Krankenschwestern geben Einblick auf Covidstation. Vier Krankenpflegerinnen geben gegenüber der NÖN Einblicke in den Alltag auf den Coronastationen im Melker Krankenhaus.

Von Markus Glück. Erstellt am 25. November 2020 (05:24)
Für Astrid Hofer, Cornelia Elser, Nicola Dallinger und Stationsleiterin Monika Kreuziger ist seit März der Coronavirus täglicher Begleiter.
Pehn/ LKH Melk

Seit mehr als einem halben Jahr stehen die Krankenpfleger auf den Stationen 3 und 5 des Melker Landesklinikums im Einsatz gegen das Coronavirus. Die NÖN sprach mit vier von ihnen über ihren Alltag, den täglichen Kampf und ihre Sorgen.

Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag seit dem Ausbruch der Pandemie geändert? Wie kann man sich derzeit den Ablauf vorstellen?
Monika Kreuziger:
 Im Pflegeberuf ist immer Flexibilität und vernetztes Denken gefordert. Seit Ausbruch der Coronapandemie hat sich dies potenziert: tagtäglich neue Herausforderungen in Bezug auf Patienten und die unterschiedlichsten Auswirkungen und Verläufe der Krankheit, dazu noch die immer wieder aktualisierten Maßnahmen vonseiten des Arbeitgebers und der Behörden. Wir haben wo auch immer möglich, neue Routinen für unseren Stationsalltag geschaffen, weil es wichtig ist und Sicherheit schafft.

Sie arbeiten alle vier auf den beiden Covid-Stationen im LKH Melk. Welche Schutzmaßnahmen müssen Sie täglich treffen und wie sehr erschweren diese den Arbeitsalltag?
Nicola Dallinger:
Wir fühlen uns geschützt. Wir sind aufgrund von regelmäßigen Schulungen und viel Übung und Erfahrung im Umgang mit dem Virus sicher. Außerdem sind wir ein eingespieltes Team, das gut aufeinander aufpasst und somit Fehler gut vermeiden kann.

Sie haben Zwölf-Stunden-Dienste, die ohnedies bereits anstrengend sind. Wie erschweren die Schutzmaßnahmen den Dienst, wie sehr geht dies auf die Substanz?
Cornelia Elser:
Unsere Dienste sind sehr anstrengend und das Tragen der persönlichen Schutzausrüstung mit Haube, Mantel, FFP-Schutzmaske, Handschuhe und meist noch ein zusätzliches Visier oder eine Schutzbrille verlangt uns körperlich natürlich einiges ab. Besonders belastend ist das Erleben persönlicher Schicksale unserer Patienten, verschärft durch Besuchsverbot und Isolierung.
Dallinger: Kraft geben uns der Zusammenhalt und der Austausch über Erlebtes im Team, sowie viel Bewegung an der frischen Luft und wenn möglich Sonne tanken.

Sie erleben jeden Tag live mit, welche dramatischen Auswirkungen Covid haben kann. Was sagen Sie den Menschen, die die Krankheit derzeit immer noch als Grippe herunterspielen?
Kreuziger: Die wichtigste Erkenntnis zu Covid ist, dass man es nicht in eine Schublade stecken kann und sagen kann „das ist es“. Natürlich gibt es mildere Formen oder asymptomatische Verläufe. Wir im Krankenhaus sehen allerdings, dass das Virus weder alt noch jung, sportlich oder unsportlich, dick oder dünn unterscheidet, sondern wirklich jeden in den unterschiedlichsten Ausprägungen treffen kann. Leider gibt es auch immer wieder Langzeitauswirkungen. Also bitte Eigenverantwortung übernehmen und sich selbst und andere schützen.

Die aktuelle Diskussion dreht sich derzeit vielerorts um eine Aufstockung der Intensivbetten. Was bedeutet dies für die Pflegekräfte, derzeit hört man ja bereits, dass diese weit über das Limit hinausarbeiten?
Elser: Im Intensivbereich zeigt sich leider noch deutlicher als auf der Normalstation, dass die Betten und die Beatmungsgeräte allein nicht reichen, sondern, dass es speziell ausgebildetes Personal braucht, um die Versorgung der Patienten zu gewährleisten. Dies wird zusehends zum Problem.

Welche Gedanken haben Sie, wenn Sie täglich den Klinikalltag sehen und außerhalb des Spitals, Menschen sehen, die die derzeitigen Maßnahmen ignorieren?
Kreuziger:
Ich bin betroffen und traurig, weil ich täglich erlebe, was dieser Virus auslösen kann, und wie schwer wir daran arbeiten, dass die betroffenen Menschen wieder ihre Gesundheit und Lebensqualität erlangen. Ich habe den Eindruck, dass es außerhalb des Klinikums an Strukturen mangelt, die für eine sachliche Aufklärung in der Bevölkerung sorgen und den Menschen helfen Eigenverantwortung und auch Verantwortung für ihre Mitmenschen zu übernehmen.

Wie sehen Sie derzeit generell die Situation bei den Krankenpflegern?
Kreuziger:
Die Coronapandemie hat uns gezeigt, dass es schnell zu einer wirklich bedrohlichen Situation kommen kann, weil nicht ausreichend qualifiziertes Fachpersonal vorhanden ist, dieses jedoch dringend gebraucht wird.

Wie sieht die Situation generell im Landesklinikum Melk aus, gibt es ausreichend medizinisches Personal?
Dallinger:
Wir haben zurzeit ausreichend Personal, um die anstrengende Arbeit auf der Covid-Station qualitätsvoll verrichten zu können. Auch funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb des Landesklinikums mit anderen Bereichen sehr gut. Durch gute Dienstplangestaltung haben wir derzeit auch ausreichend Regenerationsphasen.
Elser: Wirklich schwierig ist für uns die Unsicherheit, wie lange dieser Zustand noch anhalten wird, weil auch wir gerne wieder zu einer gewissen Normalität zurückkehren würden.