Ärger über Zuglärm entlang alter Westbahnstrecke

Erstellt am 03. August 2022 | 04:42
Lesezeit: 3 Min
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In den Sommermonaten stört viele Anrainerinnen und Anrainer entlang der Westbahnstrecke die erhöhte Zahl an Güterzugfahrten.
Foto: shutter-stock/Malivuk
Anrainer ärgern sich über erhöhte Fahrten von Güterzügen. ÖBB erklärt Situation.
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Das schöne Wetter der vergangenen Wochen lockte viele Menschen nach draußen − in den Fokus kam dabei einmal mehr der Zuglärm entlang der alten Westbahnstrecke. Zahlreiche Leserinnen und Leser aus Loosdorf und Melk meldeten sich in der Redaktion.

Einer davon war der Melker Grünen-Gemeinderat Emmerich Weiderbauer: „Es ist unerträglich und mittlerweile eine unzumutbare Situation. Die alte Westbahnstrecke hat im Moment einen unerträglichen Höhepunkt.“ Er kritisiert zudem, dass die ÖBB Ende 2020 versprochen hat, dass zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 80 Prozent lärmarme Güterzüge auf der Strecke unterwegs sein werden. „Diese Meldung ist aufgrund der Beobachtung der Anrainer völlig absurd und entbehrt jeglicher Grundlage“, ärgert sich Weiderbauer, der auch auf die beschlossene Resolution aller Gemeinden im Bezirk Melk entlang der Westbahnstrecke aus dem Jahr 2019 erinnert.

Bei der Stadtgemeinde Melk verweist Vizebürgermeister Wolfgang Kaufmann (ÖVP) darauf, dass bei der Stadtgemeinde Melk keine Beschwerden eingegangen sind. Anders sieht die Situation in Loosdorf aus, dort haben sich auch bei Ortschef Thomas Vasku (SPÖ) einige Bürgerinnen und Bürger gemeldet. Vasku war damals Hauptinitiator der Resolution. „Wir haben uns mit der Resolution an die ÖBB gewendet. Leider ist nichts zurückgekommen“, sagt Vasku. Für ihn sind die vermehrten Güterzüge bei der alten Trasse aufgrund Umbauarbeiten auf der Hochleistungsstrecke logisch.

„Man hat vor 20 Jahren beim Bau der Hochleistungsstrecke leider sträflich verabsäumt, auszumachen, wie viele Güterzüge entlang der alten Strecke fahren dürfen“, erinnert Vasku an Fehler von damals. In Loosdorf selbst habe man jedenfalls zum Schutz der Bevölkerung reagiert und in der Gemeinderatssitzung die Unterstützung beim Bau von Lärmschutzmaßnahmen, wie etwa Fenster, beschlossen.

Bei der ÖBB wird auf NÖN-Anfrage betont, dass auf der Neubaustrecke, seit ihrer Inbetriebnahme im Jahr 2001, die Zahl der Güterzüge mit 160 pro Tag gleich geblieben ist. Durch die Neubaustrecke können rund 40 Prozent weniger Züge über die Bestandsstrecke geführt werden. Der ÖBB sei es zwar ein Anliegen, so viele Güterzüge wie möglich auf der Neubaustrecke zu führen, dies sei aber nicht immer möglich. So ist durch attraktive Reisezeiten, einer Taktverdichtung und der Angebotserweiterung der Schnellzüge ein Verdrängungseffekt entstanden.

„Mehr schnelle Personenzüge auf der Neubaustrecke bedeuten somit, dass mehr Güterzüge auf die Bestandsstrecke ausweichen müssen“, erklärt ÖBB-Sprecher Christopher Seif. Er verweist zudem darauf, dass zusätzlich einige Güterzüge die alte Strecke benutzen müssen, da sie in der Region be- und entladen werden. Daneben gebe es auch Umbauarbeiten, die die Umleitung notwendig machen. Angesprochen auf die Resolution aus dem Jahr 2019 und die Forderung nach lärmarmen Zügen erinnert Seif daran, dass dies mittlerweile in einer Verordnung der EU-Kommission rechtlich verankert ist.

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