Hinsehen statt wegschauen: Gegen Gewalt an Frauen. Eine Psychologin, eine Ärztin und eine Anwältin sprechen im Zuge der UN-Woman-Kampagne „Orange the world“ über ihre Erfahrungen im Berufsalltag.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 03. Dezember 2019 (05:11)
Die Soroptimistinnen machen sich gegen Frauengewalt stark – und zwar in Orange. Auch das Ardex-Gebäude wurde orange beleuchtet. Hilfe bei Gewalt gegen Frauen: 0800/222555.
Schweiger

Auch im Sommer trägt Annemarie, ein siebenjähriges Mädchen aus dem Bezirk, lange Ärmeln. Am Turnunterricht darf sie nicht teilnehmen – angeblich habe sie eine Hautkrankheit. Annemarie hat früher viel gelacht, war ein aufgewecktes Kind. Doch jetzt bevorzugt sie es, still zu sein.

Bei einer Schuluntersuchung stellt sich heraus, dass die Hautkrankheit bloß erfunden war. Unter der Kleidung entdeckt die Schulärztin nämlich keinen Ausschlag – sondern blaue Flecken.

„Gewalt hat viele Gesichter. Und sie findet täglich statt, auch bei uns in der Region“, berichtet Psychologin Eveline Tanzer. Im Rahmen der Kampagne „Orange the world – Stoppt Gewalt an Frauen“ lud die Neo-Obfrau der Soroptimistinnen, Herta Mikesch, drei ihrer Club-Mitglieder ein, um aus ihrem beruflichen Alltag rund um das Thema Gewalt an Frauen zu erzählen.

Neben der Psychologin Tanzer berichteten auch Ingrid Lebersorger, praktische Ärztin aus St. Leonhard, sowie Rechtsanwältin Ulrike Koller. „Wir müssen die Opfer ernst nehmen und viel mehr Bewusstsein dafür entwickeln. Es muss mehr Infos zu Hilfestellungen geben, in den Schulen muss man bereits genauer hinsehen“, fordert Tanzer. Nachholbedarf ortet Koller auch punkto Rechtssprechung. „Was sind 7.000 Euro Schmerzensgeld im Vergleich zu einem jahrelangen Martyrium?“, fragt sie.

Am schlimmsten sei es für sie, wenn sie wisse, dass ihrer Mandantin etwas passiert ist – aber es keine ausreichenden Beweise dafür gibt. „Dann steht es Aussage gegen Aussage. Ein Freispruch ist für den Täter ein Freibrief“, berichtet die Rechtsanwältin. Für sie gilt: „Je weniger Menschen Täter werden, umso weniger Opfer gibt es!“

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