Mitarbeiter: „Keine vollwertige Versorgung“. Mitarbeiter beklagen Verschlechterungen bei unfallchirurgischer Versorgung. Holding verweist auf Neuorganisation.

Von Markus Glück. Erstellt am 09. Oktober 2019 (03:45)
Glück
Mitarbeiter im Klinikum beklagen die fehlende unfallchirurgische Versorgung in Melk.

Es war Anfang September, als die Landeskliniken-Holding und VP-Stadtchef Patrick Strobl verkündeten, dass die Basisversorgung bei der Unfallchirurgie weiterhin gesichert sei. „Uns wurde eine Basisversorgung zugesagt, mit der es auch künftig eine Versorgung bei offenen Verletzungen und Brüchen in Melk geben wird“, so Strobl gegenüber der NÖN.

Die Stellungnahme wurde notwendig, da durch die Pensionierung des Leiters der chirurgischen Abteilung, Heinz Werner, der Wegfall der Unfallchirurgie ab September drohte. Als die ersten Gerüchte die Runde machten, suchte Strobl den Kontakt zur Holding – und fand eine Lösung.

In den letzten Wochen meldeten sich vermehrt Mitarbeiter aus dem Landesklinikum Melk, die seit September aber eine deutliche Versorgungsverschlechterung für Patienten bemerken. So soll es zwei Tage nach der Nationalratswahl Gespräche gegeben haben, laut denen es künftig keinen Unfallchirurgen in Melk geben wird.

Im Bedarfsfall kann aber ein Mediziner aus einer anderen Kliniken-Einrichtung hinzugezogen werden. „Wir können keine unfallchirurgischen Operationen durchführen. Nach einer Erstversorgung kommt der Patient direkt nach St. Pölten oder Amstetten“, ärgert sich ein Spitals-Mitarbeiter.

Neuorganisation der Basisversorgung

Für Regionalmanager Andreas Krauter von der Kliniken-Holding ist Verunsicherung fehl am Platz. Aufgrund der Veränderungen der fachärztlichen Ausbildung bedarf es nämlich einer Neuorganisation der unfallchirurgischen Basisversorgung am LKH Melk.

Gleiß
SP-Stadtrat Jürgen Eder sorgt sich um die medizinische Versorgung in der Stadt.

„Dementsprechend wird es ein Basisversorgungsangebot untertags auch weiterhin geben“, betont Krauter. Seit geraumer Zeit werden allerdings laut dem Regionalmanager operative Versorgungen von Verletzungen bis auf wenige Ausnahmen an Kliniken mit unfallchirurgischen Fachabteilungen durchgeführt. Ebenso sind aktuell nur mehr zwei berechtigte Fachärzte mit unfallchirurgischem Zusatzfach in Melk.

Konfrontiert mit den Aussagen einiger Mitarbeiter, verweist Strobl auf ein letztwöchiges Gespräch mit der Holding: „Ab Mitte Oktober wird alles so kommen, wie es vereinbart wurde. Die Basisversorgung bleibt erhalten.“ Als problematisch bewertet die aktuelle Situation Grünen-Stadtrat Emmerich Weiderbauer und er betont, dass es im November, auch wegen der weiterhin leer stehenden Bettenstation 3, Gespräche mit der Holding geben werde.

„Es gibt kein Konzept und es wirkt so, als wäre die Holding mit der Situation überfordert.“ Noch einen Schritt weiter geht SP-Stadtrat Jürgen Eder: „Alles, was im September passiert ist, war Taktiererei aufgrund von Wahlen. Die Ist-Situation zeigt klar, dass es derzeit keine vollwertige unfallchirurgische Versorgung für die Bevölkerung gibt.“