Causa Jungbunzlauer: „Kritik stieß auf taube Ohren“. Sachverständiger Bruno Sternad über sein Engagement in der Causa Jungbunzlauer und welche Maßnahmen er befürwortet.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 02. April 2021 (05:33)
So soll die Zitronensäurefabrik der Firma Jungbunzlauer im Bezirk Melk (Zelking-Matzleinsdorf, Leiben) aussehen.
NOEN, privat

NÖN: Herr Sternad, Sie sind Universitätsprofessor in Linz. Warum schlagen Sie sich daneben denn auch noch mit Umweltverträglichkeitsprüfungen herum?

Bruno Sternad agiert in der Causa Jungbunzlauer als Sachverständiger.
privat, privat

Bruno Sternad: Ich wurde vom Melker Bürgermeister Patrick Strobl gebeten, meine Erfahrungen in dieser Causa einzubringen. Als Linzer weiß ich, dass es sehr schwierig ist, ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Ökologie und Technik herzustellen und war immer schon bemüht, mit Logik und Verantwortung auch zu Konfliktlösungen beizutragen. Als ich den Sachverhalt der geplanten Industriegründung erfuhr, erkannte ich sofort den Zwiespalt zwischen ökologischem Bedarf der notwendigen Schaffung von weiterem volkswirtschaftlichen Potenzial, der nur durch einen nachhaltig vertretbaren Kompromiss zu bereinigen ist. Weiters störte mich der Aufbau und die Durchführung der mündlichen Verhandlungstage, die mich an eher düstere frühere Zeiten am Beginn des ökologischen Denkens erinnerten.

„Es bedarf gering- fügiger technischer Korrekturen, die man im Bescheid erwarten hätte können.“ Bruno Sternad, Sachverständiger

Sie sind von der Stadtgemeinde Melk als Sachverständiger in dieser Causa beauftragt und verfassten eine Stellungnahme zum positiven Baubescheid für die geplante Zitronensäurefabrik, die in Form einer Beschwerde eingereicht wurde. In aller Kürze: Was stört Sie an den Plänen?

Ich begrüße es, dass es eine potente Firma gibt, die ein neues Werk in Niederösterreich errichten möchte. Leider zeigte sich aber bei der Durchführung des UVP-Verfahrens, wie wenig man aus einer partnerschaftlichen demokratischen Vorgangsweise aus der Vergangenheit gelernt hat. Die Kritik, die Fabrik in unmittelbare Nähe des Donauufers zu situieren, stieß in der Argumentation auf taube Ohren der Behörde. Wie leicht wäre es möglich gewesen, in einer Variante im Sinne des Gesetzes die Standortfrage verträglicher zu gestalten, etwa durch Einhausung der Abwasserreinigungsanlage das Geruchsproblem zu entschärfen? Alternative Vorschläge während der Verhandlung wurden zurückgewiesen. Wurde hier nicht gegen § 1 UVP Gesetz verstoßen und wurde behördlicherseits nicht unrichtig behauptet, dass die Unterlagen vollständig und beurteilbar seien und Mangelhaftigkeit auszuschließen wäre?

In Melk befürchtet man fatale Konsequenzen der Geruchsbelästigung auf den Tourismus durch das Werk. Woran machen Sie als Sachverständiger der Stadt Melk diese Befürchtung fest?

Über 1.300 Touristenschiffe und rund 200.000 Radfahrer pro Jahr müssen durch die zu erwartende Geruchsfahne durchfahren, das wurde nicht gewichtet. Recherchen von Bürgermeister Strobl über die Geruchswahrnehmungen von Anrainern eines ebenfalls Zitronensäure produzierenden Betriebes im Weinviertel – mit einem vernichtenden Ergebnis! – sowie Berichte über Geruchsbelästigungen gleichartiger Betriebe wurden nicht zum Anlass genommen, Maßnahmen festzulegen.

Glauben Sie daran, dass die Pläne noch geändert werden?

Vergleicht man die Expertisen der amtlichen und nichtamtlichen Sachverständigen, inkludiert die Argumente der engagierten betroffenen Bürger, so erkennt man in der Ausführung des positiven Bescheides, dass zahlreiche schlagende Beweisvorgaben nicht berücksichtigt wurden. Bis auf wenige Kritikpunkte meiner im Einspruch genannten Einwendungen – die aus meiner Sicht leicht behoben werden könnten –ist das Projekt zukunftsweisend. Es bedarf geringfügiger technischer Korrekturen, die man im Bescheid erwarten hätte können. Hier fehlt die Anwendung der anerkannten Regeln von Wissenschaft und Technik. Es ist nur zu hoffen, dass die Berufungsinstanz nicht nur formal, sondern auch inhaltlich die logischen Ableitungen des Berufungsbegehrens aufnimmt und im Sinne einer nachhaltigen zeitgerechten Zielsetzung behandelt.