Hofer-Rückzug ist „ein Schlag in die Magengrube“. Diskonter schließt Ende März 2020 seine Zentrale in Loosdorf. 280 Mitarbeiter von Entscheidung betroffen.

Von Tanja Horaczek-Gasnarek und Markus Glück. Erstellt am 15. Oktober 2019 (06:19)
Unger
Bis Ende März 2020 rollen noch die Hofer-Lkw in Loosdorf. Danach ist im Zentrallager endgültig Schluss.

Groß wurde im September das 15-Jahr-Jubiläum des Hofer-Zentrallagers in Loosdorf gefeiert. Ein Monat später bestätigt Hofer auf NÖN-Anfrage die Schließung des Lagers mit Ende März 2020. Betroffen sind 280 Mitarbeiter, großteils teilzeitarbeitende Frauen. Den Mitarbeitern steht nun frei, ob sie in die Zweigniederlassungen Stockerau, Trumau oder Sattledt wechseln oder sich eine neue Arbeit suchen.

Hofer will die Logistik künftig optimaler aufstellen. Die an die Zweigniederlassung angeschlossenen rund 70 Filialen werden auf die umliegenden Zweigniederlassungen aufgeteilt. Laut einer Hofer-Sprecherin sind diese größer und bereits so aufgestellt, dass diese die zusätzlichen Filialen übernehmen können. Die Mitarbeiter wurden am Freitag pro Abteilung informiert. Ein Sozialplan wird derzeit ausgearbeitet. Bereits in dieser Woche soll es mit den betroffenen Mitarbeitern Einzelgespräche geben, in denen die Möglichkeit eines Wechsels in eine andere Hofer-Zentrale erörtert wird.

Rückzug ist für die Gemeinde ein Schock

Unmut herrschte bei den Mitarbeitern am Freitag auch darüber, dass die Informationspolitik des Hofer-Konzerns sehr schleppend verlaufen sei. Dass die Informationen über die Schließung vorab bereits an die NÖN durchsickerten, ärgerte wiederum die Konzernleitung. Laut NÖN-Informationen begann bereits am Freitag die Suche nach einem „Maulwurf“, da die Informationen nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter im Vorfeld hatte. So meldeten sich einige Mitarbeiter in der NÖN-Redaktion und beklagten, dass sie ihre Kontakte herzeigen mussten.

Ein Schock ist der Rückzug auch für die Gemeinde Loosdorf. Erst 2004 wurde die Zentrale als jüngste von sieben Hofer-Niederlassungen eröffnet. Noch Ende Oktober 2017 erweiterte der Diskonter die Lagerfläche. So erfolgte eine Vergrößerung der Palettenstellplätze von 10.000 auf bis zu 21.000 Waren. Auch das Kühl- und Tiefkühllager wurde deutlich erweitert. Die Fertigstellung erfolgte im ersten Halbjahr 2019.

Für SP-Bürgermeister Thomas Vasku ist die Entscheidung des Konzerns ein Schlag in die Magengrube: „Hofer kaufte erst Gründe dazu. Und jetzt dieser Schritt? Für uns ist das eine mittelschwere Katastrophe. Es ist, als ob man ein Messer in den Rücken gerammt bekommt“, zürnt der Ortschef. Vasku wurde im Zuge der NÖN-Recherchen über einen möglichen Rückzug informiert. Sein umgehendes Bemühen, eine Antwort von der Hofer-Konzernzentrale zu bekommen, blieb tagelang erfolglos. Vasku selbst erhielt erst am Freitagnachmittag einen Anruf von Hofer.

Noch am Samstag kam Zentrallager-Leiter Markus Freytag ins Gemeindeamt, um den Gemeinderat und Vasku über die Situation zu informieren. Dabei sprach er davon, dass laut Konzern eingespart werden musste.

Betriebsrat befindet sich in Verhandlungen

Er informierte auch darüber, dass sich die Wege von Loosdorf nicht mehr rentieren und diese bei anderen Niederlassungen kürzer seien. Freytag versprach laut einigen Gemeinderäten auch Unterstützung für die Hofer-Mitarbeiter, die in eine andere Filiale oder an einen anderen Standort wechseln wollen. Ein paar Mitarbeiter können auch in die neue Filiale in Mank. Vasku selbst verspricht, seine Kontakte zu Arbeiterkammer und AMS zu nutzen und den Mitarbeitern so gut es geht zur Seite zu stehen.

Betriebsrat Markus Lamprecht betont: „Wir sind in aktiven und konstruktiven Verhandlungen mit der Unternehmensleitung, um einen Sozialplan für die Mitarbeiter auszuarbeiten. Mehr kann ich derzeit nicht sagen.“

Wie es mit den leer stehenden Gebäuden, die sich in Besitz von Hofer befinden, nach März weitergeht, ist noch offen. Bis Ende 2020 soll es laut Freytag aber einen anderen Betreiber geben.