Melker Pioniere: „Es fehlt uns an allem Gepanzerten“

Erstellt am 15. Juni 2022 | 05:20
Lesezeit: 3 Min
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Bundespräsident Alexander Van der Bellen besuchte vergangene Woche gemeinsam mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner die Melker Pioniere.
Foto: Markus Glück
Desaströser Zustand der Pioniere Thema bei Besuch von Bundespräsident Van der Bellen. Besserung bis 2027 in Sicht.
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Groß war das Aufgebot, als vergangenen Donnerstag Bundespräsident Alexander Van der Bellen der Birago-Kaserne einen Besuch abstattete. Neben dem Kommandanten der Melker Pioniere, Michael Fuchs, machten dem Präsidenten auch Verteidigungsministerin Klaudia Tanner, Stifts-Abt Georg Wilfinger, Bezirkshauptmann Norbert Haselsteiner und der Zweite Landtagspräsident Karl Moser die Aufwartung.

Bei der Vorstellung der Melker Pioniere nutzte Fuchs dann die sprichwörtliche Gunst der Stunde. Zuerst sprach der Oberst abermals seinen Herzenswunsch einer Zusammenlegung der bis dato in Mautern und Melk aufgeteilten Pioniertruppen nach Melk an. „Mittelfristig sollen alle in Melk sein“, sprach Fuchs Ministerin Tanner und Van der Bellen ins Gewissen, um danach die weitere Vorgehensweise zu erörtern. So sei der erste Schritt eines Raum- und Funktionsplanes für die Erschaffung eines Zusatzgebäudes für den Mauterner Teil der Truppe bereits getan. 2023 soll die Planungsphase starten, 2024 „hoffentlich“, so Fuchs, der Baubeginn eines neuen Multifunktionsgebäudes sein.

In seiner Präsentation der Melker Pioniere nahm Fuchs auch Bezug auf den teils desaströsen Zustand der Gerätschaften. „Es fehlt uns an allem Gepanzerten. Wir könnten aktuell an der Front nicht unterstützen. Wir haben ein über- und veraltetes Gerät. Wenn wir mit sechs Panzern ausfahren, kommen wir nur mehr mit zwei retour“, kritisierte Fuchs.

Bereits 2019 bewertete das Ministerium im Bericht „Unser Heer 2030“ den Zustand der Pioniere als „militärisches Risiko“. Im Vorjahr stellte ein Rechnungshofbericht den Pionieren kein gutes Zeugnis aus.

Mittels zwei roter, trauriger Smileys hob Fuchs vor allem zwei große Problembereiche hervor: die Hemmung der feindlichen Bewegung sowie das Sicherstellen der eigenen Bewegung. Zufrieden ist der Kommandant dafür mit der aktuellen Ausstattungsentwicklung bei den Soldaten sowie bei der Katastrophenhilfe.

Kritik gab es auch an den immer steigenden Aufgaben des Bundesheers, etwa im Einsatz bei der Pandemiebekämpfung. Die hohe Einsatzbelastung habe aber Auswirkungen auf die Kampffähigkeit sowie der Weiterentwicklung der Waffengattungen. „Die Auslastungen des Kaders sind enorm“, meinte Fuchs, der sich für die Zukunft einen Wiederaufbau der Pionierkampfunterstützung wünscht.

Zumindest ist Besserung in Sicht: Ministerin Tanner will bis 2027 1,5 Prozent des BIP in das Bundesheer investieren. Immerhin: Für Melk wurde bereits ein Pionierpanzer bestellt. „Es wurde nicht nur in Österreich über Jahre verabsäumt, in die Verteidigung zu investieren“, sagte Tanner. Und Bundespräsident Van der Bellen fand ebenso klare Worte: „Es rächt sich jetzt, was wir versäumt haben. Die aktuellen Lieferzeiten und die Preise sind ein zusätzliches Problem.“

Eine positive Entwicklung gibt es indes beim Personal: Mit 262 Soldaten ist ein Beschäftigungsgrad von 85 Prozent erreicht. Das Ziel sind 309 Stellen.

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