Interview mit Anton Reithner: "Immer Freude verprühen". Ardex-Geschäftsführer Anton Reithner blickt zum Start in die Pension auf sein Berufsleben zurück.

Von Markus Glück. Erstellt am 07. September 2017 (05:00)
Eine unvergessliche Laudatio hielt Finanzminister Hansjörg Schelling (rechts) bei der feierlichen Verabschiedung von Anton Reithner. Schelling übergab ihm auch das Goldene Ehrenzeichen der Republik.
Streimelweger

Nach 28 Jahren bei der Firma Ardex beendet Geschäftsführer Anton Reithner sein Berufsleben. Der NÖN gab er vor der Verabschiedung und Übergabe an seinen Nachfolger Gunter Sames ein Interview.

NÖN: Sie sind seit 1990 bei Ardex und seit 1991 Geschäftsführer der Firma Ardex Österreich. Wie hat sich das Geschäft, die Branche und das Wirtschaftsleben in Österreich seit damals verändert?

Anton Reithner: Als ich 1990 kam, waren wir 18 Mitarbeiter, das Unternehmen war klein, in Pyhra ansässig. Wir waren einer von vielen Marktteilnehmern, es gab einen großen Marktführer und wir haben begonnen, gut in den Markt hineinzuhören. Die Meinungen unserer Kunden waren uns sehr wichtig und danach haben wir unser Denken, Tun und Handeln ausgerichtet und Gott sei Dank bereits 1991 die Entscheidung getroffen, das Werk in Loosdorf neu zu errichten. Die Zeit ist heute einfach schnelllebiger geworden. Kunden erwarten prompt Antwort. Das macht natürlich auch das Leben hektischer, aber all diese modernen Kommunikationsmittel haben auch ihre Vorteile.

Welche Eindrücke haben Sie von Ihrem Nachfolger? Verstehen Sie die Sorge der Mitarbeiter vor Veränderung?

Reithner: Mein Nachfolger Gunter Sames war mein Wunschkandidat. Wir haben über unseren Headhunter mehr als 50 Personen gescreent und ich habe meinen Mitarbeitern schon während diesem Prozess gesagt, macht euch keine Sorgen, ich bin überzeugt, dass alles gut und ordentlich weitergehen wird.

Ardex schaffte unter Ihrer Führung eine enorme Entwicklung. Was sind Ihrer Ansicht nach die Erfolgsgeheimnisse dieser Entwicklung?

Reithner: Rückwirkend ist es relativ schnell auf den Punkt gebracht. Wenn man bei all seinen Handlungen immer wieder überlegt, wo ist der Benefit für den Kunden, so kann man doch relativ sicher davon ausgehen, dass die Handlungen nicht nur kundenorientiert passieren, sondern unseren Kunden persönlich auch Hilfestellung sind. Daneben haben wir immer großen Wert auf die Mitarbeiterentwicklung gelegt, diese ist ein „Erfolgsmilestone“ in unserer Unternehmensgeschichte.

Der Mitarbeiter steht bei Ardex immer im Mittelpunkt. Dies belegen auch mehrere Auszeichnungen in den letzten Jahren. Wie wichtig ist Ihnen der einzelne Mitarbeiter und gibt es ab einer gewissen Management-Ebene überhaupt noch die Chance auf Austausch mit den Mitarbeitern?

Reithner: Ja, das ist richtig. Es geht aber nicht immer nur um den Austausch mit den Mitarbeitern, sondern auch darum, dass sich diese in ihrer Position wohlfühlen. Der Mitarbeiter muss im Mittelpunkt stehen, er braucht Motivation, er muss den Zweck seiner Tätigkeit inhaltlich voll und ganz verstehen und auch leben.

Nach 28 Jahren an der Spitze eines Unternehmens. Mit wie viel Wehmut wagt man den Schritt in die Pension?

Reithner: Diese Frage ist relativ leicht zu beantworten. Ich bin mittlerweile 49 Jahre berufstätig. Wenn man ein Unternehmen gemeinsam mit den Mitarbeitern entwickelt, so ist man permanent bemüht, die Erfolge abzusichern, das Unternehmen in die richtige Richtung weiterzuentwickeln und dafür Sorge zu tragen, dass das Unternehmen auch in Zukunft eine gefestigte Position hat. Darum war es auch sehr wichtig, dass ich zum Jahresübergang 2015 auf 2016 selbst die Entscheidung getroffen habe, mit 64 Jahren in Pension zu gehen. Es war wichtig, zeitgerecht den richtigen Schritt zu setzen.

„Wir haben immer großen Wert auf die Mitarbeiterentwicklung gelegt, diese ist ein Erfolgsmilestone in unserer Geschichte.“Anton Reithner

Haben Sie Angst davor, ab dem 1. September keinen fixen Terminkalender zu haben ?

Reithner: Ich kann Sie beruhigen. Mein Terminkalender ist bis zu Weihnachten schon sehr gut gefüllt. Ich habe viele Freunde und Gott sei Dank mehrere Hobbys, die mir wahnsinnig Spaß machen.

Ich habe keine Angst vor der Zukunft, sondern ich freue mich umso mehr, dass ich jetzt Zeit habe für Dinge, die ich die letzten Jahrzehnte vernachlässigen musste.

Sie haben sich durch Fleiß nach oben gearbeitet und nebenbei berufsbegleitend Ausbildung nachgeholt. Glauben Sie, dass Ihr Weg heute noch genau so möglich wäre?

Reithner: Ich habe viel an Aus- und Weiterbildung berufsbegleitend nachgeholt. Wenn sie mich jetzt fragen, wäre es mit den derzeitigen Auswahlkriterien mit normaler Schulbildung wahrscheinlich schwierig, so einen Job zu besetzen. Aber: Ich habe all die 49 Jahre meine Arbeit mit großer Freude, mit Leidenschaft und auch großem Engagement getan.

Das Entscheidende ist, ich habe bis zum letzten Arbeitstag unendlich Freude an allen meinen Tätigkeiten verspürt.

Wie werden Sie die Zeit in der Pension gestalten? Welche Reisepläne gibt es bereits?

Reithner: Ich habe viele Hobbys und das macht es mir sehr leicht. Die letzten drei Jahrzehnte habe ich mit dem Motorrad wunderschöne Reisen unternommen. Es ist eine andere Art die Welt kennenzulernen. Leider waren es immer zeitlich begrenzte Reisen.

Die nächsten drei Jahre sind große Reisen geplant, um die Welt näher kennenzulernen. Nächstes Jahr starte ich mit Südeuropa und dem Norden von Afrika, 2019 die Panamerika-Route von Feuerland bis Alaska und wenn dann meine Kraft noch reicht, fahre ich 2020 entlang der Seidenstraße.

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