches bereits vor der Krise Schwierigkeiten hatte?

Was raten Sie Menschen, die sich derzeit zu Hause unwohl fühlen?

Kalmar: Angst darf sein! Sich auszutauschen kann hilfreich sein – rufen Sie Menschen an, die Ihnen gut tun und teilen Sie sich mit. Es ist wichtig, zu reden und es ist genauso wichtig, gehört zu werden. Wenn die Angst unerträglich wird, suchen Sie sich Hilfe! Teilen Sie sich mit!

„Eine Krisensituation ist deswegen so schwierig, weil sie plötzlich da ist. Dieses Geschehen lässt sich schlecht einschätzen.“Gabriele Kalmar

Sie haben Erfahrungen in der Krisenberatung. Wie unterscheidet sich die Coronakrise von anderen Krisen?

Kalmar: Eine Krisensituation ist deswegen so schwierig, weil sie plötzlich da ist. Dieses Geschehen lässt sich schlecht einschätzen. Wir wissen weder wohin es geht, noch wie es enden wird. Wir befinden uns auf unsicherem Terrain - das kann Angst machen.

Viele Menschen leiden darunter, dass sie keinen Kontakt zu Enkelkindern aber auch Freunden. Welche Tipps geben Sie diesen Personen als Alternativen?

Kalmar: Die jüngere Generation ist hier im Vorteil, gerade für Jugendliche, die sich von ihren Eltern „abnabeln“ sind aber soziale Kontakte außerhalb der Familie wichtig. Für die Älteren von uns empfehle ich, das gute alte Telefon. Wenn es Möglichkeit dazu gibt, nutzen Sie Videotelefonie, das kann durchaus großen Spaß machen. Ich selbst probierte es vor kurzem mit meiner 77-jährigen Mutter das erste Mal aus. Wir haben herzhaft gelacht – und Lachen ist immer gut!