Alfred Spitznagl: „Es ist Zeit, etwas kürzer zu treten“

Bis Jahresende ist das Schuhgeschäft von Schuster-Urgestein Alfred Spitznagl (81) in Marbach noch geöffnet.

Erstellt am 28. Oktober 2021 | 03:56
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Nach 67 Dienstjahren schließt Alfred Spitznagl (81) sein Geschäft in Marbach an der Donau.
Foto: NorbertOberndorfer

Aktionspreis, Sonderrabatt, Kollektionswechsel. Dicke, schwarze Buchstaben und Prozentzeichen auf neongelben Plakaten. Wann immer Alfred Spitznagl Abverkaufsaktionen in seinem Schuhfachgeschäft bewarb, griff er zum Filzstift. Nun rührt er zum letzten Mal die Werbetrommel: Totalabverkauf steht da, in geschwungener Handschrift auf leuchtendem Papier. Der 81-Jährige (!) hat beschlossen, mit Jahresende sein Schuhgeschäft im Ortskern Marbachs zu schließen. „Es ist Zeit, etwas kürzer zu treten“, sagt das Schuster-Urgestein. „Ich hab‘ 67 Dienstjahre hinter mir. Ich glaub, da darf man schon mal auf die Bremse steigen“, lacht er.

Spitznagl überlegt, die Werkstatt weiterzuführen

Ein Nachfolger für das Schuhfachgeschäft ließ sich nicht finden. Bis Ende Dezember sollen Kunden noch Markenschuhe bei Spitznagl kaufen können. „Das ist der Plan – je nachdem, wie lange wir Ware im Lager haben.“

Der gebürtige Pöggstaller hat in seinem Schuhfachgeschäft in der Gemeinde an der Donau viel erlebt. „Zweimal wurde das Geschäft beim Hochwasser geflutet. Ich sag‘s Ihnen!“, klatscht Spitznagl die Hände zusammen. Trotz Hürden – wie auch dem Ausdünnen des Ortskerns – habe der 81-Jährige immer das Beste daraus gemacht. „Wenn die Qualität stimmt, funktioniert‘s. So hat es unser Geschäft über die Jahrzehnte geschafft.“

Aber ganz aufhören, das scheint dem umtriebigen Schuster noch nicht in den Sinn zu kommen. „Ich will mir die Werkstatt behalten. Fix ist noch nichts, aber ich überlege, die Werkstatt für Reparaturdienste weiterzuführen.“ Energie habe er schließlich noch, wie Spitznagl betont: „Im März werde ich 82. Schauen wir mal!“