Junger Betrüger aus Melk in Prozess verurteilt. Elektrogeräte, Traktoren und teure Autos, ganz ohne lästiges Bezahlen. Ein 21-Jähriger lebte fast vier Jahre lang auf großem Fuß. Er ist rundum geständig: Dreieinhalb Jahre Haft.

Von Stefanie Marek. Erstellt am 24. Februar 2021 (04:46)
Symbolbild

Er ist erst 21 Jahre alt und hat schon eine „beachtliche kriminelle Karriere“ hinter sich, wie es der Staatsanwalt formuliert. Kurze braune Haare, Brille, Jeans – der junge Mann, der letzte Woche am Landesgericht St. Pölten unter anderem wegen schweren, gewerbsmäßigen Betruges verurteilt wurde, könnte unauffälliger nicht aussehen. Trotzdem ist er bereits dreimal vorbestraft.

Durch mehr als 20 Betrugsfälle im Bezirk Melk hat er seit 2017 bis zu seiner Festnahme 2020 insgesamt an die 470.000 Euro Schaden verursacht. Er ließ sich im Laufe der Jahre mehrere Waschmaschinen, Trockner, Gefrierschränke, Fernseher, Laptops und teure Kaffeemaschinen liefern, unter der Angabe, zahlungsunfähig zu sein. Auch behauptete er, die Geräte hätten Transportschäden, und ließ sich Ersatz liefern.

Dann verkaufte er sie im Internet oder an Bekannte billig weiter. So richtig teuer wurde es, als er in seiner Funktion als landwirtschaftlicher Facharbeiter ein ähnliches Spiel mit mehreren Traktoren begann. Er spielte den Händlern eine Kaufabsicht vor, nahm die Fahrzeuge für Probefahrten mit und verrichtete mehrere Stunden Arbeit damit, bevor er sie mehr oder weniger freiwillig wieder zurückstellte. Dafür unterschrieb er auch Kaufverträge, wohlwissend, dass er nie würde zahlen können.

„Als ich 2017 noch in Ausbildung war, habe ich wenig verdient, wollte aber mehr Dinge haben“, gibt der Angeklagte zu. „Ich wollte große Autos fahren und Chef spielen.“ Bei den Traktoren blieb es nämlich nicht. Einen Audi A4, einen Audi Q7, einen Alhambra und einen Golf 7 erschlich er sich durch ähnliche Vorgangsweisen und behielt sie mehrere Tage bis Wochen. In einigen Fällen blieb es beim Versuch, weil die Händler misstrauisch wurden.

„Es tut mir alles extrem leid. Ich bin froh, dass mich die Polizei erwischt hat“, sagt der Angeklagte, der vor Kurzem Vater geworden ist. „Ich will und muss mein Leben ändern. Ich will nicht, dass meine Tochter ohne Vater aufwächst.“

Er ist bemüht, reinen Tisch zu machen, bei der Polizei gab er sogar Dinge zu, für die er gar nicht verdächtigt wurde. Der Strafrahmen liegt bei zehn Jahren Haft. Am Ende bekommt er dreieinhalb Jahre. Zwei Jahre sind noch wegen der Vorstrafen offen, diese drohen ihm, sollte er nach Verbüßung der Haft noch einmal straffällig werden.