Erstellt am 22. Juli 2014, 06:48

von Franz Gleiß

Krumpe wird verkauft. Verfahren läuft / Die NÖVOG verkauft Bahnstrecke samt Nebenflächen zwischen Obergrafendorf und Ruprechtshofen. Ab dem Winter werden auf Kosten der NÖVOG die Gleise entfernt.

Die Bahnstrecke zwischen Obergrafendorf und Ruprechtshofen wird nun endgültig verkauft. Einen Großteil des Bahndammes und der Nebenflächen kaufen die Gemeinden.  |  NOEN, Presse&Foto FRANZ GLEISS

REGION MANK / Die Niederösterreichische Verkehrsorganisationsgesellschaft NÖVOG hat mit dem Verkauf der Krumpe begonnen. Die Zukunft des Bahndammes unterscheidet sich jedoch gewaltig und reicht von Ortsentwicklung über Radweg bis hin zu Hochwasserschutz.

In Ruprechtshofen wird die Strecke zwischen Bahnhof und Melkbrücke durch die NÖVOG geschliffen

Vor allem durch das Schleifen der Melkbrücke wird hier eine Engstelle der Melk entfernt. Die Widerlager der Brücke ragen nämlich in den Fluss hinein.

Laut Vertrag hat die NÖVOG dazu bis Ende Dezember 2016 Zeit

„Die Brücke soll jedoch schon früher wegkommen“, sagt Bürgermeister und Obmann des Melk-Wasserverbandes Leopold Gruber-Doberer. Einen Ersatz für die Brücke wird es nicht geben. Mit einer Breite von 45 Metern ist ein Fußgängersteig laut Gruber-Doberer technisch und vor allem finanziell nicht machbar.

In der Nachbargemeinde St. Leonhard dient die Bahntrasse als wichtige Entwicklungszone für den Ort St. Leonhard. Vom Westen her soll der Ort auf der Trasse eine neue Einfahrt zum Lagerhaus erhalten. Im Ort selbst fallen wesentliche Einschränkungen weg: Bisher mussten Anrainer nämlich bei sämtlichen Bauvorhaben einen Abstand von zwölf Metern zu den Gleisen einhalten.

Vom Bauhof bis zur Spiegelbauer-Höhe in Schweining wird die Gemeinde die Krumpe erwerben. Der Rest der Strecke wird an Private verkauft. Diese können noch bis 30. August auf den jeweiligen Gemeinden ihr Kaufinteresse bekannt geben. „Bei uns gibt es fast überall Interessierte“, weiß Bürgermeister Hans-Jürgen Resel.

Am Gemeindegebiet von Mank haben sich bereits für alle freien Streckenabschnitte zwischen dem Stadtgebiet und den jeweiligen Gemeindegrenzen Interessenten gefunden. Konkrete Pläne gibt es für den Bereich im Stadtgebiet noch nicht. „Wir halten uns die Fläche für die Ortsentwicklung frei“, sagt Bürgermeister Martin Leonhardsberger. Interesse bekundet die Stadt auch an den Nebenflächen der Krumpe — dazu gehört auch der Bahnhofsplatz.

In Kilb soll die Trasse durch das Ortsgebiet als Infrastrukturband erhalten bleiben

„Ein durchgehendes Grundstück durch die Gemeinde ist kein Schaden“, ist Bürgermeister Manfred Roitner überzeugt. Insgesamt 60.000 m Nebenflächen stößt die NÖVOG in der Gemeinde Kilb ab. Offen ist hier noch die Zukunft des Bahnhofes. „Die Gemeinde hat kein Interesse daran“, so Roitner.

Bereits vor einem Jahr hat sich die Gemeinde Bischofstetten für den Kauf der Krumpe entschieden. „Zusätzlich wollen wir Begleitflächen erwerben“, sagt Bürgermeister Reinhard Hager. Der Weg ist dann frei für einen Radweg zwischen St. Pölten und Ruprechtshofen. Geführt wird dieser teilweise auf Begleitflächen und Güterwegen.

Dampflok fährt noch bis Rammersdorf

Erhalten bleiben die Schienen nur zwischen Obergrafendorf und der Eisenbahnkreuzung in Rammersdorf. Der Verein Mh6 wird die Strecke für Ausfahrten mit der Dampflok nutzen.

In allen Kaufverträgen verankert die NÖVOG ein Rückkaufsrecht. 30 Jahre lang soll dadurch eine Wiederaufnahme des Bahnbetriebes möglich sein. Bürgermeister Hans-Jürgen Resel sieht diese Klausel gelassen: „Ich weiß, wie Politik funktioniert. Das ist unrealistisch — Wir können uns eher wegbeamen.“