Ex-Ortschef Gruber: „Mit der FPÖ? Niemals!“. Einstimmig wurde die bisherige Vize zur zwischenzeitlichen Ortschefin gewählt. Im Gespräch Ex-Bürgermeister Anton Gruber (SPÖ) über die Wahlniederlage der Marbacher Sozialdemokraten, seinen Polit-Rückzug und was er sich für die Zukunft der Gemeinde wünscht.

Von Denise Schweiger. Erstellt am 11. Februar 2020 (05:10)
Anton Gruber. Foto: privat
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NÖN: Die SPÖ hat bei der vergangenen Gemeinderatswahl erstmals die SP-Absolute verloren. Sie verkündeten noch am Wahlsonntag Ihren Rückzug aus der Politik. Wie geht es Ihnen nach ein paar Wochen Abstand damit?

Anton Gruber: Es ist natürlich eine Umstellung. Ich war gerne Bürgermeister und ja auch lange davor in der Gemeindepolitik tätig. Es ist aber auch eine Erleichterung. Ich habe viel mehr Zeit für Beruf und Familie.

Haben Sie denn damit gerechnet, dass die SPÖ an diesem Sonntag die Absolute verliert?

Nein, habe ich nicht. Ich habe mit einem Minus von zwei Mandaten gerechnet, allein schon deshalb, weil sich mit der FPÖ erstmals drei Parteien der Wahl stellten.

„Wenn Peter Grafeneder, den ich sehr schätze, diese Koalition eingeht, stelle ich seinen politischen Anstand infrage.“Anton Gruber, Ex-Ortschef

Woran lag Ihrer Meinung nach die Wahlniederlage der Marbacher Sozialdemokraten?

Ich glaube, es lag an zwei Punkten. Einerseits an der Debatte um die Flüchtlingsunterkunft: Dass ich mich für die Aufnahme der 30 Flüchtlinge in Marbach eingesetzt habe, haben viele nicht für gut empfunden. Ich stehe aber nach wie vor dazu, ich würde es genau so wieder machen. Der zweite Punkt war mein angespanntes Verhältnis zum Land. Wenn der „rote Gruber“ zum damaligen Landeshauptmann Erwin Pröll kam, gab es Diskussionen, die auch oft eskalierten. Mit Johanna Mikl-Leitner ist die Kommunikation aber viel besser geworden.

Punkto Diskussionen, die eskalieren: Sie sind dafür bekannt, immer Ihre Meinung zu sagen. Auch nach Ihrem Rückzug posten Sie diese auf Facebook klar, etwa zu Koalitionen mit der FPÖ, „die nicht einmal auf Gemeindeebene zustande kommen dürfen“. Eine Anspielung auf die mögliche Koalition der ÖVP und der FPÖ in Marbach?

Für mich ist das ein absolutes No-Go. Und damit meine ich nicht Manfred Mitmasser (Anm: FP-Ortsparteichef), sondern die politische Richtung, die damit eingeschlagen wird. Wenn Peter Grafeneder (Anm: VP-Ortsparteichef), den ich sehr schätze, diese Koalition eingeht, stelle ich seinen politischen Anstand infrage. Als wir die Absolute verloren haben, kam mir der Gedanke, dass wir eine Koalition mit der FPÖ in Erwägung ziehen müssen. Da musste ich nicht weiter nachdenken. Mit der FPÖ? Niemals.

Für Sie kommt also nur eine SP-VP-Koalition infrage?

Die SPÖ hält immer noch 46 Prozent, das darf man nicht vergessen. Für mich wäre Renate Hebenstreit als Bürgermeisterin und Grafeneder als Vize eine vorstellbare Kombination, mit der weiter projektorientiert gearbeitet werden kann. Wenn kein Sozialdemokrat in der Regierung ist, führen Leute die Gemeinde, die sich in den vergangenen zwölf Jahren noch nie über die Hintergründe von Projekten informiert haben. Ich kann mich an kein einziges Gespräch erinnern, in dem sich jemand bei mir erkundigt hat. Es bleibt die Frage, ob sich Grafeneder für die Gemeinde oder für die Landes-VP entscheidet. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber ich glaube, von oben kommt jetzt die Order, dass die SPÖ außen vor gelassen werden soll.