Konflikt um Druckerei: Steht Absiedlung bevor?. Unternehmer Johann Sandler meint, SP-Ortschef Anton Gruber will Ausbau seiner Firma verhindern. Der sieht darin eine persönliche Fehde gegen ihn selbst und die Gemeinde.

Von Anna Faltner. Erstellt am 27. Oktober 2017 (05:00)
Schweiger

„Für die heimischen Betriebe hat unser Bürgermeister nichts übrig. Die rote Partei macht null für die Wirtschaft.“ Firmenchef Johann Sandler von der gleichnamigen Druckerei in Marbach fährt schwere Geschütze gegen SP-Ortschef Anton Gruber auf.

Grund dafür: Nachdem der Verkehr der Donauuferbahn eingestellt wurde, erwarb Sandler per Vorkaufsrecht von der NÖVOG zwischen Friedhof und Eisenbahnkreuzung in Krummnußbaum eine Fläche von rund 28.000 m². Er möchte sein Unternehmen erweitern. Gruber hingegen spricht sich bekanntlich schon seit Jahren für den Erhalt der Bahn aus.

"Verkehren nur mehr über Rechtsanwälte"

„Er weiß genau, dass wir das gekauft haben, um auszubauen. Jetzt setzt er alles in Bewegung, um unseren Plan zu verhindern. Wir können aber nur nordseitig zubauen“, ärgert sich Sandler.

Der Ortschef sieht darin eine persönliche Fehde gegen ihn und die Gemeinde: „Er lehnt Marbach aus tiefster Überzeugung ab. Immer wieder kommen Drohungen gegen uns. Wir verkehren eigentlich nur mehr über Rechtsanwälte. Ihm ist aber noch nichts durchgegangen.“ Für den Bürgermeister sei jedes Unternehmen in der Gemeinde wertvoll. „Wenn ich einen Ausbau verhindern wollen würde, dann wäre ich fehl am Platz“, betont er.

„Er weiß genau, dass wir das gekauft haben, um auszubauen. Jetzt setzt er alles in Bewegung, um unseren Plan zu verhindern.“Unternehmer Johann Sandler

Die neu entfachte Diskussion um das Aus der Donauuferbahn kann Johann Sandler generell nicht verstehen. „Ich wohne seit 26 Jahren in Marbach und habe immer gesehen, wie viele Leute tatsächlich im Zug gesessen sind. Das war ein Geisterzug, mehr als zwei Radfahrer waren da nicht drin“, empört er sich in Richtung Verkehrswende NÖ: „Das hat doch nichts mit Ökonomie zu tun, wenn man 40 Tonnen in Bewegung setzt für zwei Radfahrer.“

Er fordert von der Gemeinde die Umwidmung seines Grundes in Betriebsgebiet. „Die Eisenbahn-Strecke kann ich erst umwidmen, wenn das Auflassungsverfahren abgeschlossen ist. Das ist eine gesetzliche Vorlage, an die ich mich halte“, rechtfertigt sich Gruber. Zum Thema Donauuferbahn fügt er hinzu: „Marbach ist eine Tourismus- und keine Druckerei-Gemeinde. Mit der Bahn könnten wir den Tourismus wieder anheizen. Da steht einmal nicht Herr Sandler, sondern die Menschen im Vordergrund.“

Sandler: "Muss man sich fragen, ob Marbach das Richtige ist"

Damit nicht genug: Johann Sandler wirft dem Gemeinde-Oberhaupt vor, allgemein gegen ortsansässige Unternehmen zu arbeiten. „Die Gemeindezeitung lässt er in Wiener Neustadt drucken. Da sieht man, wie wichtig wir ihm sind“, wettert der Unternehmer. Das kann Gruber leicht aufklären: „Das stimmt. Der Auftrag vom Land lautet aber wirtschaftlich zu arbeiten. Und der Preisunterschied zum Angebot der Druckerei Sandler war einfach zu hoch.“

Sollten ihm weiterhin Steine in den Weg gelegt werden, droht Sandler mit der Abwanderung. „Wegen der Lage haben schon einige Firmen Marbach verlassen. Bei uns würde das keine Rolle spielen. Aber unser Zubau wird ja verhindert. Da muss man sich fragen, ob Marbach das Richtige für uns ist.“