Pater Stefan Obergfell: "Ich war nie eine Rampensau“. Maria Taferls neuer Pfarrer, Pater Stefan Obergfell, über das Amt, Ziele und „Dresscodes“ in der Kirche.

Von Zaklina Jukic. Erstellt am 13. August 2019 (03:56)
Maria Taferl
Pater Stefan Obergfell vor seinem neuen Arbeitsplatz, der Basilika

Pater Stefan Obergfell, wie darf man Sie nennen? Ihrem Vorgänger, Pater Andreas, war der Vorname lieber. Wie handhaben Sie das?

Stefan Obergfell: Das war auch hier im Ort eine der größten Fragen. Ich habe bei meiner ersten Messe hier deutlich die Erleichterung gespürt, als ich mich als Pater Stefan vorgestellt habe. Ich glaube, den Leuten ist es wichtig, einen Pfarrer zu haben, der auf sie zugeht. Zudem bin ich jetzt zum ersten Mal in meinem Leben Pfarrer.

Und dann auch noch im größten Wallfahrtsort Niederösterreichs. Waren Sie schon vorher einmal in Maria Taferl?

Obergfell: Ja, ich war schon öfter hier in der Basilika und im Kloster, da ich vorher Provinzial war und als ein solcher regelmäßige Besuche, Gespräche und gemeinsame Messen mit meinen Mitbrüdern wichtig sind.

Sie kommen ursprünglich aus Deutschland. Haben Sie sich im Südlichen Waldviertel schon eingelebt? Wie geht es Ihnen mit dem Dialekt?

Obergfell: Im Großen und Ganzen verstehe ich ihn gut. Mit dem Waldviertler Dialekt tu ich mir etwas schwerer. Manche Begriffe sind mir manchmal sogar fremd. Da muss ich dann schon nachfragen. Ich komme ja aus dem Schwarzwald und denke, dass das ganz hilfreich ist.

Für die nächsten drei Jahre sind Sie nun in Maria Taferl tätig. Lange Zeit wurde die Basilika saniert, nun erstrahlt sie in neuem Glanz. Als weitere „Baustelle“ präsentiert sich das Pfarrheim.

Obergfell: Also das Dach muss in den nächsten Jahren mit Sicherheit saniert werden. Als sofort notwendig würde ich es nicht bezeichnen.

„Ich möchte niemanden aus der Kirche rausschmeißen. Für mich ist Kleidung einfach ein Stilbewusstsein.“Pater Stefan Obergfell

Haben Sie sich bestimmte Ziele für Ihre Amtszeit gesetzt?

Obergfell: Ich empfinde die Beichtseelsorge ganz wichtig. Beichtende zwischen 25 und 50 Jahren findet man leider kaum mehr. Die Menschen müssen sich bewusst machen, was das Sakrament der Beichte bedeutet.

Wie empfinden Sie die immer häufigeren Kirchenaustritte und dass viele Eltern ihre Kinder nicht mehr taufen lassen?

Obergfell: Das ist fatal. Kinder haben das Recht auf religiöse Erziehung. Das Argument, dass sie später entscheiden können ist schwierig. Wie sollen sie das entscheiden? Der Religionsunterricht allein reicht dazu nicht.

Wie könnte man das ändern?

Obergfell: Ich bin fast 59 und war nie eine „Rampensau“. Ich weiß aber, dass junge Menschen wen suchen, dem sie sich anvertrauen können. Ich könnte mir zum Beispiel eine längere Firmvorbereitung vorstellen.

Gibt es bei Ihnen strenge Vorschriften, was die Kleidung beim Messbesuch angeht?

Obergfell: Also da bin ich ein absoluter Verfechter. Ich möchte niemanden aus der Kirche rausschmeißen. Für mich ist Kleidung einfach ein Stilbewusstsein und ein Zeichen des Respekts. Das hat meiner Meinung nach nichts damit zu tun, wie sehr man die Schultern sieht. Da gibt es Schlimmeres.